Wer spielte wie gegen wen?

Deutlicher Sieg, viel Liebe für Gladbach, dank Ihrer Herzchen. Ob das die Borussia tröstet, die sich um den Sieg betrogen fühlt?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Leipzig gegen Gladbach. Ein ereignisreiches Spiel mit diskutablem Ausgang. Noch mehr als gegen Bayern, Dortmund oder auch Union Berlin schwächelten die Leipziger in der ersten Halbzeit. Ihre Kombinationen ließen darauf schließen, als hingen bei ihnen dort, wo andere Menschen Füße haben, Bügeleisen. Man durfte sich fragen: Wie konnte es dieses limitierte Team bis an die Spitze der Tabelle schaffen? Die Gladbacher nutzten diese Mängel energievoll und beharrlich, schlugen die Leipziger mit deren Waffen: mit Kontern. 2:0 führte die Borussia zur Pause durch schöne Tore von Alassane Pléa und Jonas Hofmann, sie hätte höher führen können.

Der Tabellenführer kam kurios zurück ins Spiel. Gladbachs Keeper Yann Sommer legte beim Fangen des Balles eine Karambolage mit seinem Mitspieler Denis Zakaria hin, leitete dabei eine Rotation um seine Breitenachse ein, geriet in der Luft in Vorlage und musste bei der Landung den Ball nach hinten fallen lassen. Dort sagte der Leipziger Stürmer Patrik Schick Danke. Kurz vor dem Abpfiff glückte Christopher Nkunku noch ein exzellenter Fernschuss. Damit wendete Leipzig wieder mal eine Niederlage ab. Aber es war auch ein zweifelhafter Punktgewinn, weil eine neue Regel und ein pedantischer Schiedsrichter dazu beitrugen (siehe unten).

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Hertha gegen Schalke. Wenig Fußball, wenige Angriffe, keine Tore. Jürgen Klinsmann versucht offenbar, seinem Ex-Trainer Giovanni Trapattoni, dem Maestro der Defensive, Konkurrenz zu machen. Als der ihn einst auswechselte, trat der damalige Nationalstürmer ein Loch in eine Werbetonne am Spielfeldrand. Die Hertha jedenfalls mischt seit Wochen stabilen Beton. Immerhin, die Ergebnisse stimmen, obwohl Klinsmann seit seinem Einstand im November fast nur auf Gegner aus dem oberen Bereich der Tabelle traf, darunter Bayern, Dortmund, Gladbach, Schalke und Leverkusen. Von der Abstiegszone hat sich Berlin entfernt. Und an den nächsten fünf Wochenenden trifft Hertha auf die letzten Fünf der Tabelle, vielleicht schießt sie dann ja mal aufs Tor.

Am Dienstag ist Pokal, da können Sie das Spiel abermals verpassen.

Wer stand im Blickpunkt?

Einer, der es nicht sollte: Tobias Stieler. Der Schiedsrichter, der sich wie ein Erziehungsberechtigter gab. Es lief die 60. Minute, da beschwerte sich Alassane Pléa nach einem Zweikampf bei Stieler. Der unterbrach das Spiel und zeigte dem Gladbacher die Gelbe Karte. Das war bereits eine harte, aber vielleicht noch angebrachte Auslegung der neuen DFB-Regel, wonach Respektlosigkeiten gegenüber Schiedsrichtern strenger geahndet werden. Das soll, so das leicht simple Weltbild, verhindern, dass Amateurschiris verprügelt werden. Das war's aber noch nicht. Pléa entfernte sich von Stieler, hörte jedoch nicht auf zu lamentieren. Stieler griff zur Gelb-Roten Karte. Mit dieser Entscheidung wurde niemand auf dem Platz glücklich.

Das zeigt: Theoretisch mag die neue DFB-Anweisung eine löbliche Idee sein, denn Fußballer maulen und zetern viel öfter als zum Beispiel Handballer und Rugbyspieler. Sie haben schlicht schlechte Manieren und reden sich damit raus, dass Fußball ein emotionaler Sport sei. Aber der Versuch, aus ihnen bessere Menschen zu machen, wird auf diese Art scheitern. Erstens weil es sich um ein vergleichsweise harmloses Vergehen handelte. Da haben schon Fußballer ganz anderes rumgebrüllt, die Augen aufgerissen und den Schiri bedrängt. Man hatte eher den Eindruck, der Fifa-Schiri hat auf den Moment gewartet, um die neuen Bestimmungen wie ein preußischer Beamter umzusetzen.

Zweitens fehlt es vielen Bundesliga-Schiedsrichtern an der nötigen Akzeptanz, um als moralische Instanzen einen solchen Kulturwandel zu gestalten. Sie machen zu viele Fehler. Bei ihnen gilt das Leistungsprinzip nicht. Ihnen fehlt es an Persönlichkeit und der Fähigkeit zum Spielmanagement. Sie haben den Hoyzer-Skandal nicht konsequent aufgearbeitet. Sie verhängen kleinliche Handelfmeter und haben die Videotechnik zumindest in der ersten Zeit nach ihrer Einführung katastrophal umgesetzt. Das ist keine Kritik von außen. Das ist die Summe der Äußerungen, die Manuel Gräfe, einer der deutschen Topschiris, in verschiedenen Interviews der letzten Jahre von sich gegeben hat.

Vor diesem Hintergrund dürfen sich die Schiedsrichter und ihre Führung nicht beschweren, wenn Spieler und Trainer ihnen Weltfremdheit und Fußballferne vorwerfen und ihnen vorhalten, dass sie sich zu wichtig nehmen und das Spiel oder gar die Meisterschaft entscheiden. Die Gelb-Rote Karte lehnten nach dem Spiel übrigens auch die Leipziger ab, also die, die davon profitierten. Natürlich ist selbst in Schirikreisen diese strenge Linie umstritten. Regeln, die keiner der direkt davon Betroffenen gut findet, sind jedoch schlechte Regeln. Es wäre nicht verwunderlich, wenn trotz bester Absichten DFB und DFL bald korrigierend eingreifen.