Der freie Journalist Michael Bonvalot recherchierte die Geschäftsbeziehungen des österreichischen Eintracht-Frankfurt-Verteidigers Martin Hinteregger mit Heinrich Sickl, einem FPÖ-Politiker. Beide waren Teil der Hinti Event GmbH, die in Österreich den Hinti-Cup organisieren wollte. Hinteregger und Eintracht Frankfurt haben mittlerweile Stellung genommen. Während die Eintracht sich klar distanziert, wird das Statement des Spielers weiter diskutiert.

ZEIT ONLINE: Herr Bonvalot, Ihre Recherche stieß auf so viel Interesse, dass sie am Donnerstag über längere Zeit online gar nicht zu lesen war. Warum?

Michael Bonvalot: Die Seite ist unter der Last der Zugriffe zusammengebrochen. Ich habe gestern zweieinhalb Stunden mit meinem Internethost am Telefon gehangen und wir haben es nicht geschafft, die Seite zum Laufen zu bringen, weil es Hunderttausende Zugriffe gab. Mittlerweile dürfte die Last aber so verteilt sein, dass die Seite wieder halbwegs stabil läuft.

ZEIT ONLINE: Waren Sie überrascht davon?

Bonvalot: Ich bin davon ausgegangen, dass die Geschichte groß ist und die Medien in Hessen sie ebenso aufnehmen werden wie die Medien in Österreich. Ich recherchiere in Österreich schon recht lange zum Thema Rechtsextremismus. In der Vergangenheit gab es auch Hackerangriffe auf die Seite. Aber dass sie ​​wegen zu hoher Nachfrage in die Knie geht, hat mich überrascht.

ZEIT ONLINE: Wie war die Resonanz auf die Recherche?

Bonvalot: Der überwiegende Teil aller Nachrichten, die ich bekommen habe, waren positiv bis sehr positiv. Auch sehr viele Fans der Eintracht haben nette Nachrichten geschickt. Aber es gab auch böse. Meistens es ist ja so: Wer den Artikel gut findet, retweetet oder likt ihn einfach. Wer sich verärgert fühlt, schreibt dann meist ewig lange Positionierungen. Bin ich aber gewohnt. Nach einem Corona-Aufmarsch in Wien habe ich auf Facebook mal tausend Beschimpfungen gegen mich innerhalb von zwei, drei Stunden gezählt. Für mich gehört das dazu. Schwierig wird es bei Morddrohungen. Da gab es in einem Fall bereits eine strafrechtliche Verurteilung gegen eine Person. Vielleicht klingt es etwas zynisch, aber ich habe wirklich nicht mehr die Zeit, mich um die ganzen Morddrohungen zu kümmern und alle strafrechtlich verfolgen zu lassen. Da käme ich zu nichts anderem mehr.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie auf die Verbindung zwischen Hinteregger und Sickl aufmerksam geworden?

Bonvalot: Durch eine Person aus Frankfurt, die sich die Seite des Hinti-Cups angeschaut hat und möglicherweise auch selbst hinfahren wollte. Die Person ist dann stutzig geworden und hat sich an mich gewandt. Ich habe mir das angeschaut und sofort das Schloss Albeck und Herrn Sickl als Ansprechpartner für Medien gesehen. Heinrich Sickl ist ja seit Jahren wohlbekannt. Dann hat mich die Hinti Event GmbH interessiert. Ich wollte wissen, wer dahintersteckt, habe mir einen Auszug des Firmenbuchs besorgt und gesehen, dass die GmbH von Hinteregger, Sickl und einer dritten Person gegründet wurde.

ZEIT ONLINE: Die Verbindung zwischen Hinteregger und Sickl war bis dahin noch unbekannt?

Bonvalot: Es gab sogar schon, wie ich während meiner Recherchen herausgefunden habe, vor einigen Wochen in den Lokalmedien ein gemeinsames Bild der beiden. Aber in diesen Medien ist man sich dieses Problems nicht so bewusst, um es mal vorsichtig zu formulieren. Da freute man sich, dass der Cup in der Region stattfindet. Bei den Frankfurt-Fans wiederum, der Zielgruppe des Cups, wusste niemand so recht, wer Heinrich Sickl war. Ich habe meine Aufgabe so verstanden, diese beiden Fäden zu verknüpfen.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie die Reaktion Hintereggers?

Bonvalot: Sein Instagram-Posting ist total widersprüchlich. Und sehr, sehr dünn. Er schreibt ja, es sei unglaublich, dass ein Unbekannter solche Dinge über ihn behaupten kann. Aber die Frage, ob ich ihm als Person bekannt oder unbekannt bin, hat ja überhaupt nichts mit der Recherche zu tun. Es scheint mir auch lebensfremd zu sein, was er behauptet.

ZEIT ONLINE: Warum?

Bonvalot: Wir haben da einen Ort, in dem nicht einmal 300 Personen leben. Die Schlossbesitzerin Elisabeth Sickl, also die Besitzerin des vermutlich wichtigsten Gebäudes der Region, ist eine ehemalige Bundesministerin für die FPÖ. Dass das jemand, der aus dem Ort kommt, nicht weiß, erscheint mir nicht sehr glaubwürdig. Ihr Sohn Heinrich ist Gemeinderat in Graz, das ist die zweitgrößte Stadt in Österreich. Wieso baut man eine gemeinsame GmbH auf und vergisst seinen Geschäftspartner zu fragen: Du, was machst du eigentlich beruflich? Er schreibt ja auch, dass beide Familien in dem Ort verwurzelt sind, sie kennen sich also lange und gut, wissen aber nicht, was sie beruflich machen? Kann ich mir alles nur schwer vorstellen.

ZEIT ONLINE: Er schrieb auch: "Ich… weise Anschuldigungen, dass ich rechts orientiert bin klar ab."

Bonvalot: Was ich nie behauptet habe. Ich habe Hinteregger ja auch vorab um ein Statement gebeten. Er hätte die Möglichkeit gehabt, seine Position darzustellen. Hat er aber nicht.