Marcus Urban ist der zweite geoutete schwule Profifußballer auf der Welt. Seine Biografie Versteckspiel (2008) handelt von Homophobie. Der Geschäftsführer des Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft ist Coach und Redner sowie führender Campaigner gegen Homophobie im Fußball.
Die Aktion der 11 Freunde finde ich großartig. "Ihr könnt auf uns zählen!" Hätten mir meine Mitspieler das vor dreißig Jahren in der Kabine gesagt, hätte mich das sehr glücklich gemacht. Damals verschwieg ich meine Homosexualität vor ihnen, im Fußball war das ein großes Tabu. "Schwuchtel" und "schwule Sau" waren übliche Schimpfwörter.
Das Versteckspiel hat mich krank gemacht, ich brach meine Karriere wegen des hohen Drucks ab. Wäre ich heterosexuell gewesen, hätte ich es vielleicht in die Bundesliga geschafft. Dass ich in einer Diktatur erwachsen wurde, der DDR, verkomplizierte die Sache. Uns schwule Fußballer verbindet viel, aber jeder hat seine eigene Geschichte.
Kann ein Fußballer heute gefahrlos offen homosexuell leben, oder queer, transsexuell, divers? Max Kruse, Niklas Stark, Christoph Kramer und Dedryck Boyata sagen: Ja, kein Problem. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt.
Tatsächlich hat sich mit der Gesellschaft auch der Fußball entwickelt. Die Weltmeisterschaft 2006 hat viel bewirkt, natürlich auch das Coming-out von Thomas Hitzlsperger. Oder, dass Spieler Stellung bezogen: So ließ sich Philipp Lahm vor mehr als einem Jahrzehnt von einem Schwulenmagazin interviewen.
Heute warnt Lahm vor einem Coming-out, wofür er kritisiert wird. Ich lese aus seiner Aussage jedoch vor allem Fürsorge heraus. Der Profifußball mit seinem Männlichkeitskult ist nun mal ein spezielles Milieu. Es herrscht ein sehr hoher Wettbewerbsdruck – innerhalb einer Mannschaft um die Plätze in der Startelf, erst recht zwischen den Vereinen. Fans gibt es auch noch, wenngleich die meisten Kurven bunter geworden sind. Ganz ausschließen, dass die sexuelle Orientierung einen angreifbar macht, kann man nicht.
Doch die Zeit schreitet voran. Vor fünf Jahren hätte ich Lahm noch zugestimmt. Heute will ich hoffen, dass seine Warnungen nicht mehr nötig sind. Wir müssen einen Weg der Ermutigung finden. Naivität hilft allerdings nicht, und so fände ich es sicherer, wenn sich statt eines einzelnen gleich eine Gruppe von Fußballern in einer konzertierten Aktion outet. Noch besser: gemeinsam mit anderen Sportlerinnen und Sportlern. Das gäbe allen Sicherheit.
Die Aktion der 11 Freunde trägt dazu bei, dass bald alle Fußballer selbstbestimmt leben können. So herzlich sie auch ist, so ehrlich muss man sein: Auch sieben Jahre nach Hitzlsperger steht das erste Coming-out eines schwulen aktiven Bundesliga-Profis aus.
Marcus Urban ist der zweite geoutete schwule Profifußballer auf der Welt. Seine Biografie Versteckspiel (2008) handelt von Homophobie. Der Geschäftsführer des Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft ist Coach und Redner sowie führender Campaigner gegen Homophobie im Fußball.
Die Aktion der 11 Freunde finde ich großartig. "Ihr könnt auf uns zählen!" Hätten mir meine Mitspieler das vor dreißig Jahren in der Kabine gesagt, hätte mich das sehr glücklich gemacht. Damals verschwieg ich meine Homosexualität vor ihnen, im Fußball war das ein großes Tabu. "Schwuchtel" und "schwule Sau" waren übliche Schimpfwörter.