Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Darüber, wann sich Clemens Tönnies wieder ins Stadion traut. Die drei Monate, in denen er sein Amt wegen rassistischer Äußerungen ruhen lassen musste, sind nun vorbei. Zum Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf wird er trotzdem nicht erscheinen. Er sei "sehr, sehr eingebunden geschäftlich", sagte er in seinem Comebackinterview mit Schalke-TV. Möglicherweise aber hat er nur keine Lust, den vielen kritischen Fans über den Weg zu laufen. Oder er hat sehr wichtige geschäftliche Termine.

Die Schalke-Offiziellen lassen dagegen verlautbaren, dass sie sich auf Tönnies freuen. Auch der Interviewer im Vereinsfernsehen, der seine knallharten Fragen mit Sätzen einleitet wie: "Wer dich kennt und wer weiß, was du alles in der Vergangenheit getan hast, dem muss eigentlich klar sein: Das kann nicht so gemeint gewesen sein." Im Video redet Tönnies übers Opasein, den neuen Bart, entschuldigte sich noch einmal eher pflichtschuldig und erzählt, wie er früher 12.500 Kilometer mit dem Auto durch Afrika gefahren ist und "immer fernab der Fernstraßen" geschlafen hat. Vor allem aber erzählte er, wie sehr er darunter litt, nicht dabei gewesen zu sein. Der Arme.

Was machen die Frauen?

Vor 90.000 Zuschauern spielen. Das Wembley-Stadion in London wird ausverkauft sein, wenn Deutschland dort am Samstag gegen England spielt. Das ist fast Weltrekord für ein Frauenfußballspiel, zum WM-Finale 1999 kamen 90.185 Zuschauer nach Pasadena in die Rose Bowl. Dabei geht es nicht einmal um etwas, es ist ein reines Testspiel. Obwohl, eigentlich geht es um alles, um Anerkennung und Wertschätzung und die Liebe zum Fußball als Ganzem, egal ob er nun von Männern oder Frauen gespielt wird. Auf der Insel scheinen sie das gerade besser hinzubekommen. Nur ein paar Tage später spielen die englischen Männer übrigens an gleicher Stelle gegen Montenegro, EM-Qualifikation. Ausverkauft wird dieses Spiel nicht sein.

Was wird sonst noch wichtig?

  • Kurze Schnappatmung bei einigen Bayern-Fans: Als sie lasen "Bundesligahammer! Klinsmann steigt bei...", ahnten sie schon Schlimmes. Es war aber doch nur die Hertha, wo Jürgen Klinsmann einen Sitz im Aufsichtsrat bekommt. Dabei gibt es doch schon genug Schwaben in Berlin.
  • Am dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls empfängt die Hertha in Berlin den Neuostclub RB Leipzig. Die Hertha hatte sich eigens ein Spiel am 9. November gewünscht. Die Berliner werden in einem werbefreien Trikot auflaufen, das angelehnt ist an jenes, das sie am 11. November 1989 trugen, dem ersten Spiel nach dem Mauerfall. Damals gab es spontan 10.000 Freikarten für Ossis. Das 1:1 in der Zweiten Liga gegen die SG Wattenscheid 09 dürfte aber nur eine überschaubare Zahl der baldigen neuen Bundesbürger zu Hertha-Fans gemacht haben.
  • Norbert Eder ist tot. Der ehemalige Kapitän des 1. FC Nürnberg und Spieler des FC Bayern bestritt nur neun Länderspiele, sieben davon aber als Stammspieler bei der WM 1986. Er war ein bisschen das Sinnbild des damaligen Vorstopperfußballs der deutschen Elf. Doch auch dank seines Geschicks im Zweikampf erreichte sie das Finale, das am Ende Diego Maradonas Argentinien 3:2 gewann. Eder starb am Samstag nach langer Krankheit im Alter von nur 63 Jahren.

Was war das Zitat der Woche?

"Ich war, außer in Burundi, überall, auf der letzten Tour waren es 12.600 Kilometer. Immer mit dem Auto und immer in Dörfern und auf dem Land, immer nah an den Menschen. Weil ich bin, wie ich bin – ein Menschenfreund!"

Clemes Tönnies in der "Süddeutschen Zeitung"