Der VfB Stuttgart hat seinen Torwart Jens Lehmann aus dem Kader für das DFB-Pokalspiel am Mittwoch beim VfB Lübeck geworfen. Der Tormann hatte am Samstagabend nach der 0:2-Niederlage des VfB gegen den 1. FC Köln das Oktoberfest besucht. "Das fand im Rahmen einer Charity-Veranstaltung statt und war schon länger geplant. Es war allerdings nicht mit dem Verein abgesprochen", sagte Lehmann. Die Suspendierung "akzeptiere ich natürlich", fügte er hinzu. Lehmann, der am Starnberger See lebt, wurde in landesüblicher Garderobe mit dem Skispringer Sven Hannawald und der Moderatorin Verona Pooth fotografiert.

Fußballprofis gelten aufgrund ihres Status und ihres Einkommens als privilegiert. Doch im 21. Jahrhundert ist ihr Privatleben eingeschränkt. Gerade in sportlich schwierigen Zeiten reagiert die Öffentlichkeit sensibel auf Ausflüge ins Partyleben, und seien sie noch so harmlos. Besonders aber die Vereine sehen es nicht gerne.

So wertet der VfB Lehmanns Verhalten in der aktuellen Situation als falsches Signal. Die Unruhe in Stuttgart ist nach dem Absturz auf Platz 15 und nach sechs sieglosen Spielen in Folge groß. Lehmann hatte außerdem die Niederlage gegen Köln durch seinen Fehler vor dem Tor zum 0:2 verschuldet, weil er seinen Strafrum ohne Not verließ. Bereits unmittelbar nach dem Spiel hatte Trainer Markus Babbel angekündigt, bei seinen Spielern "jetzt ganz genau hinzuschauen und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen". Lehmann hörte wohl nicht so genau hin.


Ob Lehmann nur für dieses eine Spiel aus dem Kader gestrichen wird, steht noch nicht fest. Babbel sagt: "Am Donnerstag werden Manager Horst Heldt und ich mit Jens über diese Sache sprechen. Danach sehen wir weiter." Weitere Aussagen machte der Verein zu diesem Fall nicht. In Lübeck wird wahrscheinlich Sven Ulreich im VfB-Tor stehen.

Lehmann, den man in England "Mad Jens" rief, gilt trotz seiner 39 Jahre als schwieriger Fall. Im August ermittelte der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes gegen ihn und den Dortmunder Neven Subotic wegen Rempeleien auf dem Spielfeld. Das Verfahren wurde eingestellt. Im Februar riss er seinem Mitspieler Khalid Boulahrouz während eines Spiels das Stirnband vom Kopf.