Philipp Lahm erntet Zustimmung und gar Dank der Presse nach seiner offenen Kritik am Zustand des FC Bayern: Lahm habe in allen Punkten recht und noch dazu Größe bewiesen.

Was nach Lahms Interview bei Johannes Aumüller (SZ) zunächst wie eine Entwarnung klingt, ist in Wahrheit ein Alarmzeichen. Aumüller sieht keine Parallelen zum "FC Hollywood" von einst. Damals habe der "FC Hollywood" seine Problemchen am Rande eines ansonsten erfolgreichen Wirkens gehabt. Der aktuelle FC Bayern stehe hingegen "kurz vor der Explosion". Der Klub befinde sich in einer "substanziellen Ergebnis- und Identitätskrise. Es war bezeichnend, dass sich nach dem Spiel keiner der Bayern-Bosse mit der inhaltlichen Kritik des Abwehrspielers auseinandersetzte." Sollte der FCB die nächste Partie gegen Leverkusen verlieren, prophezeit Aumüller, "dürfte es endgültig zur Explosion kommen".

Orientierungslose Bayern

Jörg Hanau (FR) bedankt sich bei Philipp Lahm für dessen offene Worte. Verantwortlich für die Krise seien aber andere als Lahm: "Derart orientierungslos ist der FC Bayern früher selten durch eine Saison getaumelt. Das lag in erster Linie an einem starken Uli Hoeneß. Drei Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit sind kein Zufall. Der Noch-Manager und Bald-Präsident hat in den vergangen Monaten aber zu viel von seiner Richtlinienkompetenz an die jeweiligen Cheftrainer abgegeben." Van Gaal und Klinsmann erreichten trotz ihrer Machtfülle nicht das, was den Bayern vorschwebe. Lahm habe diese Problematik erkannt und mit seinen Äußerungen Größe bewiesen. Einen für Lahm nicht unwillkommenen Nebeneffekt habe dieses Interview ebenfalls: "Lahms Botschaft: Van Bommel ist der Kapitän, das Sagen aber habe ich."

Der Retortenklub atmet Fußball

Christoph Ruf (Spiegel Online) malt mit Blick auf Hoffenheim den Frankenstein aller Fußball-Traditionalisten an die Wand. Das künstlich erzeugte Wesen erwache zu Leben. "Der Klub hat es in kürzester Zeit geschafft, vom ambitionierten Konstrukt zu so etwas wie einem echten Fußballverein zu werden. Bundesweit neu gegründete Fanklubs zeigen: Der vermeintliche Retortenklub hat überraschend schnell angefangen zu atmen." Dafür gebe es allerdings auch Gründe: "Die rangnicksche Philosophie des kompromisslosen Pressings hinter der Sturmreihe und des schnellen Spiels nach vorne sorgt ganz nebenbei für hohen Unterhaltungswert. Zumal das Team mit Carlos Eduardo, Sead Salihovic und Chinedu Obasi im Mittelfeld großartige Einzelkönner hat. In der Bundesliga, der es an herausragenden Individualisten mangelt, sind die drei fast schon ein Alleinstellungsmerkmal." Zwar habe Hoffenheim auch mit Unzulänglichkeiten auf dem Platz zu kämpfen, doch: "Stellt man die Probleme ab, sind nach oben keine Grenzen gesetzt."

Ein Fall für Zwei

Nach der 0:4-Pleite in Leverkusen hat Frankfurts Trainer Michael Skibbe mit deutlichen Worten dem Kader der Eintracht die Qualität abgesprochen. Seine Kritik schloss auch seinen Chef mit ein. Michael Jahn (Berliner Zeitung) erinnert daraufhin an eine ZDF-Serie, in der Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen einst eine kleine Rolle übernahm: "Der Fall für Zwei nimmt in Frankfurt am Main dank Privatdetektiv Josef Matula immer ein gutes Ende, doch jetzt hat sich Trainer Michael Skibbe ungefragt eingemischt und ausgerechnet als Kritiker von Bruchhagen profilieren wollen. Dieser neue Fall für Zwei könnte ein schlimmes Ende nehmen: für Skibbe. Beobachter glauben, Skibbe habe mit seiner heftigen Kritik beinahe um seine Entlassung gebettelt. Es bleibt nun abzuwarten, wie Heribert Bruchhagen reagiert. Beim ZDF-Quotenhit Ein Fall für Zwei werden unliebsame Schauspieler schnell aus dem Drehbuch geschrieben. Sie verschwinden oder werden zum Opfer."

Gnadenbrot für die Schlachtrösser

Tobias Schall schließlich verfasst in der Stuttgarter Zeitung einen Abgesang auf all die vertrauten Namen, die jahrzehntelang in verschiedenen Städten an der gleichen Stelle aufgetaucht sind: Auf der Trainerbank. "Ein Generationswechsel. Die alten Schlachtrösser bekommen ihr Gnadenbrot, der reflexartige Griff in die Schublade mit Neururer, Röber, Berger, Rausch, Lorant, Lienen, Möhlmann und so weiter ist verpönt. Es hat ein Umdenken stattgefunden. Neue Wege, neue Namen. Gras fressen war gestern, die neue Garde spricht von target playern, von in der Box, was wohl der Strafraum ist, und verwechselt Laptop nicht mit Kutzop. Konzepttrainer sind die Trainer der Stunde."