Wer war der Star des Abends?

Malaika Mihambo. Klar, sie ist als Favoritin in das Finale im Weitsprung gegangen, aber das muss im Sport ja nichts heißen. Doch dann das: 7,30 Meter. Seit drei Jahren ist keine Frau mehr so weit gesprungen. Mihambo gewann mit dem größten Vorsprung, den eine Weltmeisterin je hatte. "Es wird der beste Sprung meines Lebens bisher gewesen sein und einer, an den man nicht mehr herankommt vielleicht", sagte sie später im ZDF. Dabei hat sie es davor richtig spannend gemacht. Im ersten Versuch geriet der Anlauf zu kurz, sie sprang weit vor dem Brett ab und landete nur bei 6,52 Metern. Im zweiten Versuch trat sie über. Weil nach dem dritten Versuch ein Cut gemacht wird und nur die besten acht Springerinnen weitermachen durften, brauchte sie unbedingt eine bessere Weite, um überhaupt im Wettkampf zu bleiben. Doch wo andere nervös geworden wären, setzte Mihambo einfach mal 7,30 Meter in den Sand. Ein Sprung, so außergewöhnlich, dass ihr unmittelbar danach sogar die Konkurrentinnen gratulierten. So etwas hatten auch sie noch nicht gesehen. Und je mehr Zeitlupen man von diesem Sprung geboten bekommt, desto wahrscheinlicher scheint, dass demnächst eine Fluglinie nach der Frau aus Oftersheim nahe Heidelberg benannt wird. Air Mihambo, klingt gut, und fliegt zudem komplett CO2-neutral.

Wer war noch ganz gut?

Timothy Cheruiyot aus Kenia. Er gewann sein 1.500-Meter-Rennen durch die einfachste aller Taktiken: schnell losrennen und möglichst nicht langsamer werden. Cheruiyot führte von Beginn an – und bis zum Schluss. Zeitweise hatte er so viel Vorsprung, dass man glauben konnte, er sei einer dieser Tempomacher, die irgendwann aussteigen müssen. War er aber nicht, er lief durch. Es war übrigens die elfte Medaille für Kenia bei dieser WM, die fünfte aus Gold. Damit ist das ostafrikanische Laufwunderland Zweiter im Medaillenspiegel hinter den USA und vor Jamaika.

Was machten die anderen Deutschen?

Noch einmal Bronze gewinnen. Johannes Vetter warf den Speer auf 85,37 Meter und holte sich den dritten Platz. Von ein wenig mehr hat Vetter wahrscheinlich geträumt; hätte er zum Beispiel seine Weite aus der Qualifikation wiederholt (89,65 Meter), wäre er mit Gold nach Hause gegangen. Aber auch Speer geworfen wird eben nicht im Konjunktiv, weshalb Anderson Peters aus Grenada mit einer Weite von 86,89 Metern Gold gewann vor dem Esten Magnus Kirt (86,21), der sich im vorletzten Versuch an der Schulter verletzte und die Silbermedaille quasi auf der Bahre bejubelte. Vetters Medaille war Edelmetall Nummer sechs fürs deutsche Team. Zweimal Gold, viermal Bronze, ein ordentliches, aber kein herausragendes Ergebnis für das deutsche Team.

Was war das nun für eine WM?

Keine besonders gute. Von Doha 2019 werden vor allem unschöne Bilder bleiben. Kollabierende Sportler, für die die Hitze und die Luftfeuchtigkeit zu viel waren. Beim Marathon der Frauen etwa kamen 28 von 68 Läuferinnen nicht ins Ziel, obwohl das Rennen extra mitten in der Nacht ausgetragen wurde, um die Bedingungen erträglicher zu gestalten. Im Stadion konnten es die Sportler gut aushalten, allerdings fehlten dort die Zuschauer. Viele Weltmeister winkten auf ihren Ehrenrunden Tausenden leeren Sitzschalen zu. Die Katarer scheint Leichtathletik nicht wirklich zu interessieren. Erst in den letzten Tagen wurde es etwas voller, Stimmungshöhepunkt war der Goldsprung des katarischen Hochspringers Mutaz Essa Barshim.

Die Leichtathletik hat etliche Probleme. Mal hat der Zeitplan Längen, mal verlieren selbst Fernsehkommentatoren den Überblick, weil es so durcheinandergeht. Telegener soll die Sportart werden, was zu Lichtshows und seltsamen neuen Kameraperspektiven führte, die nicht allen Sportlerinnen gefallen haben. Auch fehlte ein neuer Superstar. Ein Nachfolger von Usain Bolt ist, was die Mischung aus Exzellenz und Charisma angeht, nicht wirklich in Sicht. Bolt selbst feierte in diesen Tagen lieber auf dem Münchner Oktoberfest.

Und nun?

Vielleicht haben die Bosse der Leichtathletik ja erkannt, dass es eine gute Idee sein kann, öfter mal auf die Athleten zu hören. Die waren von Anfang an nicht begeistert, ihre Spiele in der Wüste auszutragen. Und vielleicht ist beim Weltverband der Leichtathletik in diesen Tagen auch die Erkenntnis gereift, dass es weniger sinnvoll ist, die prestigeträchtige WM in das Land zu vergeben, das mit den dicksten Scheinen wedelt. Sondern in eines, in dem zumindest ein wenig mehr Sportbegeisterung herrscht.