ZEIT ONLINE: Herr Vöpel, Sie sagen, Geld schießt Tore. Haben denn die deutschen Teilnehmer in der Champions League überhaupt eine Chance?

Henning Vöpel: Alle drei deutschen Vereine haben sich gut verstärkt, doch weiter als das Viertelfinale werden sie kaum kommen. Mit den europäischen Spitzenklubs kann die Bundesliga derzeit nicht mithalten.
 
ZEIT ONLINE: Ab 2012 will die Uefa Chancengleichheit zwischen den Vereinen schaffen. Wird das mit dem Konzept für finanzielles Fair Play gelingen?
 
Vöpel: Im besten Fall bleiben die neuen Regelungen wirkungslos. Es gab auch in den vergangenen Jahren unterschiedliche Sieger in der Champions League. Unentdeckte junge Talente, gutes Scouting, die natürliche Fluktuation älterer Spieler, Verletzungen und der Faktor Zufall können Wettbewerbsnachteile aufwiegen und bieten einen natürlichen Ausgleichsmechanismus. Siege sind nicht planbar.
 
ZEIT ONLINE: Trotzdem ist es doch ein lobenswertes Unterfangen, Millionentransfers und Schuldenbergen Einhalt zu gebieten.
 
Vöpel: Die neuen Regelungen lassen sich zu leicht umgehen. Mäzene können mit ihren Unternehmen zu Sponsoren werden – wer soll das überprüfen? Wettbewerbsgleichheit lässt sich damit nicht sicherstellen.
 
ZEIT ONLINE: Wie könnten geeignete Maßnahmen aussehen?
 
Vöpel: Die nationalen Ligen sind zu unterschiedlich reguliert. Das deutsche Modell will Zentralvermarktung und finanzielle Umverteilung zwischen den Vereinen. Das führt zur sportlichen Ausgeglichenheit in der Bundesliga, verwehrt den deutschen Spitzenklubs aber das europäische Top-Niveau. Die Frage ist: Was ist uns wichtiger? Selbst Uli Hoeneß ist sich nicht sicher: National hätte er gerne mehr Wettbewerb, international gerne mehr Regulierung. Aber eine europäische Harmonisierung ist in naher Zukunft nicht zu erwarten.
 
ZEIT ONLINE:
Deshalb wohl forderte Bayern-Boss Karl-HeinzRummenigge 2006 vor Uefa und EU-Kommission die Einführung einer Gehaltsobergrenze für Vereine um "den Abramowitschs dieser Welt Einhalt zu gebieten".
 
Vöpel: Gehaltsobergrenzen, sogenannte Salary Caps, wie sie im nordamerikanischen Profisport Standart sind, machen nur in geschlossenen Ligen Sinn. Hier lässt sich Regulierung leichter durchsetzen und harmonisieren. Nicht aber in Ligen, die untereinander konkurrieren. Vielleicht wird es solch eine geschlossene Liga auch im europäischen Profifußball einmal geben.
 
ZEIT ONLINE: Das wäre das Aus für viele traditionsreiche Derbys.
 
Vöpel: Ja, aber regionale Identifikation spielt eine immer kleinere Rolle. Vereine wie Barcelona oder Liverpool haben weltweit Fans und sind – so unromantisch das klingen mag – auf Derbys kaum noch angewiesen.