"Ich kenne keinen Investor, der einen Klub an die Wand gefahren hat, dafür aber einige Vereinsobere", sagte einst Ilja Kaenzig, der frühere Manager von Hannover 96. Recht mag er damals, vor der Finanzkrise, gehabt haben.

Björgolfur Gudmundsson war Investor. Als die isländische Landsbanki 2008 notverstaatlicht wurde, verlor der damals zweitreichste Isländer und Besitzer von West Ham United viel Geld – und West Ham gleich mit. Gudmundsson beendete sein Engagement beim ehemaligen Europacupsieger. Heute drücken den Klub Schulden und Verbindlichkeiten von mehr als 110 Millionen Euro. Keine Ausnahme in England.

50 plus 1 ist der Deich, der den deutschen Fußball vor der Kommerzialisierung schützt. Halten Investoren erst einmal die Fäden in der Hand, ist kein Verein davor gefeit, dass die neuen Bosse mit Meisterschalen und Champions-League-Pokalen in den Augen ruinöse Geschäfte eingehen. Hinzu kommt: Den ersten Investor kann sich ein Verein noch selbst aussuchen, den zweiten nicht.

Der englische, spanische und italienische Klubfußball hat sich die Erfolge in internationalen Wettbewerben teuer erkauft. Die Schulden summieren sich auf Milliarden. Um dem finanziellen Wettrüsten der Top-Klubs ein Ende zu setzen, hat das Uefa-Exekutivkomitee im September beschlossen, ein kontinentales Kontrollverfahren einzuführen. Von der Saison 2012/13 an müssen die Klubs belegen, dass Investitionen in Spieler, Transfersummen und Gehälter, refinanziert werden können, zum Beispiel durch Sponsoring-Einnahmen, Trikotverkäufe und Sachwerte wie Stadion oder Vereinsgelände. Die Millionen der Reichen wie Chelseas Roman Abramowitsch werden nicht einberechnet. Warum versucht Martin Kind, die Bundesliga gerade jetzt zum Gegensteuern zu bewegen?

Fan-Protest

Wer argumentiert, 50 plus 1 müsse wegen der bestehenden Ausnahmen für den VfL Wolfsburg (hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG) und Bayer 04 Leverkusen (hundertprozentige Tochter der Bayer AG) abgeschafft werden und das freie Spiel der Marktkräfte einfordert, der stellt auch das Lizenzierungsverfahren infrage. Doch die Auflagen zum sinnvollen Haushalten haben schon so manche Pleite in der Liga verhindert.

Kippt die 50-plus-1-Regel, entfremdet sich der Bundesligafußball weiter vom Fan. Die Öffentlichkeit, die Kommunen, die Länder und der Bund haben den Bau der modernen Arenen finanziell unterstützt und möglich gemacht, sie verpachten Trainingsgelände zu Freundschaftspreisen und helfen, wie im Falle des 1. FC Kaiserslautern, wenn die Existenz eines ruhmreichen Klubs bedroht ist. Fußball ist ein Kulturgut, Fußball gehört allen, verteidigen die Politiker ihre Subventionen. Es wäre ein Affront, dankten es ihnen die Funktionäre, indem sie nach den Namen der Stadien, gleich den ganzen Verein an die Wirtschaft veräußern.