Wer spielte wie gegen wen?

Ein klarer Sieg für Dortmund in Ihrer Herzchenwertung, liebe Leserinnen und Leser. Süß.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Liverpool gegen Manchester City, das hochklassige Duell der zwei besten Teams Englands, vermutlich der Welt, bei dem man keine Sekunde wegsehen durfte. Was der Spanier Rodrigo in Manchesters Mittelfeld zeigte, war ebenso Weltklasse wie der Schuss des Liverpoolers Fabinho zum 1:0 oder Andrew Robertsons Flanke vor dem 2:0. Jürgen Klopp siegte gegen Pep Guardiola 3:1, es war ein ausgeglichenes Messen zweier unterschiedlicher Stile und Trainer, die ihre Teams hervorragend organisieren und führen. Liverpool lebt von der Wucht und Dynamik, City pflegt die präzisere und feinere Kultur. Den Ausschlag gaben diesmal Details, Momente, Fortune. Auch wenn das Resultat durch die frühen Tore der Klopp-Elf nie richtig knapp war, bekamen die Zuschauerinnen und Zuschauer, was sie sich erhofft hatten: atmosphärisch dichten Spitzensport über 90 Minuten plus Nachspielzeiten.

Und nun nach Deutschland: Das Spitzenspiel Bayern gegen Dortmund fiel praktisch flach, weil nur eine Mannschaft auf Touren kam, die Bayern wieder mal. Auch sonst zeigte die Bundesliga ihr bekanntes Gesicht. Zwar fielen viele Tore bei Hertha gegen Leipzig, Schalke gegen Düsseldorf, Mainz gegen Union und Gladbach gegen Bremen, allerdings auch viele kuriose, bisweilen kreisligaeske. Die Spiele waren sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Doch brillant war wenig. Der Spitzenreiter Gladbach, der seine Position durch einen Sieg ausbaute, hätte im Heimspiel gegen Bremen locker auch drei Gegentore verzeichnen können. Die Premier League verhält sich zur Bundesliga wie die Beatles zu Helene Fischer.

Sogar im Umgang mit dem Videobeweis deutete sich ein Qualitätsunterschied an (auch wenn der unterlegene Pep Guardiola das diesmal anders sah). Die Bilder sollen in der Premier League nämlich nur dann zum Einsatz kommen, wenn es absolut nötig ist, also am besten gar nicht, wie in Liverpool. In der Bundesliga gaben die Schiedsrichter an diesem Wochenende erneut superkleinliche Elfmeter wie im Spiel Köln gegen Hoffenheim oder nahmen Tore wegen halbgarer Fouls im Mittelfeld zurück, etwa das der Bremer in Gladbach. Die deutschen Schiris setzen den Videobeweis so pedantisch um wie preußische Beamte.


Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Dortmund (hier unsere Reportage aus München). Die Bayern bewiesen im ersten Bundesliga-Spiel unter Hansi Flick, dass sie noch immer die beste Mannschaft Deutschlands sind, so sie denn wollen. Ihnen konnte man an diesem Abend nichts vorwerfen, außer dass sie vielleicht Niko Kovač zuletzt im Stich gelassen hatten. Die Spieler sollen ihn am Ende aus in erster Linie fachlichen Gründen abgelehnt und ihn somit zu Fall gebracht haben, sagte Uli Hoeneß und bestätigte den lange kursierenden Verdacht. Nun kann man über die Macht divenhafter Fußballprofis motzen. Aber was soll eigentlich verwerflich sein an ihrem Wunsch nach einem guten Trainer?

Die Borussia aus Dortmund hingegen war dem Meister erneut weit unterlegen und entsetzte ihre Fans sowie die neutralen Fußballfreunde. Manche schalteten nach 30 Minuten zornig den Fernseher ab. Mats Hummels sprach seinem Team ab, eine Topmannschaft zu sein, und nach der erneuten Klatsche in München kann man nicht widersprechen. Und auch wenn Lucien Favre diesen blutarmen Fußball nicht allein zu verantworten hat – die Organisation einer Abwehr und ein strategischer Spielaufbau sind auch Trainersache. Favre und Dortmund wirken wie ein Paar, das den Schritt zur Trennung noch nicht wagt, auch weil die letzte Schmerzgrenze nicht erreicht ist. Es ist nicht so, dass man es keinen Tag mehr zusammen aushält. Vielmehr sind womöglich noch ein paar schöne gemeinsame Tage drin. An mehr glaubt aber keiner mehr so richtig.

Wer stand im Blickpunkt?

Christian Streich, der lag plötzlich am Boden. In der Nachspielzeit rannte David Abraham in dessen Coachingzone, um den Ball zu holen. Der Frankfurter Verteidiger, schon in einigen Szenen vorher auf 180, checkte den Freiburger Trainer mit einem Wrestling-Move und Streich fiel getroffen, aber auch leicht theatralisch die Arme nach hinten werfend. Es folgte die sehr verdiente Rote Karte für den Rüpel. Streich hatte die Aktion allerdings ein wenig geschürt und Abraham ein bisschen den Weg verstellt. Auch gab er dem Spieler noch ein paar Worte mit, man weiß nicht, welche, doch es waren vermutlich keine Erfolgswünsche für den Versuch, den Ausgleich zu erzielen. Vielleicht war es kein Zufall, dass dieser Fight in genau diesem Spiel stattfand, bei dem zwei weitere Spieler des Feldes verwiesen wurden. Die Frankfurter pflegen nämlich generell einen kernigen Stil und die Freiburger sind in der Branche dafür bekannt, ihren Heimvorteil maximal auszureizen, wie man sagt. Nach dem Abpfiff gab sich Streich sportlich und generös. "Runterfahren, nicht dummschwätzen!", sagte er. "Fußball ist ein Kampfsport." Die Sportrichter werden schwätzen und Abraham vermutlich lange sperren.