Solidarität. Darum geht es derzeit. Um die Solidarität der vielen, die die Alten und Schwachen einer Gesellschaft schützen soll. "Die Corona-Krise fordert uns heraus. Wir haben es in der Hand, ob die Solidarität nach innen und außen die Oberhand gewinnt – oder der Egoismus des 'Jeder für sich'", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier t-online. Und was macht der Fußball?

Am Sonntagabend war Hans-Joachim Watzke in einer Sondersendung der Sportschau zu Gast. Auf die Frage, ob es sinnvoll sein, dass beim BVB das Training ausfalle, sagte er: "Nein. Das kann ja nicht sinnvoll sein. Wir müssen doch alles unter der Prämisse machen, dass wir irgendwann mal wieder zur Normalität zurückkehren." Als es später darum ging, inwiefern die größeren Vereine den kleineren in einer solchen Notsituation unter die Arme greifen könnten, sich solidarisch zeigen, sagte Watzke: "Wir sind Konkurrenten und ein Wirtschaftsunternehmen. Am Ende des Tages können nicht die Clubs, die die letzten Jahre gut gearbeitet haben, diejenigen belohnen, die es nicht getan haben."

Am Ende des Tages, das ist eine Managerphrase. Sie wird gern genutzt, um eine vermeintlich unumstößliche Gewissheit zu formulieren, zeugt aber meist von einer beschränkten Weltsicht des Sprechenden. "Am Ende des Tages geht es um Finanzen", sagte der Bayernboss Karl-Heinz Rummenigge Ende vergangener Woche. Eine Äußerung, die angesichts steigender Infektionszahlen und sterbender Menschen vielerorts nur Kopfschütteln hervorrief.

Das ist die Solidarität des Profifußballs, so schien es zumindest zunächst: nicht vorhanden; nicht untereinander; erst recht nicht gegenüber dem Rest der Gesellschaft. Watzke befand nämlich auch, dass das Virus für die Athleten eher ungefährlich sei. Was wohl stimmt, seine Millionärstruppe muss sich vielleicht weniger gesundheitliche Sorgen machen als andere. Aber das ist nicht der Punkt. Die Ausbreitung des Virus soll gestoppt werden, damit es für Alte und Kranke nicht gefährlich wird.

Viele, die im deutschen Fußball etwas zu sagen haben, haben in den vergangenen Tagen keine gute Figur gemacht. Allein das unwürdige Geeiere gegen Ende der vergangenen Woche, als innerhalb weniger Stunden entschieden wurde, es werde gespielt – und dann doch nicht. Während in anderen Gesellschaftsbereichen schon längst gehandelt wurde, waren die Fußballbosse die letzten Realitätsverweigerer. Sie zeigten keinerlei Bestrebungen, in die Gesellschaft hineinzuwirken, gar voranzugehen und damit vielleicht auch Menschen zu aufgeklärtem Handeln zu bewegen, die nur der Fußball erreichen kann. Sie redeten vor allem über Geld und entlarvten sich damit selbst. So kommt das Schlechteste des Sports zum Vorschein.

Als sich am Montag nun die Vertreter der 36 Proficlubs in Frankfurt am Main trafen – in einer tatsächlichen Versammlung übrigens, nicht via Videokommunikation, wie es große und kleine Unternehmen längst tun –, ging es erst mal darum, wann man denn wieder spielen könne, und nicht, wie den kleineren Vereinen geholfen werden kann. Auch wenn der DFL-Chef Christian Seifert sagte: "Es steht mehr auf dem Spiel als ein paar Fußballspiele."