Diese Probleme gibt es wohl nur beim südkoreanischen Erstligisten Sangju Sangmu FC. "Wir waren zwar gut ins Jahr gestartet", erzählt der Mannschaftskapitän Kim Kyungjung, "aber im August hatten viele unserer Leistungsträger fertig gedient. Sie kehrten dann alle zu ihren Heimatclubs zurück." Wie stark die Truppe mit den Neuen noch werden würde, wusste niemand so recht. "Es ist jedes Jahr das Gleiche", sagt Kim Kyungjung. "Mitten in der Saison müssen wir uns dann neu zusammenfinden." Alle 20 Monate wechselt sich der Kader komplett durch. Dass auch der Kapitän selbst, der auch schon bei Girondins Bordeaux in Frankreich unter Vertrag stand, ab Januar wieder zu seinem vorigen Club Gangwon FC zurückkehrt, ist selbstverständlich. "Hier sind wir eben alle nur Soldaten", sagt er. "Die Zeit in der Kaserne ist von vornherein begrenzt."

Ein Fußballclub in der ersten Liga nur für Soldaten. Das ist ein seltenes Konstrukt, das es wohl nur auf der koreanischen Halbinsel gibt, die seit fast 70 Jahren formal im Kriegszustand verharrt. Ab 1950 starben im Koreakrieg zwischen dem Norden und dem Süden in drei Jahren mehrere Millionen Menschen. 1953 endeten die Gefechte nur mit einem Waffenstillstand und seitdem gab es immer wieder Drohgebärden und Provokationen von beiden Seiten. So muss noch heute jeder südkoreanische Mann für 20 Monate Militärdienst leisten.

Die wohl bekannteste Kaserne des Landes

Einen Eindruck davon, wie sich dieser dauerhafte Ausnahmezustand über Jahrzehnte normalisiert hat, bekommt man in Sangju, einer 100.000-Einwohnerstadt im Zentrum des Landes. Außerhalb des Ortes, in der vielleicht bekanntesten Kaserne des Landes, werden Fußballstars zu Rekruten. Statt teuren Wohnungen müssen sie sich hier ihre Zimmer teilen, statt Millionengehältern gibt es das für Jungsoldaten übliche Monatssalär von umgerechnet wenigen Hundert Euro.

"Ich habe meinen Dienst erst mit 27 angetreten und war deshalb schon älter als die meisten", sagt Kim Kyungjung. "Dann kam ich hierher und musste plötzlich vor jüngeren Mitspielern salutieren. In jedem anderen Club in Südkorea würde das genau andersherum funktionieren. Das hat mich schon viel Überwindung gekostet." 

Der 25-jährige Mittelfeldspieler Ryu Seungwoo, der zuvor bei Bayer Leverkusen und Eintracht Braunschweig gespielt hatte, fühlte sich durch andere Dinge stärker eingeschränkt: "Vorher konnte ich morgens so lange schlafen, wie ich wollte, meine Wohnung unaufgeräumt lassen, ohne Begrenzung mein Smartphone benutzen. Hier geht das alles nicht mehr, der Alltag ist sehr streng organisiert. Am deutlichsten merke ich das am frühen Aufstehen."

Morgenappell um 6:50 Uhr

Die Leine, an der die Spieler hier gehalten werden, ist kurz. Die in Camouflage gekleidete Majorin Young Chaji, die das Gespräch mit Kim und Ryu beaufsichtigt und gelegentlich auch unterbricht, fasst den üblichen Tagesablauf so zusammen: "Der Tag beginnt um 6:30 Uhr mit dem Wecken. Bis 6:50 Uhr muss man angezogen zum Morgenappell erscheinen. Wir singen dann die Nationalhymne und unsere Teamhymne, gemeinsam mit den Athleten aus allen anderen Sportarten hier." Dann werde trainiert. "Übungen an der Waffe machen die Athleten nur alle drei Monate. Dafür durchläuft jeder Sportler zum Antritt einen fünfwöchigen Grundlagenkurs."