Wir Berliner wissen genau, dass man bei all den täglichen Challenges unserer hektisch-hippen Heimatstadt auch mal was vergessen kann. Das Mietfahrrad korrekt abschließen zum Beispiel, den Quinoa rechtzeitig aus dem digitalen Reiskocher nehmen oder einfach nur Nur nach Hause gehn wir nicht zu grölen, wenn wir doch nach Hause gehen.

Wie wir nun aus der Bild erfahren durften, besitzt der kalifornisch-charlottenburgische Weltschwabe keine Trainerlizenz mehr. Jürgen Klinsmann habe die Fortbildungsnachweise in seinem Haus in den USA vergessen – wem das nicht schon mal passiert ist, der werfe die erste Miles-and-more-Card! Der Hertha-Coach, der sich nun nicht mehr so nennen darf, werde sie, also die Nachweise, aber bald beibringen und auch seine Lizenz erneuern. Wo also ist das Problem? Zumal jeder, der Jürgen Klinsmann kennt, weiß, dass ihm so etwas nicht einfach so passiert, sondern nur ein weiterer Schritt ist auf dem Weg, Hertha zum Giga-Big-City-Club zu machen. Die Versäumnis ist kein Malheur, sondern Innovation.

Schon beim FC Bayern ging Klinsmann ganz neue Wege. Er wurde zum Rulebreaker, indem er Spiele, die er gewinnen sollte, einfach hoch verlor. 0:4 in Barcelona zum Beispiel oder 1:5 in Wolfsburg. Seht her, ich mache die Dinge anders, gewinnen ist doch für Kleingeister, so seine eindrückliche Botschaft.

Jeden Tag ein bisschen besser gemacht

Wer nun glaubt, die Hertha populär zu machen, sei in etwa so schwierig, wie Oma Erna in eine Influencerin zu verwandeln, der unterschätzt Klinsmann. Für seine Mission erfindet er gar neue Posten. Den Performance-Manager zum Beispiel, den Arne Friedrich bekleidet, früher ein Abwehr-Haudegen alter Schule. Mittlerweile benutzt Friedrich so oft Begriffe wie "Benchmarking", "Leistungspotenziale" und "Entscheidungsträger", dass er bei der anstehenden Bullshit-Bingo-WM ganz sicher besser abschneiden wird, als er es bei einer Fußball-WM je tat. Klinsi hat ihn schon jetzt jeden Tag ein bisschen besser gemacht.

Friedrich berichtete neulich sogar von einem befreundeten Marine Raider, das sei so etwas Ähnliches wie ein Navy Seal, der ein Start-up gegründet habe, was auch fürs Hertha-Training interessant sein könnte: die Underwater Torpedo League. Wer nun meint, viele Berliner Spieler hätten schon Schwierigkeiten, sich über Wasser zu orientieren, der hat zwar recht, aber probieren kann man es ja mal. Über den Gummitwist hat man beim DFB zuerst auch gelacht.

Und so werden im Schatten des altehrwürdigen Olympiastadions ganz sicher bald komplett neue Trainingsformen ausprobiert. Unter-Tage-Fallschirmspringen. Oder Über-Wasser-Tauchen. Oder was ganz Verrücktes: einfach mal eine Saison lang ohne Ball trainieren. Bevor Klinsmann den auch noch vergisst.