Ihre frühere Mitspielerin Magull ist von Bühls Entwicklung beeindruckt: "Ich kenne sie seit drei Jahren: Sie bietet ein tolles Gesamtpaket." Vor einem Monat erhielt sie die Fritz-Walter-Medaille in Gold als beste U19-Juniorin, die wichtigste Nachwuchsauszeichnung des DFB. Vorn am ersten Tisch im Hamburger Besenbinderhof platzte Keller fast vor Stolz. Bühl, die noch bei ihren Eltern in Münstertal bei Freiburg wohnt, freute sich ungemein und versicherte, sich auf den Lorbeeren nicht auszuruhen. "Man darf es nicht als Freifahrtschein ansehen." Ausführlich danke sie ihrem Verein, "der SC Freiburg nimmt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle in Deutschland ein".

Sie verkörpert all das, was die Ausbildung in der Breisgauer Wohlfühloase ausmacht: Bescheidenheit, Fleiß und Talent. In Freiburg wird Wert darauf gelegt, die duale Karriere zu fördern. Bühl hat im Sommer ihr Abitur gemacht und absolviert gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte bei der Freiburger Turnerschaft 1844, einem der Kooperationspartner des SC Freiburg. "Das ist eine Art Sportkindergarten. Da bin ich drei Stunden am Tag und unterstützte die Kinder und spiele mit ihnen", sagt Bühl.  

Abteilungsleiterin Bauer warnt allerdings davor, der blonden Angreiferin zu viel aufzubürden und sie in eine Rolle zu drängen, die ihr nicht entspricht: "Klara ist ein zurückhaltender, bodenständiger Typ ohne Allüren. Sie ist bei uns die nächste Zeit noch gut aufgehoben." Auch bei den Frauen greifen die Topvereine, die sich auch international fast allesamt unter dem Dach der dominierenden Herrenteams befinden, immer früher auf die besten Spielerinnen zu. Und inzwischen werden auch Ablösen gezahlt. Zwar maximal im unteren sechsstelligen Bereich, aber immerhin. Bühl ist noch über den nächsten Sommer hinaus vertraglich an Freiburg gebunden. Mindestens bis zur EM 2021 in England soll sie hier ihre Tore schießen.

Verlieren die Deutschen den Anschluss?

Verläuft ihre Karriere aber weiterhin so zielstrebig, wird sie sich spätestens dort einem großen Publikum zeigen können. In England boomt der Frauenfußball. Für das letzte Länderspiel des Jahres tritt das deutsche Nationalteam am 9. November in Wembley an, alle Tickets sind weg. 90.000 Zuschauer werden ins Stadion kommen, beinahe wäre der Weltrekord von 1999 (Pasadena, USA gegen China) gefallen.

In England treiben sich der Verband, die Vereine, die Sponsoren und die Medien gegenseitig an, mit klugen Werbekampagnen, billigen Eintrittspreisen und vor allem der Wertschätzung für den Frauenfußball. In Deutschland ist ein solcher Zuspruch derzeit undenkbar: Zu den vergangenen Heimpartien der DFB-Fußballerinnen kamen 5.504 Besucher an den Tivoli in Aachen und 6.275 Zuschauerinnen ins Kasseler Auestadion. Auch die Einschaltquoten der Öffentlich-Rechtlichen bei Frauenfußballländerspielen stagnieren oder gehen zurück.

Es fehlen prägende Gesichter. In ihrer WM-Analyse hat die frühere Bundestrainerin Silvia Neid als Leiterin des Scouting herausgefiltert, dass "Persönlichkeit und Mentalität" elementare Voraussetzungen für den Erfolg sind. Die vor Selbstbewusstsein platzenden Weltmeisterinnen aus den USA sind weit voraus; allen voran Weltfußballerin Meagan Rapinoe, die auch zur politischen Figur wurde.

Die Pläne des neuen DFB-Präsidenten

Immerhin haben der DFB und seine Partner erkannt, dass auch abseits des Spielfelds Nachholbedarf besteht. So hat der Namenssponsor der Bundesliga flyeralarm einen "Talents Club" aufgelegt, bei dem pro Verein ein Talent in der Persönlichkeitsentwicklung, im Umgang mit den Medien und bei der beruflichen Entwicklung unterstützt wird. Da Bühl aber bereits neunmal für die A-Nationalmannschaft gespielt hat, kann sie von diesem Programm nicht profitieren. Der SC Freiburg hat die 21 Jahre alte Stefanie Sanders benannt.  

Der neue DFB-Präsident ist gewillt, den Bedeutungsverlust des Frauenfußballs zu bekämpfen. Sein Vorschlag ist es, die 36 Männerprofivereine von der ersten bis zur zweiten Liga dazu zu verpflichten, entweder den Frauen- und Mädchenfußball selbst zu betreiben oder einen Verein in der Nähe zu unterstützen. Das könne "irgendwann auch als Lizenzierungsbedingung" festgeschrieben werden, sagte Keller, denn bei der Nachwuchsförderung "mussten die Vereine damals auch zu ihrem Glück gezwungen werden". Bauer weiß noch nicht genau, was sie von dem Vorschlag halten soll. Ihre Erfahrung: "Ich bin da hin- und hergerissen. Wenn man im Frauenfußball etwas macht, muss es aus Überzeugung entstehen." So wie im schönen Freiburg.