Australiens Fußball tut etwas für die Gleichberechtigung. Der Verband will nun alle Prämien zu gleichen Teilen an die Frauen und Männer ausschütten. Darauf haben sich die Vertreter beider Mannschaften geeinigt. In Spanien laufen Tarifverhandlungen zwischen dem Verband und der Gewerkschaft der Fußballerinnen. Er bietet ihnen einen Mindestlohn an, nachdem sie mit Streik gedroht haben. Die Fußballer aus Spaniens Erster Liga sind hingegen wie fast überall in Europa Millionäre.

Den Gender-Pay-Gap, die Geschlechtereinkommenslücke, ist ein Problem vieler Gesellschaften. Frauen werden für die gleiche Leistung, den gleichen Job schlechter bezahlt. Im Sport gilt das besonders, gemäß der Forbes-Liste ist nur eine Athletin unter den 100 bestbezahlten Sportlern der Welt: die Tennisspielerin Serena Williams auf Platz 63.

Eminent groß ist die Lücke im Fußball, nicht zuletzt in Deutschland. In den Neunzigerjahren war sie lächerlich groß. Für einen WM-Sieg 1991 hätten deutsche Fußballerinnen eine winzige Summe von der Sporthilfe erhalten, zudem ein Münz-Set vom DFB – immerhin kein Kaffeeservice wie beim EM-Gewinn zwei Jahre zuvor. Nach 2000 schrumpfte der Gap deutlich, blieb aber stabil bei etwa 1:5. So hätten die deutschen Männer für den WM-Titel im vorigen Jahr 350.000 Euro pro Kopf vom DFB erhalten (ging knapp daneben), die deutschen Frauen für den Titel 2019 weniger als ein Viertel davon (ging auch daneben).

Doch entspricht das immerhin 75.000 Euro für jede Spielerin. Denn der deutsche Fußball ist durch den WM-Hype 2006 reich und spendabel geworden (siehe Grafik). Davon profitieren auch die Frauen. Für ihren WM-Titel 2003 honorierte sie der DFB mit 15.000 Euro, für den Titelgewinn vier Jahre später schon mit 50.000 Euro.

Das ist das Zehnfache dessen, was eine deutsche Handballerin vom Verband für den WM-Titel 2017 erhalten hätte, sogar mehr als das Zweieinhalbfache eines deutschen Handballers, wenn das Team die Heim-WM 2019 gewonnen hätte. Und es ist dreieinhalbmal so hoch wie die Summe, die Eiskunstläuferin Aljona Savchenko in Pyeongchang erhielt. So viel erhält man in Deutschland für olympisches Gold, ihr Partner Bruno Massot bekam das Gleiche. Italien zahlt übrigens seinen Olympiasiegern und -siegerinnen jeweils 150.000 Euro, Schweden gar nichts.

Es ist also der Fußball, der privilegiert ist, die beliebteste Sportart in Deutschland. Zu Bundesliga-Spielen der Männer kommen seit Jahren mehr als 40.000 Leute pro Spiel. Zu denen der Frauen allerdings nicht mal 1.000. Die Volleyballerinnen und auch die Handballerinnen zogen im Vorjahr mehr Fans an.

Auch im Golf ist viel Geld da, allerdings wird es nicht gleichmäßig verteilt. Der Sieger der US Open kassiert 2 Millionen Euro, die Siegerin rund 900.000. Das liegt auch daran, dass es Frauenturniere noch nicht so lange gibt. Gleiches gilt für das Skispringen, wo der Ski-Weltverband für einen WM-Sieg 25.000 Euro an den Mann und 7.000 Euro an die Frau ausschüttete. Im Biathlon wird 50/50 verteilt, auch beim Triathlon, im Beachvolleyball, beim Schwimmen und der Leichtathletik, oder beim Ironman auf Hawaii und dem New-York-Marathon.

Egalität herrscht im Tennis, zumindest bei den vier Grand-Slam-Turnieren. Billie Jean King sei Dank. Für einen Sieg gibt es, ob Frau oder Mann, mindestens 2,5 Millionen Euro. Manche finden das aber nicht gut, denn Frauen spielen einen Gewinnsatz weniger, bieten den Zuschauerinnen und Zuschauern also weniger. Es ist nicht immer so einfach im Sport mit der Frage nach der Gerechtigkeit.