Lars Windhorst, der sich selbst als Fußballlaie bezeichnet, hatte die Zweifel an Klinsmann überhört, als er ihn erst als sportlichen Berater, dann als Aufsichtsrat in Berlin engagierte, wo er sodann Trainer wurde. Klinsmann, der sich gut verkaufen kann und über großes Selbstvertrauen verfügt, sprach von der Champions League, vom "spannendsten Fußballprojekt Europas", von Augenhöhe mit Bayern München. Auf Kosten von anderen forderte er Befugnisse, als hätte er fünf Meisterschaften in drei verschiedenen Ländern gewonnen.

Doch um einen Verein wie Hertha BSC in die Champions League zu führen, braucht es tiefe Kenntnisse auf dem Trainingsplatz und Erfahrungen in der Kaderplanung. Solche hat Klinsmann nie bewiesen und gemacht. Die Spieler, die Hertha unter Klinsmann mit vielen Windhorst-Millionen gekauft hat, bestätigen eher die Zweifel. Klinsmanns tatsächliche Stärken hingegen sind in Berlin gar nicht gefragt. Heutige Bundesliga-Vereine verfügen bereits über eine gute Infrastruktur und Organisation, auch dank ihm, was seinem Sturz eine tragische Note verleiht.

Seine Skeptiker fühlen sich von seinem Scheitern nun bestätigt. Seine Sympathisanten, von denen es noch immer viele gab, sind von seinem stillosen Abgang enttäuscht, bei dem er den Eindruck vermittelte, dass ihm Hertha BSC egal ist. Auf dem Platz durfte er ein Einzelkämpfer sein, seine beste Leistung zeigte er im WM-Achtelfinale 1990 gegen Holland, als sein Nebenmann Rudi Völler vom Platz gestellt war. Als Führungskraft jedoch sollte man seinen Egoismus bändigen, der Kapitän geht nicht zuerst von Bord.

In den jüngsten Tagen hat Klinsmann einiges gesagt und geschrieben, das an ihm haften wird, weil es unbeabsichtigt komisch wirkt. "HaHoHe Euer Jürgen" stand unter seiner Rücktrittserklärung – ein durchschaubarer Trick, um Verbundenheit mit den Hertha-Fans vorzutäuschen. Und unter den Bedingungen in Berlin "kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen". Divenhafter geht es kaum.

Klinsmann wird in der Bundesliga nur noch schwerlich einen Job finden, wenn er diesen überhaupt anstrebt. Doch bleibt dennoch etwas von ihm. Zu würdigen ist sein historisches Verdienst, einen ehedem vorsintflutlichen DFB in die Moderne geführt zu haben. Davon zehren der Verband und der deutsche Fußball noch heute, auch von Klinsmanns Ideen, sich externes Wissen einzuholen.

Und auch wenn er 2014 auf der zweiten großen Feier der deutschen Elf am Brandenburger Tor nicht dabei war – ein bisschen ist auch er, der nun Hohn und Empörung erntet, damals Weltmeister geworden.