Der europäische Fußballverband Uefa hat den englischen Topclub Manchester City für zwei Saisons aus der Champions League ausgeschlossen. Grund dafür sind "schwerwiegende Verstöße" gegen das sogenannte Financial Fairplay, ein Regelwerk der Uefa, das verhindern soll, dass besonders wohlhabende Vereine den Wettbewerb verzerren. Eine entsprechende Mitteilung über die Entscheidung des zuständigen Gremiums hat die Uefa auf ihrer Website veröffentlicht.

Demnach hat Manchester City zwischen 2012 und 2016 Sponsoreneinnahmen überbewertet und der Uefa so falsche Informationen übermittelt. Durch die Überbewertung der Einnahmen könnten so unzulässige Investorengelder in den Bilanzen versteckt worden sein. So sollen angebliche Zahlungen von Sponsoren wie Etihad Airways tatsächlich direkt von Scheich Mansour bin Zayed al-Nahjan geleistet worden sein. Er ist Halbbruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Chalifa bin Zayid al-Nahjan und Hauptanteilseigner des Clubs.

Seit Scheich Mansour 2009 die Anteile an Manchester City erwarb, hat sich der Club zu einem der erfolgreichsten europäischen Vereine entwickelt – auch durch Transferausgaben in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro, mehr als bei jedem anderen europäischen Verein. Auf Platz zwei rangiert Paris Saint-Germain, ein ebenfalls von sehr reichen Investoren, in dem Fall aus Katar, alimentierter Verein.

Wegen der Verstöße soll der englische Meister erst ab der Saison 2022/23 wieder in der höchsten europäischen Spielklasse antreten dürfen. Zudem muss der Club eine Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen Euro zahlen. Allerdings dürfte der Gewinnausfall durch die beiden entfallenden Spielzeiten wesentlich schwerer wiegen. Besonders erfolgreiche Clubs können bei der Teilnahme an der Champions League mit Einnahmen in zwei-, manchmal dreistelliger Millionenhöhe pro Saison rechnen.

Club legt Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof ein

Der Verein reagierte in einer Stellungnahme "enttäuscht, aber nicht überrascht". Der Fall sei von der Uefa initiiert, juristisch verfolgt und beurteilt worden, kritisierte Manchester City die angeblich fehlende Gewaltenteilung. Nach diesem "vorverurteilenden Prozess" werde der Verein nun so schnell wie möglich eine unabhängige Untersuchung anstrengen und als ersten Schritt den Internationalen Sportgerichtshof Cas anrufen.

Neben dem französischen Hauptstadtclub Paris Saint-Germain ist auch Manchester City aufgrund der Beteiligung von Investoren aus dem Nahen Osten in der Lage, sehr große Gehälter an ihre Spieler zu zahlen und enorme Ablösesummen auf dem Transfermarkt zu bezahlen. Beide Vereine stehen seit 2018 in der Kritik, als durch die Football Leaks bekannt geworden ist, dass ihre Bilanzen gegen das Financial Fairplay verstoßen.

Infantino soll bei Vertuschung von Verstößen geholfen haben

Im Vergleich zu ihren Einnahmen haben sie viel zu viel Geld für Spieler und Gehälter ausgegeben. Die Regeln sehen vor, dass Clubs, die in Europapokal-Wettbewerben spielen, eine ausgeglichene Bilanz vorweisen müssen. Investoren dürfen nur in sehr begrenztem Umfang aushelfen. Doch diese Grenzen wurden offenbar nicht immer genau überprüft: Auch die Uefa wurde in diesem Zusammenhang kritisiert. Der damalige Uefa- und heutige Fifa-Chef Gianni Infantino soll den finanzstarken Vereinen insbesondere in der Saison 2013/14 geholfen haben, Strafen zu umgehen.

Das sorgte auch für eine Debatte über das Financial-Fairplay-System, Kritiker warfen der Uefa vor, Regelverstöße nur bei kleinen Vereinen konsequent zu bestrafen. Zwar wurden Manchester City und Paris Saint-Germain 2014 mit Geldstrafen belegt und deren Kadergröße bei Champions-League-Spielen limitiert, doch viele empfanden die Strafen als zu milde für die starken Vereine. Wettbewerbsausschlüsse hatte es damals nicht gegeben.

In der laufenden Saison der Königsklasse spielt das vom renommierten ehemaligen Barcelona-Trainer Pep Guardiola betreute Team, zu dessen Kader auch die Nationalspieler Leroy Sané und İlkay Gündoğan zählen, im Achtelfinale gegen Real Madrid. In der englischen Meisterschaft ist die Mannschaft weit abgeschlagen hinter dem FC Liverpool Zweiter.