Obafemi Martins hatte richtig gute Laune, als er mit seinem Kulturbeutel unterm Arm und einem Lächeln im Gesicht zum Dienst erschien. Sein erstes Heimspiel für den VfL Wolfsburg vor knapp zwei Monaten war eine Pressekonferenz, im Doppelpass mit einem Dolmetscher. Der Nigerianer, für rund 10,5 Millionen Euro von Newcastle United gekauft, sollte also gleich erklären, wie er sich in Deutschland zurechtfindet.

"Je mehr ich trainiere, desto besser kann ich mich integrieren", sagte der 24-Jährige in simplen englischen Sätzen. Ja und abseits des Platzes? "Das ist nicht einfach. Ich bin zum allerersten Mal in Deutschland." Die Fans und sein Arbeitgeber wollen in erster Linie Tore von Martins sehen – gekrönt mit dem berühmten Flickflack. Darüber hinaus fragt selten jemand nach, wie sich wohl ein junger, lebenslustiger Nigerianer, der keine Silbe Deutsch spricht, im Niedersächsischen zurechtfindet.

Europas Fußball-Elite misst sich seit gestern wieder in der Champions League. Dass die besten deutschen Vereine eine wichtige Rolle spielen, liegt auch daran, dass mittlerweile mehr als die Hälfte aller Erstligaprofis aus dem Ausland stammt. Beim Meister VfL Wolfsburg beteiligt sich Stürmer Martins seit Mitte August an einer interessanten Mixtur aus Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und sogar Japanisch. "Die Sprache des Fußballs ist ganz einfach", versichert VfL-Kapitän Josué. Der Brasilianer meint aber das Miteinander auf dem Platz.

Abseits des Rasens bleibt vieles dem Zufall überlassen. Integration von Profis – darunter verstehen viele Vereine: Hier ist dein Dienstwagen, da die schöne Wohnung, bei Behördengängen und Sprachkursen helfen wir bei Bedarf. Die Mehrheit der Verantwortlichen setzt darauf, dass sich hoch bezahlte Kicker professionell verhalten und mit Hilfe von Kollegen, Familie sowie Spielerberatern im wirklichen Leben alleine zurechtfinden.

Vielleicht löst Borussia Mönchengladbach am pfiffigsten die Integration in der Ersten Liga. Jörg Stiel, der schon in Mönchengladbach, Mexiko und der Schweiz Profi war, arbeitet als Teilzeitübersetzer für die Borussia. Offiziell heißt er Integrationsbeauftragter. "Wir lachen uns über diesen Titel immer kaputt. Aber er klingt gut", sagt Stiel, der vor allem dem Venezolaner Juan Arango und dem Argentinier Raúl Marcelo Bobadillo zur Seite steht. "Ich habe mein Spanisch nur auf der Straße gelernt. Aber das verstehen die Jungs", versichert der frühere Schweizer Nationaltorhüter.