Wer waren die Stars des Abends?

Inmitten ihrer sprintenden, hüpfenden oder langstreckenlaufenden Kollegen werden die Kugelstoßer oft stiefmütterlich behandelt. Dieses Mal aber machten die schweren Männer mit den markanten Magnesiaflecken am Hals (damit die Kugel nicht wegrutscht) mal so richtig Werbung für ihren Sport. Es war spannend, es war knapp, es war hochklassig und der Silbergewinner trat in Jogginghosen an, als würde er sich daheim auf dem Sofa fläzen. Das Kugelstoßen der Männer war der beste Wettkampf in der Geschichte dieser Sportart. Nie zuvor haben vier Männer zugleich weiter als 22 Meter gestoßen. Hin und wieder sah es so aus, als würden die Kerle mit einem Gummiball hantieren statt mit einer 16 englischen Pfund (7,257 Kilogramm) schweren Kugel. Oben kraftvoll wie Bodybuilder, unten leichtfüßig wie Balletttänzer.

Erst im letzten Versuch gewann Joe Kovacs (USA) mit 22,91 Metern. Silber und Bronze gingen an Tomas Walsh (Neuseeland, der mit der Jogginghose) sowie Ryan Crouser (USA) mit jeweils 22,90 Metern. Ja, beide stießen die gleiche Weite, es musste der nächstbeste Versuch entscheiden. Zwischen Gold und Bronze lag also nur ein Zentimeter. Die Zuschauer sahen damit die viert-, fünft- und sechstweitesten Stöße aller Zeiten. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihre Kinder morgen im Park ein wenig üben möchten.

Was machten die Deutschen?

Schnell und weit rennen. Konstanze Klosterhalfen lief auf Rang drei über 5.000 Meter. "Koko", wie sie in Sportlerkreisen nur genannt wird, lief dabei lange mit im Wind wehendem Zopf in der Führungsgruppe mit drei Kenianerinnen und zwei Äthiopierinnen. Dabei bekam sie hier mal einen Tritt und wurde da gerempelt, so sehr, dass sie später den TV-Kameras ihre blutenden Beine zeigte. Aber Klosterhalfen ließ sich nichts anmerken, erst in der letzten Kurve musste sie abreißen lassen. Die Titelverteidigerin Hellen Obiri aus Kenia war zu schnell, auch deren Landsfrau Margaret Chelimo Kipkemboi zog auf der Zielgeraden noch an der Deutschen vorbei.

Dennoch reichte es zu Platz drei, noch nie hat eine deutsche Läuferin über diese Distanz eine Medaille gewonnen. Entsprechend gelöst wirkte Klosterhalfen auch im Ziel. Doch die Diskussion um ihre Trainingsgruppe geht weiter. Nachdem Alberto Salazar, der Chefcoach des Nike Oregon Projects (NOP), wegen Dopings für vier Jahre gesperrt wurde, muss auch Klosterhalfen sich erklären. "Mich hat das nicht tangiert", sagte sie nach dem Rennen und lobte das Projekt noch einmal. Darüber wird sicherlich noch geredet werden. Salazars Verfehlungen liegen zwar etliche Jahre zurück; besonderes Vertrauen, das Leichtathleten heutzutage nötig haben, weckt man in dessen Nähe aber eher nicht.

Darüber hinaus gab es von deutscher Seite an diesem Abend nur noch zu berichten, dass es die 4-x-100-Meter-Staffel der Frauen im Finale auf einen okayen fünften Platz schaffte.

Wer war noch gut?

Sifan Hassan aus den Niederlanden wurde über 1.500 Meter einfach immer schneller. So schnell, dass ihr am Ende niemand mehr folgen konnte. 3:51,95 war ihre Siegeszeit, WM-Rekord und Platz sechs in der ewigen Bestenliste. Sifan Hassan trainiert übrigens auch beim NOP. Nichts mit Oregon am Hut dagegen hat Yulimar Rojas. Die Dreispringerin aus Venezuela hüpfte 15,37 Meter weit, weiter als alle anderen. Rojas verteidigte damit ihren WM-Titel, es sind die bisher einzigen zwei Goldmedaillen für Venezuela bei Leichtathletikweltmeisterschaften.

Wer zog trotz Pechs durch?

Die chinesischen Sprinterinnen. Sie verpatzten ihren letzten Wechsel im Finale der 4-x-100-Meter-Staffel, mussten noch mal umkehren, liefen kurzzeitig wie Geisterfahrerinnen in die entgegengesetzte Richtung und als alle anderen schon längst im Ziel waren, setzten sie dann nach einigem Hin und Her ihren Lauf fort. Das war aber nicht nur schnöde Sprinterinnenehre. Die ersten acht Teams, also alle, qualifizierten sich automatisch auch für die Olympischen Spielen von Tokio im kommenden Jahr. Dafür mussten sie aber ins Ziel kommen. Hätten die Chinesinnen einfach abgebrochen oder hätten sie nicht in der ordnungsgemäßen Wechselzone den Stab übergeben, wäre die Quali erst einmal futsch gewesen. Nun sind sie dabei, da werden sie auch das bisschen Häme aus dem Netz aushalten.