Gregor Derichs (Hamburger Abendblatt) feiert die Fußballerinnen nach dem 6:2 im Finale gegen England: "Die Nationalmannschaft der Frauen steigerte ihren Fußballruhm wieder um ein großes Stück, und Birgit Prinz wurde nach fünf eher durchschnittlichen Turnierspielen zur Mutter des Erfolges. Das Finale wurde zu einer Demonstration der Leistungsstärke und Überlegenheit der deutschen Frauen. Zum fünften Mal hintereinander holte der Doppel-Weltmeister den EM-Titel, im zehnten Turnier seit 1984 gewann die DFB-Auswahl zum siebten Mal. Die Stimmung im Olympiastadion von 1952 war endlich einmal einer EM entsprechend. 15.877 Zuschauer sollten eine Klassepartie erleben, die eines Finales würdig war. Es war mit Abstand das beste Match des Turniers."

Daniel Meuren (FAZ) führt den anhaltenden Erfolg des deutschen Frauenfußballs auf eine umsichtige, weil einseitige Geschlechterpolitik des DFB zurück: "Wie bei der Nationalmannschaft sind auch im Nachwuchsbereich fast alle Schlüsselpositionen schon lange in der Hand von Frauen. Der DFB zeigt sich hier ganz gegen seinen Ruf als konservativer Sportverband als erstaunlich emanzipiert. Er handelt dazu auch klug. Es kann nämlich kein Zufall mehr sein, dass alle sieben großen Turniere wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften seit 2000 von Teams mit Trainerinnen gewonnen wurden, obwohl im Weltfrauenfußball noch immer die männlichen Übungsleiter deutlich in der Überzahl sind. Es spricht vieles dafür, dass Frauen den besseren Ton in der Betreuung der Teams finden als ihre hier und da diktatorisch auftretenden männlichen Kollegen."

 Mit Klose bekam das träge Angriffsspiel eine bewegliche Spitze

Nach dem 4:0-Sieg (der Männer) gegen Aserbajdschan befördert Jan Christian Müller (FR) Ballack zum Vize-Löw: "In England hat sich Ballack ein extrem hohes Anspruchsdenken angeeignet. Und wenn seine Mitspieler in der Nationalmannschaft die Räume schlechter zulaufen, als das seine Kollegen beim FC Chelsea tun, fällt Ballack das auf. Ballack ist weit und breit der einzige, einsame Platzhirsch in einem Team mit eher auf Ausgleich bedachten Typen. Es dürften kaum Zweifel herrschen, dass Ballack mit seiner ausgeprägten Spielertrainer-Mentalität zudem Einfluss auf die Taktik und das Personal nimmt. Solange er selbst so gut spielt wie über weite Strecken gegen Aserbajdschan, wird der im Umgang sonst sehr freundliche Ballack seinen herrischen Ton auch auf dem Feld durchsetzen können, ohne dass ihm die Gefolgschaft gekündigt wird. Zumal er in der Sache in der Regel Recht hat. Aber das Gebilde erscheint fragil. Ein Kapitän kann auch zu stark sein."

Carlos Ubina erinnert sich in der Stuttgarter Zeitung an Miroslav Kloses Wankelmütigkeit: "Er kann es also doch. Was sich statistisch dadurch belegen lässt, dass Klose mit seinen 47 Länderspieltreffern in der ewigen DFB-Torschützenliste mit den Drittplatzierten Rudi Völler und Jürgen Klinsmann gleichgezogen ist, die über fast jeden sportlichen Zweifel erhaben sind. Es ist nur so, dass Klose sich bereits so häufig in einer Krise hat erwischen lassen, dass man dazwischen vergisst, wie gut er eigentlich ist. Wie dynamisch er sich von Gegnern löst, wie elegant er sich um Verteidiger dreht – und wie eiskalt er abschließt. Wesentlicher erscheint jedoch, dass Klose stellvertretend für ein Kernproblem der Mannschaft steht. Sie kann ebenfalls viel: schnell kombinieren, beherzt verteidigen, leidenschaftlich kämpfen. Die DFB-Elf tut es allerdings nur selten auf einmal."

 

Christian Gödecke (Spiegel Online) legt sich fast fest: "Muss Deutschland weiter Angst vor dem WM-Qualifikations-Showdown in Russland haben? Die Antwort ist eindeutig Jein. 25 Minuten wie die bis zur Pause könnten in Moskau den Traum von der WM-Qualifikation schnell beenden. Der Rest hingegen machte durchaus Mut. Da beeindruckte der eingewechselte Andreas Beck als Rechtsverteidiger, der immer wieder unbekümmert an die gegnerische Grundlinie zog und das 3:0 von Klose vorbereitete. Mit ebenjenem Klose hatte das träge deutsche Angriffsspiel plötzlich eine bewegliche Spitze und mit ihr Torchancen, die nicht nur Weitschüsse waren – sondern herausgespielt. Und ja: Alle rannten auch wieder mehr."