An diesem Donnerstag beginnt die Handball-EM 2020 in Norwegen, Schweden und Österreich. Sie dauert bis zum 26. Januar. Auf ZEIT ONLINE lesen Sie jeweils nach den deutschen Spielen eine Rückschau. Deutschland trifft in der Vorrunde auf Spanien, Lettland und die Niederlande. 

Nicht verwechseln: Wer in diesen Tagen die Posts und Bilder des deutschen Handballteams verfolgt, ist nicht im Katalog eines Reiseanbieters gelandet. Nein, Bundestrainer Christian Prokop bei der Ankunft in Frankfurt (zwischenzeitliches Quartier in der Vorbereitung), Torhüter Andreas Wolff kurz darauf lächelnd am Flughafen Wien (letztes Testspiel) und Kapitän Uwe Gensheimer ein paar Tage später am Trondheimer Flughafen (Ankunft im Vorrundenquartier) stehen erst am Anfang einer großen Reise. 

Die Europameisterschaft der Handballer beginnt an diesem Donnerstag, Deutschland trifft zunächst auf den EM-Neuling aus den Niederlanden. Seit einer Woche sind die Nationalspieler gemeinsam unterwegs und haben bereits eine beträchtliche Strecke zurückgelegt.

Falls das deutsche Team das Halbfinale in Stockholm in zwei Wochen erreichen sollte, und die Chancen darauf sind gut, wird kein anderes Team so viele Reisekilometer hinter sich haben: Zunächst startet die DHB-Auswahl in Trondheim mit drei Vorrundenspielen. Für den sehr wahrscheinlichen Fall des Einzugs in die Hauptrunde bestreitet sie vier weitere Begegnungen in Wien, bevor in einem Fußballstadion in Stockholm die Medaillenplätze ausgespielt werden. Das wären 6.000 Kilometer mit dem Flugzeug, innerhalb von 17 Tagen.

"Ich bin kein großer Freund davon"

In Zeiten der weltweit geführten Klimadebatte, angestoßen und verkörpert von Greta Thunberg aus dem Mitgastgeberland Schweden, muss die Frage gestattet sein: Wer denkt sich das aus? Wem will der europäische Verband EHF dieses Konzept, diesen Modus glaubhaft verkaufen? Wenn Greta bisher tatsächlich eine Affinität zur Sportart gehabt haben sollte, was im handballverrückten Skandinavien nicht ausgeschlossen ist, dürfte sie jetzt noch mal über ihre Vorliebe nachdenken. 

Deutschlands Nationalspieler haben sich bei diesem Thema bislang zurückgehalten, sie wollen sich auf ihren Sport konzentrieren. Kreisläufer Patrick Wiencek verpackte es so: "Irgendwie fühlt es sich so an, dass wir quer durch Europa fliegen und zwischendurch ein bisschen Handball spielen", sagte der Kieler dem SID. Torhüter Andreas Wolff findet es "zumindest diskutabel". Bei den Funktionären klingt das schon kritischer. "Wir haben ja bei der WM 2019 in Deutschland und Dänemark gesehen, dass es im Prinzip nur ein halbes Turnier bei uns war", sagt DHB-Vizepräsident Bob Hanning. "Deshalb bin ich kein großer Freund von Mehr-Länder-Turnieren."

Von den Spielen und der Stimmung beim jeweils anderen Ausrichter bekamen Zuschauer, aber auch die Teams wenig bis gar nichts mit, trotz toller Stimmung in den deutschen und dänischen Arenen. Die Doppelvergabe war ein Kompromiss der Nationalverbände, die wohl leer ausgegangen wären, wenn sie sich nicht zusammengetan hätten. "Jetzt sind es sogar drei Ausrichter, und das sind noch nicht mal alles Nachbarländer", sagt Hanning. Kulturell sei das vielleicht interessant, "aber für Fans und Spieler ist die Reiserei nicht zielführend". Norwegen, Österreich und Schweden hatten sich jeweils für die Ausrichtung beworben, sich dann aber aus organisatorischen Gründen zu einem Trio zusammengeschlossen.