Aufgrund einer "Adduktorenverletzung am linken Oberschenkel" muss Toni Kroos seine Teilnahme an den anstehenden Fußball-Länderspielen absagen. Dies teilte der DFB mit. Zuvor mussten bereits der Kölner Hector, Antonio Rüdiger vom FC Chelsea (Leiste), Leon Goretzka vom FC Bayern (Oberschenkel), Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt (Schulter), der Dortmunder Nico Schulz sowie Julian Draxler und Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain (alle Fuß) Bundestrainer Joachim Löw verletzungsbedingt absagen.

Kroos musste sich in medizinische Behandlung begeben, nachdem er sich beim 4:2 von Real Madrid gegen den FC Granada nach 33 Minuten verletzt hatte und vom Platz musste. Er stand in der bisherigen Saison bei allen bisherigen zehn Pflichtspielen in der Startelf.

"Leider fehlen uns ja fünf, sechs Spieler, die normalerweise bei uns zum Stamm gehören. Das ist natürlich ein bisschen ärgerlich", sagte der Bundestrainer angesichts der hohen Ausfallquote im DFB-Team. Insgesamt muss er wegen Verletzungen auf neun Spieler verzichten. "Schade, aber wir müssen das Beste daraus machen", sagte Löw vor dem Treffen seines Kaders an diesem Montag in Dortmund, wo zwei Tage später das Spiel gegen Argentinien steigt.

Löw nominiert Nachwuchstalent Suat Serdar

Marc-André ter Stegen erhält dann im Tor die von ihm ersehnte Bewährungschance. Als Ersatz für Hector nominierte Löw das Schalker Talent Suat Serdar erstmals in seinen nun 20-köpfigen Kader. Der 22-jährige Mittelfeldspieler war im Sommer mit der deutschen U21-Auswahl Vizeeuropameister geworden.

Löw ärgern die Ausfälle nicht nur aus aktuellem Grund, sondern auch schon mit Blick auf die Europameisterschaft im Sommer 2020. In der laufenden Qualifikation liegt sein Team als Spitzenreiter (12 Punkte) der Gruppe C auf Kurs. Der Bundestrainer ist überzeugt, dass sich Deutschland im Dreikampf um zwei EM-Tickets mit den Nordiren (12) und den Niederländern (9 Punkte, ein Spiel weniger) durchsetzen wird.

Doch dann gibt es nicht mehr viele Gelegenheiten für Löw, um seine junge Mannschaft auf ein höheres Niveau zu bringen, damit sie bei der EM-Endrunde mit den Spitzenteams auf Augenhöhe mitspielen kann.

"Für unsere Entwicklung ist das sehr wichtig", sagte Löw deshalb zum Testspiel gegen die Argentinier. Auch wenn etwa Superstar Lionel Messi wegen einer Sperre fehlt, sind die Südamerikaner ein echter Prüfstein. Löw sieht die Länderspielwoche, die am Sonntag in der EM-Quali gegen den punktlosen Tabellenletzten Estland abgeschlossen wird, aber auch "als etwas Gesamtes" für den Reifeprozess. "Wir wollen gute Trainingseinheiten absolvieren, mit den Spielern reden", sagt der Bundestrainer.

Deshalb stören Löw die vielen Ausfälle. "Auf der anderen Seite ist das wieder eine Möglichkeit, dem einen oder anderen jungen Spieler eine Chance zu geben", sagte er. So könnte der 23 Jahre alte Freiburger Luca Waldschmidt diesmal zum Debüt in der Nationalelf kommen.