Weiß mit schwarzen Nadelstreifen quer über Brust und Bauch, und die Flagge am Ärmel: In diesem Trikot möchte das DFB-Team die Fußball-EM 2020 gewinnen. Ausgedacht hat sich das Hemd das Team um den Adidas-Chefdesigner Jürgen Rank.

ZEIT ONLINE: Herr Rank, haben Sie schon einmal schauen können, wie die ersten Reaktionen auf Ihr Trikot ausgefallen sind? Ich habe von vielen Schlafanzugvergleichen gelesen und von Pyjamapartys.

Jürgen Rank: Über manche Kommentare kann ich auch lachen. So ein Trikot ist halt ein emotionales Stück Stoff. Wir sehen es positiv, wenn sich die Leute damit beschäftigen.

ZEIT ONLINE: Was gefällt Ihnen am neuen Trikot?

Rank: Natürlich alles.

ZEIT ONLINE: Natürlich.

Rank: Ich finde die Mischung gut. Durch diese Streifenoptik mit den Nadelstreifen wird der moderne Aspekt betont, das ist ein Element, das in der Straßenmode vor ein paar Jahren aufkam und erst mal nicht mehr weggeht. Und wir kehren zu Schwarz-Rot-Gold zurück, an den Ärmelenden dieses Mal. Wir wollten aber nicht das normale Schwarz-Rot-Gold, sondern haben uns nach Gesprächen mit dem DFB für eine Version mit horizontalen schwarzen Linien entschieden, die mit eingearbeitet sind. Die Linien sollen für die vielen Spieler und Fans mit den verschiedensten Hintergründen, also für das moderne und weltoffene Deutschland stehen.

ZEIT ONLINE: Ist es eigentlich ein Vorurteil, dass Querstreifen dick machen?

Rank: Es kommt auf die Passform an. Wenn das ein knallenges Ding ist, dann heben Querstreifen die Form eher hervor. Aber wir bieten es ja auch etwas weiter an und es sieht richtig cool aus, wenn es locker getragen wird.

ZEIT ONLINE: Wie sehr spricht der DFB mit, wenn so ein Trikot entwickelt wird?

Rank: Wir arbeiten natürlich zusammen, damit sich die Athleten wohlfühlen. Es stehen dann immer verschiedene Meilensteine im Kalender, an denen wir uns mit dem DFB treffen und abstimmen. Das geht mit dem generellen Designkonzept los, über die ersten Zeichnungen in der Musterproduktion bis zu einer zweiten Musterphase.

ZEIT ONLINE: Sie haben schon viele Trikots entworfen. Was macht für Sie ein gutes Fußballtrikot aus?

Rank: Zuerst einmal muss es gut aussehen. Es muss in den Zeitgeist passen. Wir fangen ja meist zwei Jahre vor der Präsentation an und müssen schauen, wofür der Partner in zwei Jahren stehen möchte. Und der Fan muss sich damit identifizieren, er muss Elemente finden, von denen er sagt: Das ist ein cooles Shirt, das will ich mir kaufen. Natürlich müssen sich auch die Spieler in dem Trikot wohlfühlen. Deren Feedback ist auch ganz wichtig. Wir haben einen Mitarbeiter beim DFB, der dann sagt: Okay, der Kragen kommt gut an, der nicht so. Die Ärmellänge ist okay, die andere könnte noch optimiert werden.

ZEIT ONLINE: Was sind die Trends im Trikotwesen? In den Neunzigern war alles sehr bunt, dann sehr weit, die Trikots flatterten, später wurde es wieder recht eng, einige Spieler wirkten wie in ihre Hemden geschweißt. Wo geht's hin?

Rank: Es ist total interessant, wie sich das alles entwickelt. Allein die Hosenlängen. Früher waren sie sehr lang, dann wurden sie kürzer, dann wieder länger. In den Neunzigern waren die Trikots sehr weit und sehr quadratisch, dann wurde es wieder enger. Aber auch hier entscheiden oft die Spieler. Arjen Robben war eher ein Freund der engen Variante, Lionel Messi hat das weitere Modell bevorzugt. Momentan geht fast alles.

ZEIT ONLINE: Sie designen auch Trikots für andere Nationalteams. Gibt es dann für jedes Team auch unterschiedliche Herangehensweisen?

Rank: Es gibt eine bestimmte Anzahl an Grundmodellen, also an Silhouetten, Krägen und so weiter. Aber am Ende arbeiten wir individuell für jede Nationalmannschaft. Im Falle Spaniens zum Beispiel schauten wir nicht so sehr auf die Straßenmode, obwohl das neue Trikot auch modisch aussieht, sondern wir nahmen die Flagge, haben sie gezeichnet und abfotografiert, die Pixel dann noch mal nachgezeichnet und später auf dem Trikot großgezogen. Unser Anspruch ist, mit den Trikots zur EM 2020 Kunst und Fußball zusammenzubringen. Wir haben deshalb was gemacht, was wir bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr gemacht haben. Am Anfang des Prozesses haben wir eben nicht den Computer benutzt, sondern jedem Designer gesagt: Macht, was ihr wollt, aber nichts Digitales, sondern mit der Hand. Papier, Farbe, Pinsel, Sprühdose, egal was, legt einfach los. Das war cool, zu sehen, wie die Designs dann den Weg von der Hand oder dem Pinsel aufs Papier und letztendlich den Stoff gefunden haben.