Als Erstes stellte Jürgen Klinsmann die Sache mit den Figuren richtig. Er habe die damals nicht in München aufgestellt, sagte er am Mittwoch, "auch wenn das natürlich eine schöne Geschichte für euch war". Das stimmt. Die ging so: Der Sommermärchen-Klinsi, der den altbackenen DFB auf links gedreht hat, wollte vor zehn Jahren auch das größte Haus des deutschen Fußballs, den FC Bayern, umkrempeln. Und es begann damit, dass angeblich er Buddhafiguren in Uli Hoeneß' Blickfeld auf dem Trainingsgelände aufstellen ließ. Die verschwanden schnell wieder, es blieb nur der Spott. Kein Symbol illustriert das Scheitern als Trainer der Bayern seitdem besser als eine Buddhafigur. Klinsmann musste nach weniger als einem Jahr wieder gehen. Trotz seines Dementis, für die Figuren Verantwortung zu tragen, kursierten am Mittwoch wieder die Gags: "Alles wieder in Buddha" und Ähnliches.

Endlich Aufmerksamkeit

Klinsmann zog sich nach dem Bayernjob in die USA zurück, hinfallen und aufstehen ist dort eine eingeübte Kulturtechnik. In Deutschland sah man ihn nur noch als TV-Experten. Das ändert sich jetzt. Jürgen Klinsmann, 55, ist neuer Trainer von Hertha BSC. Vor dem kleinen Presseraum im Berliner Westen installierten mehrere Kamerateams Liveschalten, die Mitarbeiter des Clubs flachsten in den viel zu vollen Raum hinein, ob heute etwas passiert sei in der Stadt. Nicht jeder Reporter fand einen Platz.

Jahrelang hat Hertha BSC mit schmissigen Slogans wie "We try. We fail. We win" oder "In Berlin kannst du alles sein. Auch Herthaner" um die Gunst der Hauptstadt mit seinem eingesessenen und zugezogenen Publikum gebuhlt und fand sich manchmal doch nur vor 25.000 Zuschauern im halb leeren Olympiastadion wieder. Dass sich in dem Schwaben Klinsmann nun ganze Stadtteile wiederfinden können, ist eine feine Ironie dieser Verpflichtung. Klinsmann bringt den Club in die landesweiten Schlagzeilen und wird ihn dort wohl auch halten.

Deutscher Bill Gates

"Seit Jahren spüre ich in Berlin die Hoffnung auf etwas Großes", war einer der ersten Sätze von Klinsmann als neuer Herthatrainer. "Lars hat dem ein ordentliches Schubsen gegeben." Immer wieder sprach Klinsmann den Mann an, wegen dessen Engagement er überhaupt da ist. Den Investor Lars Windhorst, der mal als deutscher Bill Gates galt. Windhorst investiert in Firmen, an die sich andere nicht herantrauen. Im Sommer stieg er bei der Hertha ein, übernahm 49,9 Prozent der Anteile und schoss bisher 225 Millionen Euro in den Club.

Doch Windhorst gibt gern zu, dass er vom Fußball keine Ahnung hat. Erst am Anfang des Monats machte er Klinsmann deshalb zum Aufsichtsrat. Er sollte eigentlich nur Berater für den Investor sein. Der will Hertha mittelfristig in die Champions League bringen. Weil die Hertha aber unter dem bisherigen Trainer Ante Čović auf Platz 15 abrutschte, das Stadtderby gegen Union Berlin verlor und mittlerweile auch in der Tabelle hinter den Köpenickern steht, also mal wieder drei Olympiastadien zwischen dem Herthaner Anspruch und der Wirklichkeit liegen, überredeten sie Klinsmann, sich noch mehr zu engagieren. Der tauscht nun die Sonne Kaliforniens gegen den Charme des Westends, "der Rückflug ist bis auf Weiteres gestrichen", sagte Klinsmann. Und der Job im Aufsichtsrat ruht wieder.

Fußball-Bundesliga - Jürgen Klinsmann leitet erstes Training bei Hertha BSC Als neuer Cheftrainer soll Jürgen Klinsmann Hertha BSC vor dem Abstieg retten. Am Mittwoch leitete er das erste Training. © Foto: Hannibal Hanschke/Reuters

Schon jahrelang tausche man sich aus, sagte Manager Michael Preetz. Klinsmanns Sohn Jonathan spielte zwei Jahre für die Hertha. Und sein Vater war Herthafan: "Meine Herthamitgliedschaft ist die einzige, die ich habe", sagte Klinsmann. Es kommt also nicht ganz überraschend, dass er nun die Hertha trainiert. Aber kann es dieses Mal klappen oder wird es das nächste fuck-up für "das älteste Start-up der Stadt", wie sich die Hertha auch schon mal nannte?