Raheem Sterling bringt nichts von seinem Weg ab. Beim Spiel in Sofia wurde er wie andere seiner Mitspieler von bulgarischen Fans rassistisch beleidigt, doch schoss er dann einfach ein Tor und dann noch eins. Wieder mal war Englands Stürmer zu schnell für seine Gegenspieler, wieder mal war er zu gut.

Beim skandalösen 6:0-Sieg Englands gegen Bulgarien traf er bereits zum achten Mal in der EM-Qualifikation. Sein noch größerer Sieg an diesem Tag: Mit seiner Klasse und seiner Größe beschämte er die Blöker im Stehblock.

Es war nicht das erste Mal, dass Sterling unter feindlicher Atmosphäre die richtige Antwort auf dem Platz gab. Im März erlitt Englands Team in Montenegro ähnliche rassistische Anfeindungen. Auch diesen Gegner nahm es mit 5:1 auseinander. Natürlich war Sterling, Schützling von Pep Guardiola in Manchester City, unter den Schützen. Beim Torjubel grüßte er die gegnerischen Fans mit einem Griff ans Ohr. Was sagt ihr jetzt?

Sterling steht für Englands Team und dessen Spirit. Er ist einer von mehreren schwarzen Spielern. Die meisten sind internationale Stars, etwa Jadon Sancho von Borussia Dortmund, Trent-Alexander Arnold von Liverpool, Dele Alli von Tottenham oder Marcus Rashford und Jesse Lingard von Manchester United. Ihnen allen gelten die verächtlichen Rufe.

Der zunehmende Nationalismus zeigt sich in den Stadien

Auch der neue Abwehrspieler Tyrone Mings erlebte schon vor seinem Debüt in Sofia Diffamierungen. Beim Aufwärmen habe er entsprechende Gesänge gehört, sagte er. Während des Spiels steigerten die Fans ihre Attacken, sodass der Schiedsrichter das Spiel zweimal unterbrechen musste. Eine Zeit lang war nicht sicher, ob das Team weiterspielen würde. Der Kapitän Harry Kane hatte vor dem Spiel angekündigt, aufzuhören, wenn seine Mitspieler beleidigt würden. "Bei der zweiten Unterbrechung hätten wir vom Feld gehen können, aber die Spieler wollten unbedingt die erste Hälfte beenden", sagte Englands Coach Gareth Southgate, der sein Team gut führt.

Einer seiner wichtigsten Spieler in diesem Ensemble stürmischer Talente ist Sterling. Er will mit England die EM 2020 gewinnen, es wäre der erste Titel seit mehr als fünfzig Jahren. Womöglich fehlt der Mannschaft ein starker Mittelfeldspieler, doch vielleicht wächst das Team nun so fest zusammen, dass es diese Lücke schließen kann. Die Engländer werden geradezu gezwungen, zusammenzuwachsen. 

Der zunehmende Nationalismus in Europa zeigt sich immer offener in den Stadien, nicht nur unter Fans. Türkische Fußballer salutierten am Montag in Frankreich erneut ihrem Kriegsherren Erdoğan. Die, die nicht mitmachen, wie inzwischen der Düsseldorfer Kaan Ayhan, wurden von Mitspielern gemaßregelt und von Fans angefeindet. Auch Italiens Fußball erleidet ein trauriges Revival des Rassismus.

Es war auch nicht der erste Vorfall in Bulgarien. Diesmal war ein besonders niederträchtiger Schlag anwesend. Die Fans entfremdeten den Uefa-Slogan "Respect", indem sie ein "No" davor setzten. Kein Respekt! Sie machten sich über ermahnende Stadiondurchsagen lustig und entboten den Hitlergruß. Im Stadionumfeld wurden viele Nazisymbole gesichtet. Inzwischen ist Bulgariens Verbandspräsident Borislaw Michajlow, der die Vorfälle beschönigte, auf Druck des Ministerpräsidenten zurückgetreten.

Nicht das Opfer, sondern der Gewinner

Es war Sterling, der auf Twitter die Diskussionen kommentierte, auch die innerbulgarische Debatte. Dabei verlor er kein böses Wort, lobte den Ministerpräsidenten und nahm sogar das bulgarische Volk in Schutz. Es tue ihm leid für Bulgarien, schrieb Sterling, dass es von solchen Idioten repräsentiert werde. Auch widersprach er dem Trainer Krassimir Balakow, der peinlicherweise gesagte hatte, England habe ein größeres Problem mit Rassismus als Bulgarien, auf lässigste Art. "Da bin ich mir nicht sicher, Chief."

Es gibt also auch Fußballer, die mit Social Media umgehen können. Sterling war, wie mancher seiner Mitspieler, nicht, zumindest nicht nur, das Opfer, sondern ein souveräner Gewinner über Diskriminierung und Rassismus. Wie überhaupt das multiethnische Team Sympathien sammelt, sodass man beinahe zum England-Fan werden muss. In der Politik machen sich die Engländer gerade zum Narren. Im Fußball sind sie Vorbilder.