Kein Fußball an diesem Wochenende. Vielleicht kein Fußball für lange Zeit. Aber zum Glück ist das Internet voll davon. Viele Spiele gibt es sogar in voller Länge. Wir haben die elf schönsten davon herausgesucht. Damit die fußballlose Zeit nicht allzu hart wird.

Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 12:0

29. April 1978, Düsseldorfer Rheinstadion, 34. Spieltag

Vielleicht nichts für Fans des BVB. Der noch immer höchste Sieg der Bundesligageschichte. Vor dem letzten Spieltag der Saison 1977/78 lag Gladbach punktgleich mit dem Rivalen aus Köln auf Platz zwei, beide Teams trennten aber zehn Tore, eigentlich unmöglich aufzuholen. Eigentlich. Das 1:0 fiel gleich in der 1. Minute durch Jupp Heynckes, das erste seiner fünf Tore, und es ging fröhlich weiter. 12:0 stand es am Ende, es hätte kein weiteres Tor mehr auf die Anzeigetafel gepasst. Mehrere BVB-Spieler weigerten sich, eingewechselt zu werden. Für Gladbach reichte es nur nicht zum Titel, weil auch Köln sein Spiel 5:0 gewann. Dortmunds damaliger Trainer Otto Rehhagel musste allerdings eine Weile mit dem Namen Otto Torhagel leben. Vielleicht wurde er deshalb später zum Defensivfetischisten.

SpVgg Unterhaching – Bayer Leverkusen 2:0

20. Mai 2000, Sportpark Unterhaching, 34. Spieltag

In diesem Spiel wurde der Mythos "Vizekusen" geboren. Drei Punkte Vorsprung hatte Bayer Leverkusen auf den FC Bayern. Ein Unentschieden gegen den Aufsteiger aus Unterhaching hätte zur ersten Meisterschaft gereicht. Michael Ballack aber grätschte einen Ball ins eigene Tor, das 2:0 für den etwas besseren Dorfklub besorgte Markus Oberleitner, wer kennt ihn nicht? Parallel gewannen die Bayern ihr Heimspiel gegen Bremen souverän und wurden Meister, mal wieder. Christoph Daum war verschnupft, mal wieder. Leverkusen schaffte es sogar, zwei Jahre später Zweiter in der Liga, im Pokal und der Champions League zu werden. Das Vize-Triple.

Hansa Rostock – Eintracht Frankfurt 2:1

16. Mai 1992, Ostseestadion Rostock, 34. Spieltag

Alfons Berg. Dieser Name genügt, um eine ganze Stadt auf die Palme zu bringen. Alfons Berg war der Schiedsrichter im letzten Saisonspiel dieser so begnadeten Frankfurter Elf um Uwe Bein und Anthony Yeboah. 1:1 stand es, die Eintracht brauchte einen Sieg für die erste Bundesliga-Meisterschaft der Vereinsgeschichte, als Ralf Weber im Rostocker Strafraum gefoult wurde. Das sahen alle im Stadion, nur Alfons Berg nicht. Nach dem Spiel zeigte man Berg die Szene auf dem Fernseher und er sagte: "Ja, ich hätte pfeifen müssen, es war ein klarer Elfmeter, ich habe Mitleid mit der Eintracht." Das half den Frankfurtern auch nicht mehr. Das Trauma von Rostock war geboren. Stuttgart wurde Meister. Die Eintracht kam nie wieder so nahe an die Meisterschaft wie an diesem Tag.

FC Schalke 04 – Energie Cottbus 3:0

13. April 2003, Arena AufSchalke, 28. Spieltag

Nix besonderes, ein ganz normales Bundesliga-Spiel. Und gerade deswegen vielleicht für diese Sammlung so geeignet, denn Normalität, das ist doch das, was man manchmal braucht. Lange lebe die Normalität! Lang lebe: Frank Rost, Tomasz Hajto, Nico van Kerckhoven, Tomasz Wałdoch, Jörg Böhme, Sven Kmetsch, Sérgio da Silva Pinto, Gustavo Varela, Victor Agali, Emile Mpenza, André Lenz, Vragel da Silva, Gregg Berhalter, Marco Gebhardt, Moussa Latoundji, Zsolt Lőw, Laurențiu-Aurelian Reghecampf, Timo Rost, Silvio Schröter, Marko Topić und Robert Vágner.

Bayer Uerdingen – Dynamo Dresden 7:3

19. März 1986, Grotenburg in Krefeld, Europapokal der Pokalsieger, Viertelfinal-Rückspiel

Es muss ja nicht nur Bundesliga sein, auch andere Fußballwettbewerbe hatten dramatische Spiele. Das Hinspiel dieses Ost-West-Duells zum Beispiel hatte Dynamo 2:0 gewonnen. Und spätestens nach der 3:1-Halbzeitführung waren sich nicht nur die Dresdner sicher, dass an diesem Abend nicht mehr viel passieren würde. Selbst viele Uerdinger Fans hatten das Stadion schon verlassen. Dann aber kamen Wolfgang Funkel und Kollegen und machten aus der Partie jenes Spiel, das als "Wunder von der Grotenburg" in die Geschichte einging. Fünf Tore in gut 30 Minuten, Uerdingen zog ins Halbfinale ein. Ein Spiel mit Folgen übrigens: Dresdens Linksaußen Frank Lippmann nutzte die Reise zur Flucht in den Westen. Auch deshalb wurde Dresdens Trainer Klaus Sammer später von seinen Aufgaben entbunden.

England – Deutschland 1:3

29. April 1972, Wembley in London, EM-Viertelfinale

Der erste Sieg einer deutschen Nationalmannschaft in England. Vielleicht hat eine DFB-Elf nie wieder so guten Fußball gespielt. Es war vor allem das Spiel von Günter Netzer, 99 Ballaktionen, 64 erfolgreiche Pässe. Der London-Korrespondent der FAZ, Karl Heinz Bohrer, prägte zu diesem Spiel den Satz: "Netzer kam aus der Tiefe des Raumes." Die Tore im Wembleystadion machten Uli Hoeneß, Günter Netzer und Gerd Müller. Später wurde die Elf auch Europameister, zwei Jahre danach sogar Weltmeiste.