Sebastian Gierke fragt sich in der FR, ob dieser FC Bayern überhaupt im Achtelfinale der Champions League am richtigen Ort sei: "Van Gaal kämpft mit vielen Problemen. Vor allem im Angriff läuft nicht viel zusammen. Wegen der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive sah der FC Bayern gegen die harmlosen Israelis auch lange Zeit nicht wie eine Mannschaft aus, die es verdient hat, in die K.o.-Runde der höchsten europäischen Spielklasse einzuziehen." Die Ursache sieht Gierke in der fehlenden mentalen Stärke: "Konnte man unter Jürgen Klinsmann noch die fehlende Ordnung für schlechte Leistungen verantwortlich machen, ist jetzt die Angst der Spieler der Grund. Eine ganz neue Situation für den FC Bayern, der es lange verstand, Druck in Selbstvertrauen umzuwandeln."

In der Stuttgarter Zeitung nennt Mirko Weber den bayrischen Trainer einen "Dr. Seltsam" und hält eine Komponente im Anforderungsprofil eines Trainers für nicht erfüllt: "Louis van Gaal trug den Kopf nach der Partie so hoch, als sei er sich der Tatsache geradezu überbewusst, denselben anstellungstechnisch fast schon unter dem Arm gehabt zu haben. Ob er ein guter Bayern-Trainer ist, muss sich immer noch herausstellen, dass es sich bei ihm um einen guten Psychologen handelt, wird zweifelhafter."

Auch Christian Eichler wartet in der FAZ schon länger vergeblich auf eine überzeugende Leistung der Bayern: "Van Gaal hangelt sich seit Wochen von Spiel zu Spiel. Kein rechter Befreiungsschlag will gelingen." Zwar sei man bislang auch noch nicht unter die Räder gekommen wie in der letzten Saison mit 1:5 in Wolfsburg und 0:4 in Barcelona, doch verharre man auf diese Art im "unbefriedigenden Status quo: Es war die übliche Anhäufung von zielloser Ballkontrolle und mangelnder Dynamik im Spielaufbau".

Während der FC Bayern mühevoll gewann, verlor der VfL Wolfsburg in Moskau. Christian Otto macht in der Financial Times Deutschland denselben Begleiter der Wolfsburger Spieler wie jenen der Münchner aus: "Es war nicht zu übersehen, dass einige im Team des deutschen Meisters Angst hatten und haben. Sie müssen nämlich beim letzten Gruppenspiel gegen Manchester United wie eine richtige Mannschaft auftreten. In Moskau blieb die Elf von Armin Veh, diesen Nachweis schuldig." Nachdem Stürmer Edin Dzeko unglücklich ein Tor fürs eigene Team verhindert hatte, "brach eine Mannschaft auseinander, in der bis auf Torhüter Benaglio kein Führungsspieler zu erkennen war. Geschockt, viel zu brav und am Ende willenlos hatten die Wolfsburger sogar Glück, das sie nicht noch höher verloren."

Der VfB Stuttgart gewann nach langer Durststrecke bei den Glasgow Rangers. Für Peter Stolterfoht stellt dieses Ergebnis noch keine klare Trendwende dar, er äußert in der Stuttgarter Zeitung aber auch Hoffnung: "Der große Befreiungsschlag ist es noch nicht gewesen. Ein gutes Spiel bedeutet noch lange nicht die Trendwende. Diese Erfahrung machte der VfB schließlich schon im September, als in Frankfurt 3:0 gewonnen wurde, die Mannschaft danach aber in der Bundesliga kein Mal mehr siegte. Zumindest ist diese Partie aber ein Wegweiser, wie der VfB aus der Krise kommen kann."

Auch der FC Barcelona war zuletzt in einer, wenn auch kleineren Krise. Ronald Reng beobachtet in der taz die wiedergewonnene Stärke im Spiel gegen Inter Mailand: "Die Schau vom Dienstag belohnte Guardiola für seine Courage, zu Saisonbeginn Barças Spielkonzept zu ändern. Alles zu lassen, hieße zu stagnieren, selbst wenn alles gut war, glaubte er." Er kaufte und verkaufte Personal und gegen Inter änderte er gar die Taktik, erfolgreich wie sich zeigte: "Eine Partie, die als Drama angekündigt war, weil dem Titelverteidiger bereits in der Vorrunde das Ende drohte, wurde zum Spektakel. Barças Pässe bildeten eine Melodie, ihre vollständige Dominanz über den italienischen Meister war fast schon peinlich."

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