Die einzige olympische Medaillengewinnerin des Iran hat das Land verlassen und ihre Flucht mit der politischen Situation in der Islamischen Republik begründet. Die Taekwondokämpferin Kimia Alisadeh bezeichnet sich auf Instagram als "eine der Millionen unterdrückten Frauen im Iran". Sie habe das Land verlassen, weil sie genug davon habe, von den Behörden als Propagandainstrument benutzt zu werden, berichtet CNN. Die 21-Jährige kritisiert unter anderem, dass sie einen Hidschab tragen müsse, und beschuldigte Offizielle im Iran des Sexismus und schlechter Behandlung.

Ihre Entscheidung, den Iran zu verlassen, sei schwer gewesen, aber notwendig, schreibt Alisadeh und gibt Einblicke in die Welt der Sportlerinnen des Iran. "Wir hatten keinerlei Bedeutung für sie", erklärt sie in Richtung des Regimes. Dieses habe ihre Medaillen gefeiert, sie aber für die Ausübung ihres Sports kritisiert. "Ich trug, was sie verlangten", schreibt sie, "jeden Satz, den sie anwiesen, wiederholte ich."

Nach Informationen der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Isna soll Alisadeh in die Niederlande geflohen sein. "Niemand hat mich nach Europa eingeladen und ich habe kein verlockendes Angebot erhalten. Aber ich akzeptiere den Schmerz und die Härte des Heimwehs, weil ich nicht Teil von Heuchelei, Lügen, Ungerechtigkeit und Schmeichelei sein wollte."

Die stellvertretende Sportministerin Mahin Farhadizad wird von Isna mit den Worten zitiert, dass man keine Sportlerin zwingen könne, im Iran zu bleiben. "Was wir tun können, ist, Frauen und Frauensport zu unterstützen", sagte Farhadizad. Alisadeh hatte 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Bronzemedaille gewonnen. 

Empörungssturm wegen eines Kopftuchs

Doch auch andere Frauen bleiben ihrem Heimatland Iran aus Sorge um ihre Sicherheit fern wie die iranische Chefschiedsrichterin Shohreh Bayat. Die 32-Jährige Bayat hatte bei der Schach-Weltmeisterschaft der Frauen in China nach dem dritten Turniertag entschieden, ihr Kopftuch abzulegen. Wie sie dem ARD-Hörfunkstudio in Schanghai sagte, reagierte sie damit auf Kritik aus ihrer Heimat. Staatsnahe iranische Medien hatten zuvor behauptet, Bayat habe aus Protest gegen die Hidschab-Pflicht ihre Haare bereits seit Turnierbeginn nicht bedeckt.

Shohreh Bayat bei der Schach-Weltmeisterschaft der Frauen in China © STR/​AFP/​Getty Images

Das war nicht der Fall, denn Bayat hatte laut dem ARD-Bericht durchaus ein Kopftuch getragen; allerdings eher zurückhaltend, das Tuch hatte demnach nur einen Teil ihrer Haare bedeckt. Bayat wurde in den sozialen Medien trotzdem massiv angegriffen. Auch sei sie vom iranischen Schachverband aufgefordert worden, sich zu entschuldigen und ab sofort das Kopftuch auf konservativer Weise zu tragen. Bayat verweigerte das und legte stattdessen ihr Kopftuch ganz ab. Da sie nun Strafen fürchtet, möchte sie in nächster Zeit nicht nach Iran zurückkehren. "Ich habe den iranischen Schachverband gebeten, mir schriftlich zu versichern, dass ich ohne Sorge um meine Sicherheit in den Iran zurückkehren kann", sagt Bayat im Interview mit der ARD. "Als ich darauf keine Antwort bekommen habe, war mir klar, dass es nicht sicher für mich ist, zurückzukehren, und dass es nun auch keinen Unterschied mehr macht, ob ich das Kopftuch trage, oder nicht."

Dem Bericht zufolge fürchtet auch der Weltschachverband FIDE Folgen für die Iranerin. Man sei besorgt angesichts der Berichte aus Teheran, sagte FIDE-Vizepräsident Nigel Short der ARD.