32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Argentinien.

Wahrscheinlich haben Sie und ich den Abend des 13. Juli 2014 vor dem Fernseher verbracht und vermutlich haben wir beide gegen kurz vor 23 Uhr angefangen zu weinen. Nur: Bei mir waren es keine Freudentränen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft besiegte damals Argentinien im WM-Finale durch ein Tor in der 113. Minute von Mario Götze. Zur Strafe darf Götze dieses Jahr nicht an der WM teilnehmen. Das sagt natürlich niemand offiziell, aber der Zusammenhang liegt ja auf der Hand.

Beim Spiel der Argentinier geht es vor allem um einen Mann, den man auch als Laie auf dem Bildschirm gut daran erkennen kann, dass sich regelmäßig eine gegnerische Spielertraube um ihn bildet. Das Testspiel gegen Haiti Ende Mai endete 4:0. Drei der vier Tore schoss Lionel Messi. Ein anderes Testspiel gegen Spanien war wenige Wochen zuvor 1:6 ausgegangen. Da konnte Messi nicht mitspielen, wegen einer Oberschenkelverletzung.

Apropos nicht mitspielen: Auf den bewährten Torwart Sergio Romero muss die Nationalmannschaft in Russland verzichten. Que bajón. Dabei sind dafür immerhin Ángel di María, Javier Mascherano und Sergio Agüero – und ich sage "immerhin", weil es für den an Ligafußball wenig interessierten Fan, der sich nur bei internationalen Wettbewerben dazuschaltet, immer eine große Freude ist, die Namen der Spieler nicht mühsam vom Rücken ablesen zu müssen, sondern bekannte Gesichter wiederzusehen.

In einem Interview sagte Lionel Messi unlängst: "Wir sollten nicht rumlaufen und behaupten, dass wir Weltmeister werden, weil wir die Besten sind, denn das ist nicht die Realität." Als Favoriten bei der WM sehe er eher Deutschland, Brasilien oder Spanien. Wahrscheinlich hat er das nicht so gemeint.

Lionel Messi hat bei der WM 2006 ein Tor und bei der WM 2014 vier Tore geschossen. Macht zusammen fünf. Wenn man diese Zahl mit der Anzahl der Weltmeisterschaften multipliziert, bei denen Lionel Messi Tore geschossen hat, kommt man auf zehn. Wissen Sie, was das heißt? 10? Maradona? Hand Gottes? Ich denke, die Zeichen stehen auf WM-Sieg.

Um sicherzugehen habe ich zusätzlich das Panini-Orakel befragt. Zu diesem Zweck kaufe ich mir vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft eine einzige Tüte Panini-Bilder, und wenn ein Spieler der Albiceleste drin ist, gewinnt Argentinien die WM. Ist bisher noch nie passiert. Dieses Mal auch nicht. Stattdessen hab ich Mario Götze gezogen. Das ist kein Fingerzeig, sondern eine Highfive von ganz oben.

Warum wird Argentinien Weltmeister?

Wegen Lionel Messi.

Warum nicht?

Weil die Welt schlecht und ungerecht ist.

Wer ist der geheime Star des Teams?

Gott – nicht nur seine Hand.