Es war die größte Trauerfeier, die es je für einen deutschen Sportler gegeben hat. In Hannovers Arena herrschte eine ungewöhnliche Stadion-Atmosphäre: Friedliche Andacht, viel Stille, Trauermusik und einfühlsame Reden. Und langanhaltender Beifall – etwa als der Sarg des Nationaltorhüters Robert Enke von ehemaligen Mitspielern von Hannover 96 aus dem Stadion getragen wurde.

Rund 40.000 Fans erwiesen am Sonntag in der AWD-Arena ihrem Idol die letzte Ehre. Neben der Familie Robert Enkes nahmen Prominente aus Fußball, Politik und Gesellschaft an der Trauerfeier teil, darunter die gesamte Nationalmannschaft, der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Martin Kind, Vereinspräsident von Hannover 96 würdigte Enke für seine sportlichen Leistungen und hob besonders die menschlichen Qualitäten des Torhüters hervor. "Seit Dienstagabend verharrt Hannover in tiefer Trauer", sagte Oberbürgermeister Stephan Weil. "Es ist sehr still in Hannover, aber gleichzeitig ist die Stadt zusammengerückt."

Der Sarg Enkes war mit mehreren Kränzen im Mittelkreis des Stadions aufgebahrt. Genau dort, wo Enke noch vor einer Woche beim Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV als Kapitän von Hannover 96 bei der Platzwahl gestanden hatte.

DFB-Kapitän Michael Ballack und Per Mertesacker legten eine Kranz nieder. Alle Nationalspieler verneigten sich am Sarg.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sprach der Witwe Enkes seine Hochachtung für ihren tapferen Auftritt am Mittwoch aus. DFB-Präsident Theo Zwanziger appellierte in seiner Rede an die Menschlichkeit und den Blick über den Sport hinaus. "Denkt nicht nur an den Schein. Denkt auch an das, was in den Menschen ist, an Zweifel und Schwäche", sagte Zwanziger. 

Die Tränen flossen vor allem, als die 17 Jahre alte Schülerin Alina Schmidt die Vereinshymne "96 – alte Liebe" sang. Nicht fetzig-rockig wie vor dem ersten Heimspiel der Saison gegen Mainz, als Enke im Tor stand,
sondern gefühlvoll und nur von zwei Gitarren begleitet.

Außenstehenden mag diese Form und Dimension einer Trauerfeier übertrieben vorkommen. Doch "es war der Wunsch von Teresa Enke, dass sich die vielen Fans in einem adäquaten Rahmen von Robert verabschieden können. Das wäre auf einem kleinen Friedhof nicht möglich gewesen", erklärte 96-Pressechef Andreas Kuhnt. Nachdem bereits am Mittwoch 35.000 Menschen schweigend zum Stadion gegangen waren, um ihre Anteilnahme auszudrücken, war eine kleinere Lösung undenkbar.

Nach der Trauerfeier wird Enke im engsten Familienkreis auf dem Friedhof in Neustadt am Rübenberge neben seiner 2006 gestorbenen Tochter Lara beigesetzt.

Enke hatte am vergangenen Dienstag im Alter von 32 Jahren Suizid begangen. Enkes Frau Teresa hatte auf einer Pressekonferenz berichtet, dass Enke an schweren Depressionen litt.