Für Niels Giffey und Tim Schneider ist es Routine, aber eigentlich ist es eine eigene kleine Kunstform. Vor jedem Spiel von Alba Berlin haben die beiden Basketballspieler ein besonderes Ritual: ein filigranes Handschlag-Schauspiel, das sie in den verschiedensten Varianten zelebrieren. Schneider tut dann so, als würde er eine Flasche mit scharfer Soße aus dem Kühlschrank holen und diese an Giffey zum Probieren übergeben. Giffey nimmt sie ihm ab, führt eine Fingerspitze zum Mund und kostet einen Tropfen. "Um Feuer zu fangen und heiß zu werden", sagt Alba-Kapitän Giffey und grinst.

Was nach Quatsch und Spaß klingt, soll auch genau das sein. Allerdings ist es noch viel mehr. "Natürlich ist es erst mal eine lustige Sache", sagt Schneider. "Aber es hilft mir auch, um in das Spiel reinzukommen." Auch während des Spiels folgt bei Schneider, Giffey und ihren Teamkollegen nach nahezu jeder Aktion die puristische Version des Handschlag-Schauspiels: das High Five.

Damit sind die Basketballer von Alba Berlin natürlich nicht allein – auch wenn wohl nur wenige Athleten dabei so virtuos agieren wie Giffey und Schneider. Wenn es darum geht, eine gelungene Aktion zu feiern oder jemanden nach einem Fehler wieder aufzumuntern, gibt es im Sport keine universellere Geste als das High Five.

In vielen Sportarten beginnt das Spiel mit High Fives

Wie wichtig das Abklatschen für die Athleten ist, zeigen sogar wissenschaftliche Studien. Psychologen der Universität Berkeley belegten: Mannschaften, die öfter High Fives austauschen, sind auch erfolgreicher – aber dazu später mehr.

Auf jeden Fall tun es alle Athleten: Eiskunstläufer genauso wie Turner, und Curler genauso wie Tennisspieler (vor allem im Doppel). Ebenso reichhaltig sind die Formen des High Five: Es gibt das Low Five, den Faust-Klatscher, das Einander-an-die-Brust-Hüpfen, den Po-Klatscher, das High Ten, das Low Ten, den Patscher mit Eishockey-Handschuhen und natürlich zahllose Abwandlungen von all dem. Es ist die natürlichste Form des Jubels.

Doch für die Sportler geht die Bedeutung des High Five weit über die kurzfristige Freude hinaus. "Ohne das Abklatschen fehlt mir etwas", sagt Giffey.

Deshalb beginnt im Basketball und in vielen anderen Sportarten auch das Spiel mit High Fives: Wenn die Mannschaften aufs Feld kommen und sich die Spieler untereinander abklatschen. Die Geste ist also nicht nur ein spontanes Ritual, sondern auch fest in den Ablauf der Sportinszenierung integriert.

Den Handschlag kannten schon die Römer

Es ranken sich einige Legenden darum, wo, wie und durch wen das High Five seinen Weg in den Sport fand. Der Ursprung der Geste liegt selbstverständlich im klassischen Händeschütteln. Den Handschlag kannten schon die Römer, auch in der Bibel wird er erwähnt. Und er rührt daher, dass man mit offenen Händen dem Gegenüber zeigte: Ich bin unbewaffnet. Für Sportler ist das Abklatschen weitaus praktischer als ein inniger Händedruck, weil es sich quasi im Vorbeigehen erledigen lässt.

Als Urheber im Sport haben sich zahlreiche Athleten ins Spiel gebracht, unter anderem Basketball-Legende Earvin "Magic" Johnson. Aber als erste dokumentierte High-Fiver gelten die Baseball-Spieler Dusty Baker und Glenn Burke von den Los Angeles Dodgers. Baker gelang am 2. Oktober 1977 ein Homerun und danach lief er mit nach oben gestreckter Hand auf Burke zu – und der schlug mit seiner Hand ein.

Richtig bekannt wurde das High Five in den USA dann durch die Basketballspieler der Louisville Universität. In der Saison 1978/79 klatschten sie sich regelmäßig nach erfolgreichen Würfen ab. Weil sie es bei Spielen taten, die landesweit im US-Fernsehen übertragen wurden, verbreitete sich das High Five danach über die Grenzen der Länder und Sportarten. Wer die ersten deutschen Athleten waren, die es übernahmen, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall ist die Geste auch aus dem deutschen Sport nicht mehr wegzudenken.