Diesmal gibt es kein 5:0 – Seite 1

Wer spielt wann gegen wen?

Bayern oder Dortmund? Möge der Beliebtere gewinnen.

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Bayern gegen Dortmund, einst der deutsche Clásico, heute das Duell zweier Verfolger Borussia Mönchengladbachs. Man erinnert sich: Im April reiste Dortmund als Tabellenführer, Meisteraspirant und Spitzenmannschaft an und fuhr geschrumpft wie ein schwarz-gelber Wollpullover nach einem 95-Grad-Schleudergang nach Hause. 5:0 ging es aus, doch diesmal wird alles anders. Am Mittwoch machten die Bayern in ihrem ersten Spiel ohne Niko Kovač nämlich nicht den Eindruck, als wären sie von sämtlichen Fesseln befreit. Sie schlugen eine desinteressiert wirkende Elf aus Piräus in einem belanglosen Fußballspiel, dessen Ergebnis wir bereits vergessen haben. Ganz anders der Auftritt der Dortmunder am Dienstag. Beim Sieg gegen Inter Mailand war alles dabei, was man von ihnen kennt: Abwehrlöcher tiefer als der Schacht der Zeche Zollern, doch in der zweiten Halbzeit drehte der BVB mit seiner ihm eigenen Mischung aus Dampf und Druck, Wille und Wucht ein 0:2 in ein 3:2. Zwei Tore schoss erneut der junge Marokkaner Achraf Hakimi, der die Linie runter- und raufraste, als wären hundert Teufel hinter ihm her. Selbst Lucien Favre entdeckte sein Temperament, selten zuvor erlebte man ihn derart aufgewühlt und geradezu zappelhaft in und manchmal sogar außerhalb seiner Coaching Zone. Wenn jetzt schon Favre zum Vulkan wird, was soll da noch schiefgehen? Diesmal gibt es also kein 5:0. Ganz bestimmt nicht.

Oder doch? Der Manager Michael Zorc fordert nun "Männerfußball", also mehr erwachsene Reife, von seinen unsteten Jungs. Es wäre nicht das erste Mal, dass der BVB mit guten Aussichten nach München reist, um dort desillusioniert zu werden. Dortmund hat Bammel vor dem Déjà-vu.

Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Es könnte sein, dass Achim Beierlorzer künftig sehr viele Spiele seines 1. FC Köln verpasst, sollte sein Club nicht mal wieder gewinnen. Am besten gleich am Freitagabend gegen die TSG Hoffenheim. Im Statement des FC-Vorstands heißt es: "Geschäftsführung und Sportkompetenzteam sind davon überzeugt, dass die Mannschaft und das aktuelle Trainerteam gegen Hoffenheim gemeinsam am Freitag die Wende schaffen können. Dabei unterstützen wir sie. Dass es im Fußball am Ende auf Ergebnisse ankommt, ist dennoch jedem klar." Viel deutlicher kann ein Ultimatum nicht klingen. Köln ist Vorletzter, schied im Pokal gegen den Viertligisten Saarbrücken aus, zudem verkündete der Sportdirektor Armin Veh unlängst seinen Abschied, was die Lage in Köln auch nicht gerade beruhigt. Zu allem Überfluss haben die Kölner auch noch Pech mit den Schiedsrichtern: Vier Punkte mehr hätte der FC auf dem Konto, wenn alle Schiedsrichterfehler herausgerechnet würden, das haben zumindest die Macher von wahretabelle.de ausgerechnet. So viele wie kein anderes Team der Liga.

Wer steht im Blickpunkt?

Hansi Flick, ein Mann, der deutsche Fußballgeschichte geschrieben hat. Zwar hinterließ er als Sportdirektor beim DFB und der TSG Hoffenheim zuletzt keine großen Spuren. Doch der Legende nach hat er als Co-Trainer Joachim Löws durch sein Beharren auf Eckballtraining einen großen Beitrag zum WM-Titel 2014 geleistet. Jogi war in Brasilien der Fundi, Hansi der Realo. Nun ist Flick Bayern-Trainer für ein Bundesliga-Spiel. Mindestens. Denn noch haben die Bayern keinen Neuen verkündet. Ralf Rangnick hat abgesagt, war zu lesen. Ob gefragt oder ungefragt, weiß man nicht. Einen Tag später sagten die Bayern Nein zu Arsène Wenger. Der Verein lehnte die Initiativbewerbung des 70 Jahre alten Trainers (oder war er 70 Jahre Trainer bei Arsenal?) ab, weil er wohl eine bessere Lösung im Visier hat. "Arsène Wenger hat Karl-Heinz Rummenigge am Mittwochnachmittag angerufen und grundsätzlich Interesse am Trainerposten beim FC Bayern signalisiert", ließ der Verein die Öffentlichkeit und die Bild-Zeitung wissen. Der FC Bayern bleibt seinem Stil treu.

Tönnies' Erzählung hat einen Bart

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Darüber, wann sich Clemens Tönnies wieder ins Stadion traut. Die drei Monate, in denen er sein Amt wegen rassistischer Äußerungen ruhen lassen musste, sind nun vorbei. Zum Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf wird er trotzdem nicht erscheinen. Er sei "sehr, sehr eingebunden geschäftlich", sagte er in seinem Comebackinterview mit Schalke-TV. Möglicherweise aber hat er nur keine Lust, den vielen kritischen Fans über den Weg zu laufen. Oder er hat sehr wichtige geschäftliche Termine.

Die Schalke-Offiziellen lassen dagegen verlautbaren, dass sie sich auf Tönnies freuen. Auch der Interviewer im Vereinsfernsehen, der seine knallharten Fragen mit Sätzen einleitet wie: "Wer dich kennt und wer weiß, was du alles in der Vergangenheit getan hast, dem muss eigentlich klar sein: Das kann nicht so gemeint gewesen sein." Im Video redet Tönnies übers Opasein, den neuen Bart, entschuldigte sich noch einmal eher pflichtschuldig und erzählt, wie er früher 12.500 Kilometer mit dem Auto durch Afrika gefahren ist und "immer fernab der Fernstraßen" geschlafen hat. Vor allem aber erzählte er, wie sehr er darunter litt, nicht dabei gewesen zu sein. Der Arme.

Was machen die Frauen?

Vor 90.000 Zuschauern spielen. Das Wembley-Stadion in London wird ausverkauft sein, wenn Deutschland dort am Samstag gegen England spielt. Das ist fast Weltrekord für ein Frauenfußballspiel, zum WM-Finale 1999 kamen 90.185 Zuschauer nach Pasadena in die Rose Bowl. Dabei geht es nicht einmal um etwas, es ist ein reines Testspiel. Obwohl, eigentlich geht es um alles, um Anerkennung und Wertschätzung und die Liebe zum Fußball als Ganzem, egal ob er nun von Männern oder Frauen gespielt wird. Auf der Insel scheinen sie das gerade besser hinzubekommen. Nur ein paar Tage später spielen die englischen Männer übrigens an gleicher Stelle gegen Montenegro, EM-Qualifikation. Ausverkauft wird dieses Spiel nicht sein.

Was wird sonst noch wichtig?

  • Kurze Schnappatmung bei einigen Bayern-Fans: Als sie lasen "Bundesligahammer! Klinsmann steigt bei...", ahnten sie schon Schlimmes. Es war aber doch nur die Hertha, wo Jürgen Klinsmann einen Sitz im Aufsichtsrat bekommt. Dabei gibt es doch schon genug Schwaben in Berlin.
  • Am dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls empfängt die Hertha in Berlin den Neuostclub RB Leipzig. Die Hertha hatte sich eigens ein Spiel am 9. November gewünscht. Die Berliner werden in einem werbefreien Trikot auflaufen, das angelehnt ist an jenes, das sie am 11. November 1989 trugen, dem ersten Spiel nach dem Mauerfall. Damals gab es spontan 10.000 Freikarten für Ossis. Das 1:1 in der Zweiten Liga gegen die SG Wattenscheid 09 dürfte aber nur eine überschaubare Zahl der baldigen neuen Bundesbürger zu Hertha-Fans gemacht haben.
  • Norbert Eder ist tot. Der ehemalige Kapitän des 1. FC Nürnberg und Spieler des FC Bayern bestritt nur neun Länderspiele, sieben davon aber als Stammspieler bei der WM 1986. Er war ein bisschen das Sinnbild des damaligen Vorstopperfußballs der deutschen Elf. Doch auch dank seines Geschicks im Zweikampf erreichte sie das Finale, das am Ende Diego Maradonas Argentinien 3:2 gewann. Eder starb am Samstag nach langer Krankheit im Alter von nur 63 Jahren.

Was war das Zitat der Woche?

"Ich war, außer in Burundi, überall, auf der letzten Tour waren es 12.600 Kilometer. Immer mit dem Auto und immer in Dörfern und auf dem Land, immer nah an den Menschen. Weil ich bin, wie ich bin – ein Menschenfreund!"

Clemes Tönnies in der "Süddeutschen Zeitung"