Die heutige Partie zwischen Benfica Lissabon und Bate Borisow wird eine besondere für Knut Kircher werden. Als einziger deutscher Unparteiischer ist er am Experiment "Torrichter" beteiligt, das mit dem Auftakt der Gruppenphase der Europa League beginnt. Neben dem Vierten Offiziellen und den zwei Assistenten an der Seitenlinie wird Kircher zusätzlich von Peter Sippel und Markus Schmidt unterstützt. Ihre Aufgabe: Sie sollen dem Schiedsrichter nicht nur bei der Frage Tor oder nicht Tor assistieren, sondern auch bei allen strittigen Szenen im Strafraum und Umgebung.

Die zusätzlichen Assistenten werden auf der gegenüberliegenden Seite des Linienrichters direkt neben dem Tor platziert sein, das heißt auf der linken Seite vom Mittelkreis aus gesehen, heißt es in einer Erklärung der Uefa. "Generell bleiben sie hinter der Torlinie, aber sie können auch den Strafraum betreten, wenn sich das Spiel auf die andere Seite verlagert, um das Geschehen besser im Blick zu haben." Via Funk wird der Schiedsrichter über alle Vorgänge informiert, die er eventuell nicht gesehen hat. Er bleibt jedoch weiterhin der Alleinverantwortliche und die einzige Person mit Entscheidungsgewalt.

Bereits 2008 hatte die Fifa bei einigen Qualifikationsturnieren zur U19-Europameisterschaft den Einsatz von Torrichtern getestet. Im Juni entschied der Verband, das Experiment auf professioneller Ebene fortzuführen. Zu allen 144 Spielen der Gruppenphase werden jeweils sechs Schiedsrichter anreisen – aus Gründen der Verständigung alle aus einem Land.

Beobachtet und analysiert wird der Testlauf von technischen Experten des für Regelfragen zuständigen International Football Association Board (IFAB). Sie sollen den Einfluss der beiden zusätzlichen Assistenten auf das Spiel bewerten und klären, ob dem Schiedsrichter durch die zusätzlichen Helfer hinter der Torauslinie geholfen wird. Vom Urteil der Experten hängt es ab, ob die Torrichter auch im Jahr 2010 eingesetzt werden.