Leverkusen - Am Ende gab’s doch noch Pfiffe. Als sich nach Spielschluss nur drei deutsche Nationalspieler, Philipp Lahm, René Adler und Arne Friedrich, für die Unterstützung bei den Fans bedankten, wurde das Leverkusener Publikum ein bisschen böse. Zuvor hatten die Zuschauer eine glanzlose Leistung der deutschen Mannschaft ohne Murren erduldet. Man hatte die Nationalelf ja schließlich schon schwächer gesehen in den vergangenen Monaten.

Einem Spieler war im nicht ganz ausverkauften Stadion überhaupt nicht nach einer Feier mit den Fans zumute, obwohl er sie verdient gehabt hätte: Mesut Özil, bei seinem Debüt in der Startelf bester Mann auf dem Platz, sagte: "Ich versuche, den ganzen Trubel jetzt zu vermeiden. Ich will nur meine Leistung bringen."

Nach den einfallslosen Vorstellungen gegen China (1:1) und Aserbajdschan (2:0) hatte Joachim Löw das Südafrika-Spiel zum groß angelegten "Experiment" erklärt. Und wichtigstes Teil des Experimentierkastens des Bundestrainers war Özil. Löw weiß, durch sein geschicktes Passspiel kann Özil einer Mannschaft zu mehr Sicherheit verhelfen. Özil beherrscht es, schwierige Spielsituationen mit klugen Ideen aufzulösen. Seine Technik, die ohne dreifachen Übersteiger auskommt, sollte die Überraschung zurückbringen ins deutsche Spiel. "Mesut hat die Erwartungen voll erfüllt", sagte Löw nach dem Spiel über den Torschützen zum 2:0-Endstand.

Die starke Leistung des Bremers konnte aber nicht verdecken, dass das Testspiel gegen Südafrika in manchen Phasen an die Aserbajdschan-Begegnung erinnerte. So blieben schnell vorgetragene Angriffe über Außen eine Seltenheit. Dabei sind diese eigentlich ein Markenzeichen des Systems mit nur einem Stoßstürmer, das Löw in Leverkusen ausprobieren ließ.

Marko Marin und Bastian Schweinsteiger, beide neben Özil postiert, empfahlen sich nicht für die umkämpften Mittelfeldplätze vor den entscheidenden WM-Qualifikationsspielen. "Ganz ordentlich", fand Schweinsteiger das Testspiel trotzdem. Am liebsten wollte er aber schon über den 10. Oktober sprechen. An diesem Tag spielt Deutschland in Russland wohl um den direkten Qualifikationsplatz. "Da werden wir uns noch mal steigern."