Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Über die Spitzenmannschaft Freiburg. Am Samstag um 15.30 Uhr schauten viele Sky-Abonnenten zuerst das Derby im Pott. Dieses Sedativum schaltete man als vernünftiger Mensch nach dreißig Minuten weg. Zu Bayern gegen Union, das war auch nicht viel besser. Also Freiburg gegen RB, das war wenigstens ein ordentlicher Kampf der tapferen Breisgauer. 2:1 siegten sie gegen Leipzig und Christian Streich ließ noch einmal einen lauten Schrei los, bevor er sich im neuen Stadion wegen die Lärmschutzverordnung bald ganz vielleicht zurückhalten muss. In Superzeitlupe kann man vor seinem Torjubel und seinem verzerrten Gesicht geradezu ein bisschen erschrecken. Auf Rang 3 steht sein SC. Freiburg ist ein Spitzenteam, weil es in der Bundesliga derzeit keine echte Spitze gibt.

Die schlecht gelaunten Leipziger sind nun vier Spiele ohne Sieg, Vereinschef Oliver Mintzlaff sagte: "Das ist zu wenig." Der Badener Jogi Löw war auch im Stadion, und er musste sich diesmal nicht mal rechtfertigen, das Derby in Gelsenkirchen zu schwänzen. Denn mehr deutsche Nationalspieler sah er in Freiburg.

Was machten die Frauen?

Sie betrieben Vulgärfeminismus. Dafür wurde Imke Wübbenhorst in Nürnberg von der Deutschen Akademie für Fußballkultur für den besten Fußballspruch des Jahres ausgezeichnet. "Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf." In der vorigen Saison coachte Wübbenhorst den Oberligisten BV Cloppenburg und war damit die erste Frau, die in Deutschland ein Männerteam auf diesem Niveau trainierte. Der Spruch war ihre schlagfertige Antwort auf die Frage eines Reporters, ob sie zur Warnung ihrer Spieler eine Sirene trage, bevor sie die Kabine betrete. Im Sommer gab Wübbenhorst Job und Wohnung fürs Erste auf, um den DFB-Trainerlehrgang zu absolvieren. Dennoch spendete sie die Prämie von 5.000 Euro. Das Publikum bestimmte über den Sieg.

Was war sonst noch wichtig?

  • Paderborn schaffte den ersten Saisonsieg. Ein herrliches Tor gelang Abdelhamid Sabiri, dem ehemaligen Nürnberger, durch einen präzisen Fernschuss. Für Steffen Baumgart war es der erste Dreier in einem Bundesliga-Spiel überhaupt, er gelang ihm gegen seinen Ex-Trainer Friedhelm Funkel.
  • Köln hätte in Mainz einen Handelfmeter bekommen müssen. Das sagt auch der DFB, der den Fehler seines Schiedsrichters Frank Willenborg zugab. Der hatte sich die Szene sogar am Bildschirm angesehen. Wolfsburg hätte auch einen Handelfer zugesprochen bekommen dürfen, auch Tobias Stieler studierte die Bilder. Die Handspielregel – nicht mal die Schiris verstehen sie offenbar.
  • Der HSV bezwang Stuttgart im Zweitligaspitzenspiel 6:2. Am Dienstag spielen die beiden im DFB-Pokal gleich noch einmal. Manche VfB-Fans sind gleich "oben" geblieben.
  • Nicht mal zweistellig verlor Ralph Hasenhüttl, der ehemalige Trainer von Ingolstadt und Leipzig, beim 0:9 seiner Elf aus Southampton gegen Leicester City.
  • Am Dienstag und Mittwoch ist DFB-Pokal. Die attraktivsten Partien: Dortmund gegen Gladbach, Bochum gegen Bayern, Hamburg gegen Stuttgart, Wolfsburg gegen Leipzig, St. Pauli gegen Frankfurt, Saarbrücken gegen Köln.

Was waren die Zitate des Wochenendes?

"Es war die falsche Entscheidung von Herrn Tönnies, nicht zurückzutreten. Er hätte dem Verein damit einen Gefallen getan und viel erspart. Es geht auch nicht darum, ihm vorzuwerfen, er sei ein Rassist. Es war ein rassistischer Moment. Und solche Momente darf es nicht geben."
Peter Lohmeyer, Schauspieler und Schalke-Mitglied, erklärt in der "
SZ" seinen Vereinsaustritt aufgrund der umstrittenen Aussage des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

"Der Tönnies hat noch von 'Afrikanern' erzählt, in den Zuschriften wurden sie 'Neger' genannt. Das ist das Gefährliche: So reden dann manche Leute Tönnies nach und trauen sich, damit laut zu werden."
Lohmeyer über die Beschimpfungen und Drohungen, die er wegen seines Austritts erhalten hat