6,17 Meter. Das ist höher als jede Giraffe. Das ist vier Zentimeter höher als Zlatan Ibrahimović, Florian Henckel von Donnersmarck und Dirk Nowitzki übereinandergestellt. Einer hat diese 6,17 Meter nun nur mithilfe eines Fiberglasstabs übersprungen. Einer, dessen Namen man sich merken sollte: Armand Duplantis.

Im polnischen Toruń hat Duplantis am Wochenende einen Weltrekord im Stabhochsprung aufgestellt. Etwas, das noch niemand schaffte, ist etwas Besonderes. Wer kann schon von sich behaupten, etwas besser zu können als die anderen 7,5 Milliarden Menschen auf der Welt?

Duplantis' Sprung in Richtung Himmel, der in diesem Fall nur die Hallendecke war, war aber noch einmal besonders besonders: Zum einen ist Stabhochsprung eine der elegantesten, auf jeden Fall die technisch anspruchsvollste Disziplin der Leichtathletik. Wie sich die Springer kopfüber nach oben katapultieren, sich vom Stab abdrücken und sich dann um die Latte wickeln – viel beeindruckender wird es nicht im Sport.

Die 6,17 Meter von Duplantis sind auch aus einem anderen Grund wichtig. Er könnte der so dringend benötigte neue Superstar der Leichtathletik werden. Die Mutter aller Sportarten dümpelt nämlich seit vielen Jahren vor sich hin. Dopingskandale und ein gewisser Tartanbahnmuff machen ihr zu schaffen. Laufen, Springen, Werfen sind nicht mehr angesagt, den jungen Zuschauerinnen und Zuschauer ist im Stadion oder der Halle zu wenig los. Hinzu kommen Unübersichtlichkeit und Leistungen, die am TV nicht gut rüberkommen.

Spätestens als Usain Bolt, der letzte Überstar, seine Spikes an den Nagel hing, mussten sich die Leichtathletikbosse sorgen. Ihr Sport war auf dem Weg in die Bedeutungsarmut.

Womöglich hat dieser Armand Duplantis, den alle nur Mondo nennen, genau das, was die Leichtathletik braucht: eine große Zukunft und Charisma. Zwanzig Jahre ist Duplantis jung. Für einen Stabhochspringer sehr jung, die meisten schöpfen ihr Leistungsvermögen erst als Endzwanziger aus. Und wer sah, wie Duplantis seinen Rekordsprung feierte, indem er erst seine Mama drückte und dann an die Balustrade der Tribüne geklammert dem Publikum einheizte wie ein Diskjockey, ahnt: Dieser Kerl hat genug Ausstrahlung, um auch fern der Hochsprungmatte ein ganz Großer zu werden.

Vielleicht sind es die Gene. Duplantis ist der Sohn einer ehemaligen Siebenkämpferin und eines Stabhochspringers. Schon früh galt er als Wunderkind des Stabhochsprungs, die New York Times schrieb einmal, dass er mit einem Besenstiel im Wohnzimmer anfing und auf einem Sofa landete. Später baute sein Vater ihm und seinen drei Geschwistern im Garten eine Stabhochsprunganlage.

Schon mit sieben Jahren hielt Duplantis den Rekord in seiner Altersklasse, sprang als Knirps 2,33 Meter. Im Juniorenbereich brach Duplantis Bestmarke um Bestmarke, er hält auch den Junioren-Weltrekord mit 6,05 Metern. Nun also auch den der Erwachsenen. Den hatte bis zum Wochenende der Franzose Renaud Lavillenie inne, dessen Poster in Duplantis’ Kinderzimmer hing.

"Das ist etwas, was ich wollte, seit ich drei Jahre alt bin", sagte Duplantis nach seinem Sprung. "Es ist ein großer Traum, kein kleiner Traum."