Russlands Sport droht ein harter Tag. Die Führung der Weltantidopingagentur Wada wird an diesem Montag in Lausanne entscheiden, ob Russland für vier Jahre weitgehend aus dem Weltsport verbannt wird. Das unabhängige Prüfkomitee CRC der Wada hatte die Manipulation von Dopingdaten aus einem Moskauer Labor als nachgewiesen angesehen und Empfehlungen für Sanktionen gegeben. Sie sind Grundlage des Urteils des Wada-Exekutivkomitees. 

Was haben die Russen Verbotenes getan?

Auch fünf Jahre nach Aufdeckung des Staatsdopings zeigt sich das Land unbelehrbar. Es übergab der Wada Anfang des Jahres manipulierte Dopingdaten von 2012 bis 2015 aus dem Moskauer Labor. Forensische Untersuchungen ergaben: Zahlreiche mutmaßliche positive Analyseergebnisse sind aus der Kopie der Datenbank entfernt und die dazu gehörenden Rohdaten sowie PDF-Dateien gelöscht oder geändert worden. Experten ermittelten dies im Vergleich mit einer Kopie der Daten von 2017, die die Wada von einem Whistleblower erhalten hatte. IOC-Präsident Thomas Bach sprach von "mutmaßlich 145 Fällen".

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Welche Strafen drohen dem russischen Sport?

Die unabhängige Prüfkommission CRC der Wada hat folgende harte Sanktionen empfohlen: Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada soll erneut und für vier Jahre suspendiert werden. Russland darf in dieser Zeit weder Gastgeber sein noch sich für eine Ausrichtung großer Wettkämpfe bewerben. Bereits an das Land vergebene internationale Sportveranstaltungen werden entzogen; eine Kandidatur für die Olympischen Spiele 2032 wird verboten. Bach erhofft sich Klarheit darüber, welche Events genau betroffen wären. Athleten des Landes dürfen in diesen vier Jahren nicht unter der russischen Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten. Regierungsvertretern wird die Teilnahme an Olympischen Spielen und die Ausübung von Ämtern im Weltsport in dieser Zeit untersagt. Die Rusada soll zudem 100.000 Dollar für die Wada-Ermittlungen zahlen.

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Wer entscheidet über die Strafe?

Die Entscheidung über die Sanktionen gegen Russland wird am Montag auf Grundlage der Empfehlung der Prüfkommission vom Exekutivkomitee der Wada in Lausanne getroffen. Sollte es die Empfehlung annehmen, wird die Rusada eine formelle Mitteilung erhalten, in der ein Verstoß geltend gemacht und Strafen mitgeteilt werden.

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Welche Einspruchsmöglichkeiten gibt es?

Die Rusada hat 21 Tage Zeit, um die Suspendierung zu akzeptieren. Lehnt sie die Strafe ab, wird der Fall an den Internationalen Sportgerichtshof Cas weitergeleitet. Der Cas ist die letzte Instanz und das Urteil verbindlich.

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Ist die Fußball-EM 2020 betroffen?

Die vorgeschlagenen Sanktionen gegen den russischen Sport sollen keine Auswirkungen auf die geplanten Spiele der Fußball-EM 2020 in St. Petersburg haben. Die Wada begründet das damit, dass eine Europameisterschaft für den europäischen Verband UEFA "ein regionales/kontinentales Sportereignis" ist. "Es hat uns überrascht, dass in so einer frühen Phase Dinge ausgeschlossen werden", sagte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer. Offen ist, ob der Bann für das Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg gelten könnte.

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Welche Haltung nimmt der deutsche Sport ein?

Dem Deutschen Olympischen Sportbund ist wichtig, dass die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nicht wie die von Rio 2016 und Pyeongchang 2018 von der Causa Russland überschattet werden. DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte betont, mit jeder sachgerechten Entscheidung leben zu können: "Schwierig wäre ein erneuter Schwebezustand und die Konstellation, dass auch die Olympischen Spiele 2020 unnötig diskreditiert werden."

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Wie ist die Position des IOC?

Das Internationale Olympische Komitee kündigte mit Verweis auf seine Charta an, dass die Entscheidung für Olympia "verbindlich" sei. Das IOC betonte, "die härtesten Sanktionen" gegen alle Verantwortlichen für die Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Analyselabor zu unterstützen. Zugleich verurteilte das IOC die Datenfälschung "auf das Schärfste". Sie sei ein Angriff auf die Glaubwürdigkeit des Sports und eine Beleidigung für die weltweite Sportbewegung, hatte das IOC mitgeteilt. Es empfahl der Wada, alle Akten im Fall Russland an den Europarat und die Unesco weiterzuleiten.

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Wie verhält sich die russische Regierung?

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew kritisiert die drohenden Strafen als politisch motiviert. "Mich erinnert das an eine unendliche antirussische Serie", sagte Medwedew. Er meinte, Russland werde härter angegangen als andere Länder, in denen es auch Doping gebe. "Das ärgert am meisten. Wir kennen diese Beispiele, aber sie werden unter den Tisch gekehrt, und auf uns wird dauernd geschaut", sagte der Ministerpräsident. Offensichtlich habe das etwas mit der gesamtpolitischen Situation zu tun. "Wahrscheinlich wird die Entscheidung für Russland schwer", sagte Medwedew.

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