Wer spielt wann gegen wen?

Auch wenn Sie das große Glück haben und sich Ihr Wohnsitz in einem katholisch geprägten Bundesland befindet: Ein freier Tag befreit nicht von der Aufgabe, einem der beiden Berliner Clubs (wo heute gearbeitet werden muss) Ihr Herz zu geben. Oder doch den Bayern?

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Das der Bayern und das des BVB. Dortmund muss gegen Wolfsburg ran, die Bayern in Frankfurt (live auch im ZDF). Beide Spitzenclubs gewannen ihre Pokalspiele, die Bayern in Bochum und der BVB gegen Gladbach, doch nicht das Ergebnis ist das Entscheidende, sondern die Leistung. Wie schon in der Woche zuvor sprachen die Bayern über ihren Erfolg wie über eine schlimme Krankheit, Niko Kovač gab seinen Spielern eine gehörige Mitschuld am laschen Auftritt. Ein gefährlicher move, den die Spieler sehr genau registriert haben. Hasan Salihamidžić flüchtete sich in einen seltsamen Ironieanfall, diese bedrückende Herbstzeit macht etwas mit den Menschen.

Und der BVB hat zwar das zweite Mal innerhalb weniger Tage den Tabellenführer Gladbach geschlagen, doch immer häufiger wird das Wort Favre nur noch gemeinsam mit Nachfolger benutzt. Den teuren Kader stellt er in manchen Spielen auf wie ein Bäcker, der ein Haus planen soll. Warum er zum Beispiel in Mailand zum ersten Mal eine Fünferkette und zwei defensive Mittelfeldspieler spielen ließ, bleibt sein Geheimnis. Das Derby auf Schalke brachten die Borussen hinter sich, als ginge sie all das nichts an. Sie mussten sich sogar Sprüche vom Torhüter des Gegners über die Verwaisung des Strafraums anhören. Auch gegen Gladbach sah es lange Zeit zäh aus, ehe Julian Brandt sein Team spät mit zwei Toren, bei denen der Gegner jeweils mithalf, erlöste. 

Vielleicht profitieren beide Trainer derzeit noch davon, dass der andere auch nicht erfolgreicher ist. Das aber ist kein Zukunftsmodell. Deutschlands beste Clubs des ablaufenden Jahrzehnts haben Trainer, die wöchentlich auf Abruf stehen, platzieren Sie Ihre Wette also rechtzeitig.

Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Das Berliner Derby. Weil es streng genommen keines ist, zumindest ging es lange nicht hitzig, sondern freundschaftlich zu. Als die Mauer noch stand fuhren Unioner mit auf Auswärtsfahrt zu Hertha-Spielen in Prag und als die Mauer fiel, traf man sich im Januar 1990 zum Freundschaftskick vor 50.000 Zuschauern. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf wurden Ost-Krankenhäusern gespendet, es soll gar ein gemischter Fangesang entstanden sein: "Eisern Berlin." Und hundert enttarnte Fans des von der Stasi protegierten BFC wurden mit Stasi-raus-Gesängen eingedeckt und mussten unter Polizeischutz das Stadion vorzeitig verlassen. Das Rückspiel besuchten dann nur noch 4.000 Zuschauer und die "Liebe hinterm Schtacheldraht", wie es in Slogans hieß, erkaltete schnell wieder. 30 Jahre Kapitalismus und Konkurrenzgesellschaft später klingt es härter und kälter: "Derby heißt Krieg um jeden Zentimeter in Berlin", hieß es in einer kursierenden WhatsApp-Nachricht, mutmaßlich von Herthanern, direkt nach dem Union-Aufstieg im Mai. "Für mich ist das ein Derby, das steht für Rivalität, Abgrenzung. Und für Fußballklassenkampf in der Stadt", sagte Unions Präsident Dirk Zingler in diesem Sommer. 2012, nach dem vorletzten Duell der beiden (2:1 für die Hertha), sagte der Ostberliner Mittelfeldakteur Christopher Quiring in Köpenick: "Ich könnte kotzen, wenn die Wessis bei uns im Stadion jubeln." Legt die Spucktüten raus, die Hertha kommt.

Wer steht im Blickpunkt?

Franz Beckenbauer. Das russische Portal The Insider hat Material veröffentlicht, das Beckenbauer nicht gefallen wird. In Deutschland griff zuerst Der Spiegel die Recherchen auf und legt eindrucksvoll dar, wie es gewesen sein könnte mit der WM-Vergabe nach Russland, an der Beckenbauer womöglich auch beteiligt war. Veröffentlicht wurden jetzt E-Mails, die zwischen dem russischen Bewerbungskomitee und einem Dumaabgeordneten hin- und hergingen. Die Russen listen darin unter anderem auf, wer im Fifa-Komitee wie viel gekostet haben soll. Beckenbauers Stimme gab es demnach für drei Millionen Euro. Falls Russland den Zuschlag erhalte, sollte es noch mal 1,5 Millionen für den Kaiser und seinen Berater Fedor Radmann geben. Zutage kommt auch feinste Korruptionslyrik: "Er sei bereit, die Möglichkeit einer Stimmabgabe für Russland zu erwägen, allerdings seien dazu zusätzliche Anstrengungen in dieser Richtung nötig." So steht es in den E-Mails. Radmann streitet die Berichte ab, Beckenbauer schweigt. Schon 2014 sagte ein früherer MI6-Agent, den das im Ausrichterrennen unterlegene England engagiert hatte vor dem britischen Parlament, dass Beckenbauer der Korrupteste unter den vielen Korrupten bei der Fifa sei. Als Beckenbauer 2012 bei der Fifa ausstieg, erhielt er einen Beratervertrag beim russischen Gaskonzern Gazprom. Vielleicht hat er einfach nur den Anbieter gewechselt, soll man ja ab und an machen.