Bayern München - Bayer Leverkusen 1:1

Den Fans reicht's: Beim Gang in die Südkurve ernteten die Bayern-Profis nur noch wütende Pfiffe der erbosten Anhänger. Nach dem Unentschieden gegen Leverkusen hinken die Münchner mit dem in noch größere Bedrängnis geratenen Trainer Louis van Gaal dem Tabellenführer weiterhin mit sechs Punkten hinterher. Ein denkbar schlechter Start in eine heiße Woche mit dem drohenden K. o. in der Champions League und der Kür von Uli Hoeneß zum Vereinspräsidenten.

"Mit Platz sieben ist keiner zufrieden, weder die Mannschaft noch der Trainer, noch die Fans, noch wir", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der zur Position des umstrittenen Holländers bemerkte: "Wir werden gemeinsam mit Louis van Gaal versuchen, jetzt hoffentlich schnell die Kurve zu kriegen." Schon am Mittwoch könnte gegen Maccabi Haifa selbst bei eigenem Heimsieg das Aus in der Champions League besiegelt werden. "Wir müssen die Dinge sachlich und rational und nicht irrational und emotional sehen", mahnte Rummenigge.

Fakt war, dass die Münchner in den 90 Minuten gegen Bayer erneut weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieben. "Keiner von uns ist zufrieden, wir wollten unbedingt gewinnen", sagte Mario Gomez. Vor 69.000 Zuschauern in der Allianz Arena hatte der Nationalstürmer schon in der 8. Spielminute das 1:0 erzielt – ein Tor, das nicht die erhoffte Befreiung brachte.

Stefan Kießling glich nur sechs Minuten später mit seinem neunten Saisontor aus. "Unser Problem ist, dass wir eine Mannschaft ohne Vertrauen gesehen haben", gestand selbst van Gaal, der zur Job-Sicherung dringend Erfolge braucht: "Ich entscheide da nicht drüber. Ich muss mich mit meiner Mannschaft beschäftigen."

Bei den seit 20 Jahren in München sieglosen Leverkusenern jubelte auch niemand über den einen Zähler. "Wenn wir uns ein bisschen mehr zugetraut hätten, hätten wir auch auf Sieg spielen können", haderte Kießling. Nationaltorhüter René Adler hielt das Remis für Bayer fest, speziell mit einer spektakulären Parade nach einem Hackentrick von Gomez (85.). "René hat großartig gehalten", lobte Coach Heynckes.

Im ersten Spiel nach seiner Stadion-Flucht, Geldstrafe und anhaltenden Unstimmigkeiten mit van Gaal stand Weltmeister Luca Toni nicht im Bayern-Kader – wegen einer Leistenzerrung. Beim Aufwärmen meldete sich auch noch Hamit Altintop mit Muskelverhärtung ab. Dafür rückte Miroslav Klose als zweite Spitze neben Gomez in die Startelf. Mit zunächst positivem Effekt: Nach energischem Einsatz von Klose erzielte Gomez nach zwei Monaten Torflaute mit dem linken Außenrist seinen vierten Liga-Treffer. "Wenn er solche Tore schießt, hat er mein Vertrauen", sagte van Gaal.

Leverkusen spielte nach dem Rückstand zeitweise so, wie es die Bayern eigentlich wollen: schnell, direkt und zielstrebig. Nach seinem Ausgleichstreffer scheiterte Kießling allerdings ebenso am Ex-Leverkusener Jörg Butt wie kurz darauf Toni Kroos (30.). Der ausgeliehene U-21-Nationalspieler konnte in vielen Aktionen aufzeigen, warum die Bayern ihn zum Saisonende zurückhaben wollen.

Das Münchner Offensivspiel war ohne Kreativkräfte wie Franck Ribéry und Arjen Robben dagegen einmal mehr einfallslos. Holger Badstuber prüfte Adler mit einem Freistoß (40.), und auch Anatoli Timoschtschuk konnte den Nationaltorhüter nicht bezwingen (44.). Das Bemühen war dem Rekordmeister bis zum Ende nicht abzusprechen, aber eine spektakuläre Großchance von Gomez nach der Pause war zu wenig für den hochkarätigen Kader, der keine Einheit ist. Van Gaal bleibt weiter nur die Hoffnung, endlich "eine Serie zu machen". Aber er gab auch zu: "Vielleicht ist es lächerlich, das heute zu sagen."