Im internationalen Fußball bahnt sich ein neuer Wettskandal an - mit Drahtziehern in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt nach eigenen Angaben seit Anfang des Jahres gegen eine international agierende Bande, der fortgesetzte, gewerbsmäßige Wettbetrügereien zur Last gelegt werden. Laut Berliner Morgenpost soll es diesmal um angeblich manipulierte Erstligaspiele in der Türkei gehen. Insgesamt gebe es 100 Tatverdächtige. Bisher seien fünf Haftbefehle vollstreckt worden.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wurden am Donnerstag in mehr als einem halben Dutzend Länder Verdächtige festgenommen. Unter ihnen die Berliner Brüder Milan und Ante S., die schon im Wettskandal 2005 um Schiedsrichter Robert Hoyzer eine maßgebliche Rolle gespielt hatten. Ante S. wurde damals wegen Wettbetrugs zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt.

"Die Beschuldigten sind verdächtig, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen europäischen Fußball-Ligen gegen Geldzahlungen veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen im Sinne der Bande zu manipulieren und diese Situation zu Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben", erklärte die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen am Donnerstag in Bochum. Einzelheiten wollen Staatsanwaltschaft und Polizei zusammen mit einem Vertreter der Uefa aus der Schweiz an diesem Freitag (14.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz in Bochum bekannt geben.

Wie die SZ weiter berichtet, sollen vor allem Spiele der türkischen Süperlig von den Manipulationen betroffen sein. Aber auch Spiele in Serbien, Kroatien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina sollen verschoben worden sein.

Auch eine Partie in Deutschland könnte manipuliert worden sein. Dabei soll es sich laut SZ um das Freundschaftsspiel SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul (0:5) am 14. Juli 2009 handeln. Aus den Unterlagen der Ermittler ergebe sich der Verdacht, "bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm sollen für ihre Bereitschaft zu verlieren" einen niedrigen fünfstelligen Betrag insgesamt erhalten haben. Es handele sich dabei nur um einen Anfangsverdacht.

Beim Deutschen Fußball-Bund gibt man sich zurückhaltend. "Die UEFA- und DFB-Frühwarnsysteme für die Überwachung des Wettmarktes haben keinerlei Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum können wir keinen Kommentar abgeben, da uns die Ermittlungsergebnisse bisher nicht bekannt sind", erklärte Harald Stenger, der Medien-Direktor des DFB. 

Anfang 2005 hatte die Hoyzer-Affäre den deutschen Fußball erschüttert. Der Referee hatte in einigen Spielen absichtlich falsch gepfiffen. Hoyzer gestand und wurde zu einer Haftstrafe wegen der Manipulation von Fußball-Spielen und Beihilfe zum Betrug verurteilt. Die Haftstrafe hat er inzwischen verbüßt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sperrte Hoyzer lebenslang.