Der Volksheld heißt Teemu Pukki. Hierzulande ist der Finne vor allem den Schalker Fußballfans bekannt, Pukki schoss in zwei Jahren solide 8 Tore für die Gelsenkirchener. In seiner Heimat aber kennt den Mann spätestens seit dem Wochenende jedes Kind. Seine zwei Treffer waren es, die Finnland ein 3:0 gegen Liechtenstein bescherten und damit die allererste Reise zu einem großen Fußballturnier. Noch nie waren die Finnen bei einer Fußball-WM oder gar einer EM dabei. Im kommenden Jahr wird sich das ändern. Das Land, das sich bis vor Kurzem nur so ein wenig für Fußball interessiert hatte und ganz viel für Eishockey, Eishockey und vor allem Eishockey, fährt zur Fußball-EM. Entsprechend wurde gefeiert in Helsinki. Vor allem, weil man nicht rechnen musste.

Für andere Länder wird es dagegen kompliziert. Ihren Fans helfen nur noch ausgefeilte Arithmetikkenntnisse. Für einige der Teams, die sich nicht als Erster (wie England, Ukraine, Deutschland, Schweiz, Kroatien, Spanien, Polen, Frankreich, Belgien, Italien) oder Zweiter (wie Tschechien, Portugal, die Niederlande, Dänemark, Ungarn/Slowakei/Wales, Schweden, Österreich, Türkei, Russland und eben Finnland) ihrer Gruppen qualifziert haben, hat die Uefa nämlich einen neuen, zweiten Qualifikationsweg geschaffen: Vier EM-Teilnehmer werden über die Play-offs der sogenannten Nations League ermittelt. Klingt erst einmal nett. Nur ist es nicht ganz einfach, dieses Prozedere genau zu verstehen. Eigentlich ist dieser Qualiweg nach der Handspielregel derzeit so ziemlich das Verzwickteste und auch Sonderbarste, was das Fußballreglement so hergibt.

Also: Die Play-offs haben mit den regulären EM-Qualifikationsgruppen erst einmal nichts zu tun. Ihre Teilnehmer rekrutieren sich aus der Nations League, jener sonderbaren Uefa-Veranstaltung, aus der Deutschland erst abgestiegen und dann aufgrund einer Regeländerung doch den Klassenerhalt geschafft hat. Den in der A-Liga, um genau zu sein, die Nations League besteht nämlich aus vier unterschiedlich stark besetzten Ligen, den Ligen A, B, C und D mit wiederum jeweils vier Gruppen. Die einzelnen Gruppen bestehen aus drei beziehungsweise vier Mannschaften.

Klingt kompliziert, ist es auch

Was das alles mit der EM-Qualifikation zu tun hat? Nun, jede Liga erhält einen eigenen Qualifikationsplatz. Das bedeutet, dass jeder Sieger eine Gruppe, egal ob in Liga A, B, C oder D, an den Play-offs teilnehmen darf. Mit den anderen Gruppensiegern dieser Liga wird dann über zwei Halbfinals und ein Finale quasi ein Gewinner dieser Liga ausgespielt, der zur EM darf. Aber: Ist eine Mannschaft Nations-League-Gruppensieger, die sich im Rahmen der regulären EM-Qualifikation ohnehin für die EM qualifiziert hat (wie etwa die Niederlande), rückt das nächste Team dieser Liga in die Play-offs nach. Kommen aus einer Liga keine vier Teams für die anstehenden Play-offs zusammen, weil sich so viele schon auf direktem Weg qualifiziert haben, rücken Teams aus einer schwächeren Liga nach.

Klingt kompliziert, ist es auch. So kompliziert, dass die Uefa auf ihrer Website mit fett gedruckten Texten und einigen Sternchen arbeiten muss, um ein wenig Struktur in den eigenen Modus zu bringen. Vor allem aber bedeutet der neue Einfall des Verbandes: Es werden bei dieser EM noch mehr Exoten dabei sein.