Markus Lotter (Berliner Zeitung) macht nach dem Ausscheiden in Osnabrück ein Häkchen hinter das zweite Jahr des Dortmunder Trainers: "Der Menschenfänger Jürgen Klopp hat Sympathiewerte, die seine Bilanz als sportliche Fachkraft schon immer ein wenig verschleiert haben. Klopp ist unter den Bundesligatrainern die große Ausnahme, weil seine Popularität weniger an seinen Erfolg, vielmehr an seine Art gekoppelt ist: bekloppt, beliebt, begehrt. Jürgen Klopp hat die Borussia in Bewegung gesetzt, das steht außer Frage, und doch verliert er mit den Dortmundern von Zeit zu Zeit Spiele, deren Ausgang auf die Entwicklung einer Mannschaft und das Wachstum des Klubs entscheidenden Einfluss ausüben. Es sind die Spiele, die Schlüsselspiele genannt werden. Klopp könne einen kleinen Verein etwas größer machen, ob er einen ehemals Großen wieder groß machen könne, bleibe ungewiss: "Diese Saison kann für Borussia Dortmund schon jetzt als eine verlorene gewertet werden."

Anti-Flow

Die SZ leitet die Betrachtung der Stuttgarter Lage mit Worten eines Trainers ein, der nun sogar noch vor Markus Babbel entlassen worden ist: "Peter Neururer hat einmal vom 'Flow' gesprochen, den es im Fußball gibt. Damit hat er die wunderbaren Wochen beschrieben, in denen alles läuft. Wechselt der Trainer einen Spieler ein, erzielt der kurz vor Schluss den Siegtreffer. Abgefälschte Bälle fliegen auf wundersame Weise ins gegnerische Tor. Was auch immer passiert, alles wird gut. Das Gegenteil dieses 'Flows' haben schon viele Mannschaften erlebt, und seit einigen Wochen steckt der VfB Stuttgart im 'Anti-Flow', im Anti-Lauf."

Gut verschweißte Einheit

Christoph Biermann (Spiegel Online) erkennt in den Bremern wieder eine Topmannschaft: "Auch der letzte Zweifler wird inzwischen anerkennen müssen, dass der SV Werder als Spitzenteam zurück ist. Thomas Schaaf ist nun schon in seiner zwölften Saison Trainer, und Exegeten streiten darüber, das wievielte Team er in dieser Zeit zusammengebastelt hat. Keinen Zweifel gibt es aber daran, dass dieses ein Neues ist, denn Werder befindet sich in Jahr 1 n.D. (nach Diego), so wie es auch mal 1 Jahr eins n.M. (nach Micoud) gegeben hat – oder vielleicht sogar das n.A. (nach Ailton). Inzwischen ist das Team kein Begleitensemble eines Stars mehr, sondern eine gut verschweißte Einheit."

Unerschütterlich

Stefan Osterhaus (Neue Zürcher Zeitung) lenkt die Aufmerksamkeit auf Ähnlichkeiten der Bundesliga-Aufsteiger: Sie setzen alle drei auf Bundesliga-Neulinge als Trainer. Dabei hat Nürnberg am vergangenen Spieltag deutlich verloren, doch "weil Michael Oenning auf eine Weise unerschütterlich wirkt, die allenfalls Routiniers zugetraut wird, wagte auch nach dem 0:3 in Hoffenheim niemand, den Trainer zu kritisieren. Als sakrosankt gelten bis heute alle Aufstiegstrainer. Dutt (Freiburg) und Tuchel (Mainz) teilen eine Gemeinsamkeit: Beide folgten auf einen mächtigen Vorgänger. Dutt steht in der Erbfolge des Freiburger Monumentes Volker Finke, und so suggerieren die beiden Bundesliga-Debütanten, dass die Ursache für geräuschloses Arbeiten in niedrigen Erwartungen bestehen könnte."

Kloses und Tonis Aufwärtstrend

Tobias Schächter (Financial Times Deutschland) begleitet den FC Bayern auf seiner Suche nach dem Selbst: "Eintracht Frankfurt war der richtige Aufbaugegner für die Bayern vor deren richtungsweisenden Spielen beim VfB Stuttgart und gegen Girondins Bordeaux. Die Zuversicht, den schweren Herbst zu überstehen, ist nun gewachsen bei den Münchnern. Auf der Suche nach der verlorenen Identität sind die Münchner einen Schritt weitergekommen. Das liegt auch am klaren Aufwärtstrend einiger Bayern-Profis. Miroslav Klose etwa nähert sich langsam wieder seiner Bestform. Auch bei Toni ist wieder jener Einsatzwille zu beobachten, der ihn in seiner Anfangszeit zum gefürchtetsten Angreifer der Liga gemacht hatte. Für Mario Gomez dürfte es schwer werden, das von van Gaal bevorzugte Angriffsduo Klose/Toni zu sprengen."