Zum Glück sind da noch die Torhüter: Der ehemalige Nationaltorwart Oliver Kahn tritt seinen Job beim FC Bayern an und verspricht, nicht durch den Konferenzraum zu grätschen. Der aktuelle Nationaltorwart Manuel Neuer stellt klar, dass er auch künftig jedes, aber auch wirklich jedes Spiel im Tor stehen möchte auch wenn Alexander Nübel im Sommer zu den Bayern kommen wird und den einige als künftigen Nationaltorwart sehen.

Die Torhüter jedenfalls beherrschen gerade die Schlagzeilen rund um den FC Bayern. Den Verein dürfte das freuen. Sonst würde er sich wieder einmal ausschließlich mit den alljährlichen Berichten rund um sein Trainingslager in Katar konfrontiert sehen. Zum zehnten Mal sind die Bayern im Winter nach Doha geflogen und immer wieder gab und gibt es Ärger. 2015 etwa schrieb ein langjähriges Bayern-Mitglied einen offenen Brief an der Vorstand und drohte mit dem Austritt aus dem Verein. 2016 warf ein Sprecher des Internationalen Gewerkschaftsbundes dem Verein vor, moderne Sklaverei zu legitimieren. Auch dieses Jahr hing ein Banner in der Südkurve, auf dem zu lesen war: "Und wieder fliegen mit Kafala Airways die Menschenrechte davon!" Der Club Nr 12, die größte Vereinigung aller FC-Bayern-Fanclubs, veranstaltet kommende Woche eine Diskussion unter dem Titel "Hand auf – Mund zu", zwei Arbeiter aus Katar sind als Gäste angekündigt.

Auf der Jahreshauptversammlung im November war Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Kritik leid. "Seit Bayern München Partner von Katar ist, hat es nachweislich eine Entwicklung in Sachen Menschen- und Arbeiterrechte zum Positiven gegeben", sagte er. Ein Satz, der recht hämisch kommentiert wurde. Der FC Bayern verbessert die Welt, zum Schießen! Aber: So falsch ist er gar nicht.

Das hat sich verbessert

Tatsächlich hat sich im Emirat in den vergangenen Jahren etwas getan. "Seit 2011 gibt es kontinuierliche Verbesserungen", sagt Regina Spöttl, die sich bei Amnesty International mit Katar beschäftigt. Sie zählt auf: Es gibt nun ein eigenes Gesetz für Hausangestellte, in dem feste Arbeitszeiten und Urlaube geregelt sind. Es gibt eine Schiedsstelle, die bei Arbeitskonflikten wie ausstehenden Lohnzahlungen vermitteln kann. Es gibt einen Fonds zur finanziellen Entschädigung von Arbeiten, die nicht bezahlt wurden oder keine Papiere bekommen haben. Auch das Exitpermit, die Ausreisegenehmigung des Arbeitgebers, das die Arbeiter benötigten, um das Land zu verlassen, fällt weg. Die meisten Arbeiter können nun ausreisen, wann sie wollen.

Im Januar soll gar ein neues, umfassend verändertes Arbeitsrecht in Kraft treten, das Katar in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entwickelt hat. "Damit soll das Kafala-System endgültig abgeschafft werden", sagt Regina Spöttl. Sie sagt aber auch: "Das haben wir in den vergangenen Jahren schon öfter gehört. Wir werden das Gesetz gründlich studieren und schauen, ob das Sponsorensystem nicht wieder nur einen neuen Namen bekommt."

Nun bleibt auch ein Unrechtsstaat, der sich vorsichtig modernisiert, ein Unrechtsstaat. Frauen sind nicht mal annähernd gleichberechtigt. Homosexualität ist verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist eingeschränkt. Erst im September hatte Amnesty International erklärt, Katar bleibe "ein Tummelplatz skrupelloser Arbeitgeber". "Es gibt immer noch viele Arbeitsmigranten, die unter erschwerten Bedingungen leben und arbeiten. Manche stranden regelrecht in Katar, weil sie von ihren Firmen zurückgelassen werden", sagt Regina Spöttl. Aber sie sieht in dem Land auch den Willen, sich zu bewegen. "In Katar hört man uns zu und bemüht sich. Wir rennen dort nicht so gegen Wände wie beispielsweise in Saudi-Arabien, wo in Bezug auf die Menschenrechte gar nichts passiert."