Die Liebe zum Fußball wird in Tom Tykwers erstem deutschen Kinofilm seit zehn Jahren eine wichtige Rolle spielen. Der Regisseur (Das Parfum, The International) dreht derzeit in Berlin Drei, eine Tragikomödie mit Sophie Rois, Devid Striesow und Sebastian Schipper in den Hauptrollen. Alle drei lieben einander, einer liebt den 1. FC Union Berlin.

Tykwer hätte aus seinem Protagonisten auch einen Hertha-Anhänger machen können, dann wären die Stadionszenen wohl im Berliner Olympiastadion gedreht worden. Doch er wählte eine andere Kulisse: das Stadion An der alten Försterei in Berlin Köpenick.

Und so richten am Montagabend Film und Fernsehen ihre Kameras auf das Topspiel der Zweiten Fußball-Bundesliga, in dem sich Union und die Spielvereinigung Greuther Fürth gegenüberstehen. Tykwer und seine Filmcrew hoffen auf Emotionen und Torjubel, die Redakteure des Deutschen Sport Fernsehens (DSF), das die Partie live überträgt, wohl auf einen weiteren Sieg des überraschend erfolgreich in die Saison gestarteten Aufsteigers.

Auch der Dramaturgie dieses Artikels wäre ein Union-Erfolg zu Gute gekommen. Während sich Hertha BSC Berlin, der große Hauptstadtklub, in einer hoffnungslosen Misere befindet, mischt Union die Zweite Liga auf. Drei Punkte gegen Fürth und die "Eisernen" hätten nach neun Spieltagen mit nur einem Punkt Rückstand auf Tabellenführer Arminia Bielefeld auf einem Aufstiegsrang gestanden.

Doch im Fußball gibt es kein Drehbuch, nur den Konjunktiv. Union unterliegt mit 1:2, verliert das zweite Spiel in Serie und damit erstmals in dieser Saison im heimischen Stadion. "Willkommen in der Zweiten Liga", wird Union-Trainer Uwe Neuhaus später sagen.

Aus dieser Liga waren die Berliner in der Saison 2003/2004 abgestiegen, wurden durchgereicht bis in die Oberliga Nordost-Nord. Der Wiederaufstieg über die Regionalliga Nord und die damals neu gegründete Dritte Liga war mühsam. Denn neben den sportlichen Problemen plagen den traditionsreichen Ost-Klub seit jeher finanzielle Sorgen.

Das einzige Kapital des Vereins: die Fans. Gemessen an den spärlichen Erfolgen sowie der großen sportlichen wie kulturellen Konkurrenz in der Hauptstadt, besitzt der Verein eine treue und große Basis von fast 6000 Mitgliedern. Seit den 1990er Jahren bewahrte sie den Verein gleich mehrfach vor dem Aus.