Für muslimische Hochleistungssportler bricht im Fastenmonat eine harte Zeit an. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen sie nichts essen und nichts trinken und müssen dennoch ihre Leistung bringen. In der Fußballbundesliga gibt es mehrere Profis, die sich an die religiösen Vorschriften halten – mal mehr, mal weniger streng.

Arbeitsrechtlich mussten die korantreuen Kicker bislang keine Konsequenzen fürchten. Das ist nun anders: In dieser Woche wurde bekannt, dass der Zweitligist FSV Frankfurt die drei muslimischen Profis Soumaila Coulibaly, Pa Saikou Kujabi und Oualid Mokhtari abgemahnt hat, weil sie im Ramadan gefastet hatten.

Der FSV begründete in seinem Abmahnungsschreiben dieses Vorgehen wie folgt: "Durch Ihr Verhalten haben Sie Ihr sportliches Leistungsvermögen in erheblicher Weise gefährdet." Außerdem hätten sie gegen eine Klausel im Vertrag verstoßen. Diese besagt, dass Fasten ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung des Klubs untersagt ist.

Für die Spielergewerkschaft der Vertragsfußballer (VDV) ist das Verhalten des Vereins "rechtswidrig", wie dessen Geschäftsführer Ulf Baranowsky ZEIT ONLINE sagt. Der VDV halte es für fragwürdig, Ernährungsgewohnheiten in Verträge schreiben zu lassen. Der Arbeitgeber könne nicht vorgeben, was die Spieler zu essen haben.

Es ist auch noch nicht der Nachweis erbracht worden, in welcher Weise sich Fasten auf die Leistung auswirkt
Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV

"Es ist auch noch nicht der Nachweis erbracht worden, in welcher Weise sich Fasten auf die Leistung auswirkt", betonte Baranowsky. "Bei einer Arbeitsgerichtsklage müsste der FSV die Abmahnung zurücknehmen." Soweit ist es aber noch lange nicht. Die Abmahnung hat für die Spieler keine direkten Folgen, sie werden nicht auf die Tribüne verbannt oder müssen mit einer Entlassung rechnen.

Die Frankfurter wehren sich in einer Pressemitteilung gegen die Vermutung, die Vertragsklausel sei aus religiösen Gründen erfolgt: "Sie ist nicht aufgrund der Tatsache des Fastens erteilt worden, sondern wegen der nicht eingehaltenen Abspracheverpflichtung der Spieler". Frank Rybak, VDV-Anwalt, bezweifelt diese Darstellung: "Die Abmahnungen sind ganz klar auf das Fasten gestützt und nicht auf die Verletzung einer Absprache."

Der FSV verteidigt trotz negativer Berichterstattung den Vertragspassus. "Wir schämen uns nicht dafür", sagte Pressesprecher Matthias Gast, "wir haben ihn schließlich nicht eingefügt, um den Spielern zu schaden." Der Arbeitgeber müsse wissen, ob ein Spieler fastet, andernfalls würde er bei voller Trainingsbelastung eine Gesundheitsgefährdung riskieren. Fastende Spieler müssten Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Da viele dieser Substanzen auf der Dopingliste stehen, müsse die Einnahme von den Mannschaftsärzten koordiniert werden.