Für Borussia Dortmund könnte bald ein Frühreifer mitmachen. Nach Berichten der "Bild"-Zeitung erwägt der Verein, eine Regeländerung in der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu beantragen. Damit der B-Jugendspieler und U-Nationalspieler Youssoufa Moukoko, der schon mit 12 Tore für die U17 schoss, ab der kommenden Saison spielen darf, soll die Altersgrenze im deutschen Profifußball auf 16 Jahre gesenkt werden. 

Bislang dürfen Fußballer erst eingesetzt werden, wenn sie die Altersklasse U19 erreicht haben, was bei Moukoko im Sommer 2021 der Fall sein wird. Nach den aktuellen Statuten darf Moukoko also erst ab der übernächsten Saison spielen. Stimmt die DFL dem Dortmunder Antrag jedoch zu, kann der deutsch-kamerunische Stürmer wohl schon ab dem 20. November 2020 für die Borussia auflaufen. An diesem Tag wird er 16.

Der jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten war auch ein Dortmunder: Nuri Şahin gab im August 2005 einen Monat vor seinem 17. Geburtstag sein Bundesliga-Debüt. Andere Länder handhaben diese Frage nicht so streng wie Deutschland, so kamen zum Beispiel der Belgier Romelu Lukaku, inzwischen Nationalspieler, und Ansu Fati vom FC Barcelona mit 16 jeweils in der A-Mannschaft zum Einsatz. Ulf Baranowsky, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der deutschen Spielergewerkschaft VdV, mahnt im Gespräch mit ZEIT ONLINE allerdings zur Vorsicht mit der Altersgrenze.

ZEIT ONLINE: Fußball spielt man schon im Vorschulalter. Warum halten Sie dennoch eine Altersgrenze für bedeutsam?

Baranowsky: Wie im allgemeinen Arbeitsrecht sind auch im Fußball der Gesundheitsschutz und der Jugendschutz besonders zu berücksichtigen.

ZEIT ONLINE: Die gegenwärtige Regel entstammt einer Zeit, in der Fußballer erst mal eine Ausbildung für die Zeit nach ihrer Karriere machen sollten. Heute werden sie bereits in sehr jungen Jahren mit dem Beruf Fußballer vertraut gemacht. Sollte man diese Umstände in dieser Regelfrage berücksichtigen?

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Baranowsky: Ja. Aber Sportmediziner weisen darauf hin, dass die Zahl der Kreuzbandrisse und Ermüdungsbrüche sowie generell die Überbelastungen in den Nachwuchszentren hoch ist. Der Profifußball, inklusive des Trainings, ist noch mal intensiver, körperlicher, fordernder. Er verlangt zudem viel Regeneration. Wer dort zu früh hineingerät, dem drohen dauerhafte Schädigungen. Man darf Talente nicht verheizen. Im Frauenfußball verhält sich das übrigens anders, weil sich Mädchen schneller entwickeln als Jungs.

ZEIT ONLINE: Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann warnt zudem vor dem öffentlichen Druck in der Bundesliga.

Baranowsky: Zum Profisein zählt sicher auch die psychische Reife.

ZEIT ONLINE: Vielleicht hat Borussia Dortmund Sorge, den Spieler ans Ausland zu verlieren, wo er früher spielen dürfte. Der Verein hat zudem große Erfahrung mit sehr jungen Spielern.

Baranowsky: Unbestritten. Und den Einzelfall kann und will ich nicht beurteilen. Ich gebe bloß mit Blick auf eine generelle Regeländerung zu bedenken: Vereine sollten kurzfristigen ökonomischen Zielen nicht den Vorzug vor der langfristigen Entwicklung eines Spielers geben.

ZEIT ONLINE: Die DFL dementiert zumindest nicht, dass sie die Altersregel bald ändern könnte.

Baranowsky: Dem sollte auf jeden Fall eine sorgsame Diskussion vorangehen, in die Mediziner, Psychologen und auch wir als Gewerkschaft eingebunden sind.