Wer spielte wie gegen wen?


Die meisten Herzchen erhielt Schalke 04. Was bedeutet das nun wieder, liebe Leserinnen und Leser?


Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Gladbach gegen Bayern. Verkehrte Welt in der Bundesliga. Bayern macht das Spiel – aber die anderen gewinnen. In der ersten Halbzeit war der Meister klar überlegen, wie schon gegen Leverkusen vorige Woche, wie schon in Leipzig im September. Der Tabellenführer aus Gladbach hingegen bot eine beinahe peinliche Darbietung. Fehlpässe und Ballverluste zuhauf, so gut wie keine Kombinationen über mehr als drei Stationen und 1:14 Torschüsse. Bloß, Bayern traf nicht, nicht mal als der Goalie Yann Sommer bei Joshua Kimmichs Versuch daneben griff und der Ball auf die Torlinie zutrudelte. Millimeter vor dem Pieps des Hawk-Eye bekam ihn Sommer noch zu krallen, offenbar hatte er sich glücklicherweise die Nägel nicht geschnitten. Wobei man von Bundesliga-Schiedsrichtern in nichtoffiziellen Statements schon mal hört: So genau, wie es immer heißt, funktioniert die Torlinientechnik nicht.

Als dann endlich, wenn auch auf schräge Weise, das 0:1 durch Ivan Perišić fiel, passierte das Seltsame: Gladbach entdeckte seinen Mut, seinen Siegeswillen und seine Widerstandskraft. Marco Rose wechselte Breel Embolo und Patrick Herrmann ein. Die Bayern verloren an Zugriff und die Gladbacher verwerteten eine ihrer ersten Chancen, als der Algerier Ramy Bensebaini eine Ecke einköpfte. Dann musste Jérôme Boateng wieder mal nach 65 Minuten wegen Muskelbeschwerden vom Feld. In der Nachspielzeit kam Gladbach sodann noch zum Sieg. Kimmich konnte einen ungenauen Pass nicht aufhalten und Javi Martínez grätschte ungestüm in den Ball und noch mehr in Marcus Thuram. Der nahm das Angebot an und lief in das am Boden liegende Hindernis rein. Elfmeter, wieder Bensebaini, schon das dritte Tor im fünften Bundesligaspiel des Linksverteidigers. Nicht zuletzt an der Reaktion des "Täters" konnte man erkennen, wie er das sah. Martínez blickte sofort schuldbewusst zu Boden und schlich vom Platz.

Schon zum zweiten Mal hintereinander verlieren die Bayern trotz einer klaren Mehrzahl an Chancen. Es stimmt aber auch: Schon zum zweiten Mal verlieren die Bayern gegen eine Mannschaft, die viele Fehler gemacht und nicht vollends überzeugt hat. Ihnen fehlt im Moment das Glück. Doch es gibt auch Mängel im Mittelfeld, das den Gegner nicht aufhalten kann, in der Abwehr, die zu langsam ist, und im Sturm. Robert Lewandowski blieb zum dritten Mal in Serie ohne Tor. Beginnt nun das Minutenzählen der Torlosigkeit, knackt er am Ende den Burgstaller-Rekord, der seit Mai nicht mehr traf? Jedenfalls geht nicht mehr viel in München, wenn Lewandowski nicht trifft.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Augsburg gegen Mainz. Marco Richter war Torschütze und Sieger, dennoch war es ein Spiel zum Vergessen für ihn. Er vertat die Torchance des Jahres, mindestens. Aus nicht mal acht Metern Entfernung schoss der U21-Stürmer den Ball am leeren Tor vorbei. Aus Scham über den in diesem Moment verpassten Ausgleich vergrub er sein Gesicht in den Händen. Ein großes Loch, in das er hineinfallen hätte können, tat sich nicht auf. Noch in derselben Halbzeit traf Richter dann doch, jubelte aber nicht. Und auch wenn Augsburg sogar noch gewann, wird Richter vermutlich in den Nächten danach von seinem historischen Fehlschuss heimgesucht worden sein. "Ich weiß selbst nicht, was mit mir los war", sagte Richter nach dem Abpfiff. Martin Schmidt nahm es mit Humor: "Das Tor stand an der falschen Stelle." Nach zuletzt zehn Punkten aus vier Spielen ist der noch kürzlich angezählte Augsburger Trainer im Mittelfeld der Tabelle gelandet und fürs Erste aus dem Gröbsten raus.

Was stand im Blickpunkt?

Das schwarze Trikot Borussia Dortmunds. Zum 110-jährigen Bestehen hat der Verein eine Sonderedition in der Farbe der Steinkohle aufgelegt, gegen Fortuna Düsseldorf trat die Elf ganz in einem aschfarbenen Schwarz an, zudem mit silbernen Rückennummern und Namenszügen. So geht zeitgemäße Fußball-PR. Dieses modische Upgrade beflügelte die zuletzt blutarme BVB-Elf. Für die Gegner wurde es düster. Vielleicht auch, weil mit Julian Brandt das Mittelfeld kreativer und offensiver wurde und mit dem lange verschmähten französischen Riesenbaby Dan-Axel Zagadou die Abwehr schneller und athletischer. Die fünf Dortmunder Tore waren allesamt sehr nett herausgespielt. Eins fummelten sich Jadon Sancho und Marco Reus gegen fünf wie von Blindheit geschlagene, überaus überforderte Verteidiger zurecht. Black Celebration in Dortmund, denn innerhalb von zweieinhalb Stunden waren auch die 9.009 Exemplare ausverkauft. Viele Fans gingen beim Trikotkauf leer aus. Auf eBay werden inzwischen welche für knapp vierstellige Beträge angeboten.