Hertha BSC ist verärgert. Der Berliner Verein hat seinem ehemaligen Trainer Lucien Favre am Montagabend fristlos gekündigt. Einzelheiten nannte der Berliner Fußball-Bundesligist nicht, "da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt", so der Hertha-Pressechef Gerd Graus.

Favre war nach sechs Niederlagen in Folge am 28. September zunächst beurlaubt worden. Anfang Oktober hatte er bei einer privaten Pressekonferenz diplomatisch mit Hertha abgerechnet. Der Hauptstadtklub sieht darin offensichtlich die Interessen des Vereins verletzt und somit einen Kündigungsgrund, da Favre zu dem Zeitpunkt noch Hertha-Angestellter war.

Favre hatte auf der Pressekonferenz am 6. Oktober im Berliner Hotel Adlon zwar eigene Fehler eingeräumt, aber auch versteckte Vorwürfe gegen die Chefetage von Hertha erhoben. So hatte der Schweizer unter anderem geäußert: "Hertha hat die Trennung von Dieter Hoeneß nicht verkraftet. Dieser Umstand hat meine Arbeit erschwert."

Am Montag hatten sich die Berater von Favre in Berlin mit Hertha-Verantwortlichen getroffen. Hertha hatte die Favre-Aussagen von einem Arbeitsrechtler prüfen lassen, um ein möglicherweise vereinsschädigendes Verhalten festzustellen. Favre soll aus seinem bis Sommer 2011 laufenden Vertrag eigentlich noch Ansprüche auf rund 1,2 Millionen Euro gehabt haben. Die Hertha-Verantwortlichen hatten die Abfindungs-Forderungen des Schweizers als deutlich zu hoch empfunden.