Auf dem alten Foto sieht man Miroslav Klose vorbeirennen an einem dieser Dicke-Hintern-Verteidiger, die es in jeder Bezirksliga gibt. Dieser Begriff stammt von Ronald Reng, er hat Miro, Kloses Biografie, geschrieben und dieses Bild mitgebracht in die Fußballkneipe Stadion an der Schleißheimer Straße, "damit alle denken können, sie hätten mal auf einem Niveau mit Miroslav Klose gespielt".

Und damit sie denken können, dass Klose "einer von ihnen" ist. Er, der vornehmlich mit dem Toreköpfen Millionen verdient hat, der mit sechzehn Toren zum WM-Rekordschützen wurde und jetzt ein gefragter Jugendtrainer beim FC Bayern ist, er soll einer von ihnen sein, einer wie du und ich?

"Ich bin noch immer einer von euch", sagt Klose.

Ein paar Mal an diesem Abend wird Klose diesen Satz beteuern: Aber darf man das glauben? Es gibt wohl keinen besseren Ort als eine Fußballkneipe, um dieser Frage nachzugehen. Erstes Indiz, dass Klose die Wahrheit sagen könnte: Der Weltmeister kommt mit dem Rad. Als er da ist, setzt er sich neben Reng und nimmt ein Bier entgegen. "0,5! Ob ich das schaffe?"

Vor der Biografie wusste man über Klose nur das Gröbste: dass er noch mit Zwanzig in der Bezirksliga Dicke-Hintern-Verteidigern davonlief und später zum letzten "Weltmeister, der vom Bolzplatz kam" wurde, so steht es auf dem Buchrücken. Das ist es, was die Fans fasziniert: dass es einer von ihnen nach ganz oben geschafft hat.
Klose trägt schwarze Sneaker, eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd mit Karo-Farbverlauf, blau, grün, gelb, rot. Fast eher Hipsterschick als Fußballkneipen-Look. 

Viele im Publikum wussten nicht, dass Klose kommen würde. Die Lesung war schon lange ausverkauft, obwohl der Stargast gar nicht angekündigt war. Reng hat die wichtigsten deutschen Fußballbücher der vergangenen Jahre geschrieben, zum Beispiel das über Robert Enke. Eines Tages sagte Klose zu Reng: "Also, eine Lesung würde ich schon auch mal gerne erleben."

Sein Freund Luca Toni, das Model

Klose will es manchmal halt genau wissen, das erfährt man aus der Biografie. Den Physiotherapeuten der Nationalmannschaft, Klaus Eder, hat er beim Massieren manchmal gefragt: "Bist du da gerade auf einem Nerv oder einem Muskel mit deinen Fingern?" Oder er erkundigte sich nach der Funktion des Rippenbogens. Das hatte Eder noch nicht erlebt. Und als Zivi im Kuseler Krankenhaus brachte er sich selbst bei, auf Röntgenaufnahmen Brüche und Risse der Knochen zu erkennen.

Klose spricht nicht oft in das rote Premiere-Mikrofon, das sicher noch aus einer Zeit stammt, in der Klose für Kaiserslautern auf dem Betze kickte, denn den Sender gibt es schon lange nicht mehr. Viel länger redet Reng, fast alle Geschichten aus Kloses Leben kennt er. Er beginnt mit einer Story, Klose soll fortführen. Aber retour kommt oft nur ein Satz.

Wie war das beim Trikottausch in Italien, wo die Gegenspieler nicht nach dem Shirt, sondern der Hose fragen?

- "Das dann lieber in der Kabine."

Die Zeit mit seinem Freund Luca Toni?

- "Ich war fürs Arbeiten da, der andere war Model."

Louis van Gaal?

- "Müssen wir darüber reden?"