ZEIT ONLINE: Hat sich Deisler damals tatsächlich nicht von der Mannschaft verabschiedet?

Lahm: Nein, als er das Gelände verließ, waren wir gerade im Training.

ZEIT ONLINE: Gab es rückblickend einen Zeitpunkt, von dem Sie heute sagen würden, da hätte man den "Basti" besser unterstützen können?

Lahm: Depressionen sind eine Krankheit, und ich bin kein Arzt, kann das also nicht beurteilen. Ich glaube, es gibt keinen Schuldigen.

Ich führe ein sehr glückliches Leben.

ZEIT ONLINE: Liegt sein Buch auf Ihrem Nachttisch?

Lahm: Nein, aber vielleicht werde ich es mir besorgen. Es interessiert mich, was er zu berichten hat. Gesehen habe ich ihn im Fernsehen. Ich war geschockt, dachte, die Auszeit hätte ihm gut getan. Doch Sebastian wirkt noch immer unsicher und labil.

ZEIT ONLINE: Wie schaffen Sie es, dem Druck standzuhalten?

Lahm: Viel kommt auf das Privatleben an, da muss man mal abschalten können, da müssen andere Regeln gelten. Sebastian fühlte sich nur auf dem Fußballfeld wohl.

ZEIT ONLINE: Und Sie?

Lahm: Ich führe insgesamt ein sehr glückliches Leben.

ZEIT ONLINE: Als bekannt wurde, dass Joachim Löw über die Berufung von Thomas Müller, 20, in die Nationalmannschaft nachdenkt, warnte Uli Hoeneß. Verstehen Sie seine Pädagogik?

Lahm: Uli Hoeneß ist erfahren und weiß, was er tut. Ich kann aber auch den Bundestrainer verstehen. Er möchte junge Spieler einsetzen und an die Nationalmannschaft heranführen. Ich selbst war auch bereits mit 20 Nationalspieler. Es hat mir nicht geschadet.

Die Fragen stellten Oliver Fritsch und Tobias Reitz.